"Faible für kleine Einheiten"

Holzheim.  Nach halbjähriger Übergangszeit hat die Grundschule Holzheim eine neue Schulleiterin: Simone Hell hat neben dem Referendariat her in Politikwissenschaften promoviert und unterrichtete zuletzt in Roggenburg.

Ihr Lachen klingt, wie es der Name verspricht: hell. Simone Hell heißt die neue Schulleiterin der Holzheimer Grundschule. Wer sie kennen lernt weiß, warum die Schüler diese Frau - um es ganz vorsichtig auszudrücken - nicht fürchten. Simone Hell ist blond, zierlich, fröhlich, hat lebhafte grüne Augen - und dieses ansteckende glockenhelle Lachen.

Die Lebensfreude und der Optimismus, welche die gebürtige Unterfränkin ausstrahlt, haben aber - wie ihr Lebenslauf zeigt - keineswegs etwas mit Oberflächlichkeit zu tun. Sonst hätte es die gelernte Bankerin und studierte Grundschullehrerin wohl kaum mit 36 Jahren zur Frau Doktor, Buchautorin, Uni-Dozentin und zugleich zur Leiterin einer der schönsten kleinen Schulen im Landkreis gebracht.

Neben dem Referendariat, unter dessen Anforderungen viele Lehramtsstudenten traditionell aufstöhnen, hat Simone Hell eine 250-seitige Doktorarbeit und ein eineinhalbstündiges Kolloquium in Politikwissenschaften vorbereitet und durchgestanden. Fast beiläufig erzählt sie das, wenn sie auf ihre Ausbildung angesprochen wird: Nebenbei habe sie promoviert. Ach. "Das war sehr aufwendig", fügt die 36-Jährige dann doch noch hinzu.

Thema war die bayerische Schulpolitik. Genauer gesagt: "Welchen Weg schlägt die bayerische Landespolitik ein, damit die Schulen mehr Eigenständigkeit bekommen?" Sollen sie das denn? Oh ja, sagt Dr. Simone Hell. "Etwa indem sie eigene Profile entwickeln und dadurch intern einen Weiterentwicklungsprozess anstoßen."

Wie das geht, hat sie in den vergangenen fünf Jahren an der Roggenburger Grundschule - noch eine schöne kleine Schule im Kreis - zusammen mit ihren dortigen Kollegen in der Praxis erproben können.

A propos Kollegen: In Holzheim hat sie drei, allesamt Frauen. Sie ist die jüngste unter ihnen. Kann das gutgehen? Simone Hell lacht wieder ihr helles Lachen. "Am Anfang hab ich mir das schwierig vorgestellt, aber es ist nicht schwierig." Vielleicht, weil sie die Auffassung vertritt, es sei "wichtig, dass man sich an der Schule wohlfühlt". Sich-Wohlfühlen sei die Voraussetzung dafür, dass Lernen gelingt. Ein Satz wie aus dem Didaktik-Lehrbuch.

A propos: Didaktik-Bücher schreibt sie auch noch. Vor allem für das Fach Kunst. Dazu arbeitet sie als Schriftenleiterin in einem Fachmagazin und gibt im Schulamtsbezirk Fortbildungen.

Außer die Holzheimer Erstklässler unterrichtet sie zudem Grundschullehramts-Studenten an der Uni Würzburg. "Pro Semester zwei Wochenstunden", das ist neben dem Schulleiterjob machbar. Da ist es von Vorteil, dass die Holzheimer Grundschule mit 74 Kindern eine kleine Schule ist. "Ich hab ein Faible für kleinere Einheiten", sagt sie. "Die haben den Vorteil, dass sie flexibler sind - und besser im Ort integriert. Die Wege zwischen den Institutionen sind kurz. So kann man schneller etwas bewegen." Das mag Simone Hell. Genauso wie die langen Sommerferien. Die geben ihr die Möglichkeit, sich neben all den beruflichen Verpflichtungen ihrem Hobby zu widmen: dem Reisen. Mit dem Rucksack nach Vietnam, Thailand, Australien, selber organisiert.

Ach ja, verheiratet ist sie auch noch, seit neun Jahren. Ihrem Mann folgte sie einst vom Fränkischen nach Schwaben. Hier will sie bleiben, zumindest mittelfristig.


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Autor: CLAUDIA REICHERTER | 13.03.2010

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