"Es geht nicht ums Aufhübschen"

Elchingen.  Nur schön genügt nicht. Das sagen Felix Timm und Gabriele Busse-Kilger, die neuen Chefs der Elchinger Design-Schmiede Busse. Seit 1959 werden dort Produkte entwickelt wie die Zahnbürste mit Schwingkopf.

"Design ist schon lange kein Luxusthema mehr, sondern ein elementarer Faktor für das Produkt." Das sagt Felix Timm (32), der zusammen mit Gabriele Busse-Kilger die Firma Busse Design in Unterelchingen seit Anfang des Jahres leitet (wir berichteten). Busse-Kilger (38) ist die Schwiegertochter von Design-Koryphäe Rido Busse, der die Firma 1959 gegründet hat. Es heißt, dass es hierzulande keinen Haushalt gibt, in dem sich nicht zumindest ein von Busse entworfenes Produkt findet: Die Krups Rührschüssel, Küchenwaagen, Kopfhörer, Heckenscheren und Zahnbürsten mit Schwingkopf. Über Jahrzehnte hat Busse den Alltag der Deutschen gestaltet.

Busse, heute 76 Jahre alt und im Dezember 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, hat an der Ulmer Hochschule für Gestaltung studiert - und saß während dieser Zeit auch mit namhaften Dozenten wie Hans Gugelot abends in Bars zusammen, um über Produktdesign zu diskutieren. "Gutes Design ist ehrliches Design, ohne Schnickschnack", hatte Busse im September 2009 bei einem Gang durch die Firma erklärt.

Busse-Kilger und Timm sind angetreten, um das Unternehmen mit 45 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund drei Millionen Euro, dessen Geschichte in den Wirtschaftswunderjahren begann, in den globalisierten Wettbewerb des 21. Jahrhunderts zu führen. Timm spricht in diesem Zusammenhang von "Busse 2.0". "Wir wollen das Konzept von Rido Busse nicht umschmeißen, aber um kleine Bausteine in der Wertschöpfungskette ergänzen", erklärt er. "Wertschöpfungskette", der Begriff fällt öfters in dem Gespräch mit Timm und Busse-Kilger. Klar ist: In Elchingen wird Design nicht zum Selbstzweck betrieben. "Wir sind kein reines Designinstitut", erklärt Timm. "Es geht darum, erfolgreiche Produkte zu entwickeln. Nicht ums Aufhübschen."

Busse-Kilger hat Betriebswirtschaft studiert und kleine und mittlere Unternehmen beraten, Industrie-Designer Timm ist seit 2004 Busse Vertriebsleiter. Mit Leichtigkeit jonglieren die beiden mit Begriffen wie "lean production", "tendering" und "target costing".

Vom Produktentwurf bis zum Prototypenbau, das sind die klassischen Dienstleistungen, die Busse Design für seine Kunden erbringt. Und dabei müssen auch kulturelle Vorlieben berücksichtigt werden, so Timm. Etwa die Vorliebe der US-Amerikaner für Volumen. "Wenn dort eine Kettensäge nicht fünfmal größer ist als eine normale, taugt die nichts." Diese Palette wird nun ausgebaut: Die Firma kümmert sich auch um Zertifizierungen und fertigt selbst Kleinserien. Derzeit wird in Elchingen schon das "Ulmer Stadiometer" hergestellt, ein medizinisches Messgerät, das bis nach Australien verkauft wird. Manchmal geht es auch schlicht darum, den "Produktionsprozess zu optimieren", berichtet Busse-Kilger. Etwa die Anzahl der für ein komplexes Produkt benötigten Einzelteile zu verringern. "Das minimiert Fehlerquellen", sagt sie. "Aber das Design bleibt dasselbe."

In München ereilte die Unternehmensberaterin der "Ruf nach Elchingen", sagt Busse-Kilger. Damit steht seit Januar wieder ein Familienmitglied bei Busse mit an der Spitze. Rido Busse hatte sich vor einigen Jahren aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, Werner Eisentraut leitete die Firma. Es habe aber stets einen Draht der Familie ins Unternehmen gegeben. "Ich wurde quartalsweise über die anstehenden Entwicklungen unterrichtet", erklärt Busse-Kilger. Und Rido Busse? "Der schaut im Unternehmen vorbei."


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Autor: STEFAN CZERNIN | 21.01.2011

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