Ein Saal voller Josefs

Roggenburg.  Dass am 19. März Josefstag ist, wissen vielerorts nur noch ältere Bürger. In Roggenburg ist das anders. Dort feiert man den Namenstag nach wie vor.

Immer seltener dient der biblische Josef von Nazareth als Vorbild für die Namenswahl, immer weniger Menschen wissen, wann Josefs Ehrentag ist. Gegen dieses Vergessen wirkt in Roggenburg seit inzwischen 14 Jahren eine pfiffige Initiative: Jedes Jahr treffen sich dort am 19. März, dem Josefs-Namenstag, Namensträger aus der Region zum Josefsfest im Kloster und anschließend im Schützenheim zu einer Feier nach altem Brauch.

Wie das Hochfest der katholischen Kirche früher begangen wurde, darüber berichtete Prior Rainer Rommens vom Kloster Roggenburg im Gottesdienst. "Der Josefstag war ein wichtiger Feiertag für die Bauern, Knechte und Mägde, damals gab es ja noch keinen Urlaub." Zum Ausklang der ruhigeren Zeit im Winter habe man einen Tanzabend veranstaltet, bevor die harte Arbeit auf den Feldern wieder losging.

Vom biblischen Josef, der von seiner Lebensaufgabe, das Jesuskind als seinen Sohn anzunehmen, im Traum erfährt, schlug der Roggenburger Prior in seiner Predigt schließlich die Brücke zum heutigen Leben. "Josef war ein Mann, der nicht redet, sondern zuhört und dann handelt, das ist auch für uns eine Botschaft." Als Patron der Arbeiter steht der heilige Josef zudem für den Wert und Sinn der menschlichen Arbeit. Traditionellerweise wird der Festgottesdienst volkstümlich gestaltet. In Roggenburg sorgten der Männergesangverein Liederkranz und die Alphornbläser aus Bubenhausen für die musikalische Umrahmung.

Zum gemütlichen Teil des Abends im urigen Schützenheim kamen dann mehr als 100 gut gelaunte Gäste, darunter etwa 30 Josefs und Josefas. Bei Fastenbier, von dem jeder Namensträger eine Halbe umsonst erhielt, sauren Kutteln oder Leberkäse wurde zur "Werkstattmusik Bubenhausen" geschunkelt. Die Stubenmusik Heinle hatte extra eine Josefs-Polka einstudiert, für die Alphornbläser hatte Konrad Heinle eine Alphorn-Polka geschrieben.

"Letztes Jahr war das Fest hier so schön, dass wir dieses Jahr gleich nochmal hergekommen sind", beschrieb Josefa Stölzle aus Pfaffenhofen die Stimmung. Sie war sozusagen verpflichtet: Ihr Mann heißt schließlich Josef, ihr Vater, der Großvater und der Schwiegervater auch. "Früher hat der Namenstag mehr gegolten als der Geburtstag, da war das Haus voll bei meinen Großeltern", erinnerte sie sich. Sie halte an der Tradition - ein wenig zumindest - fest und habe zum Josef-Namenstag einen Kuchen gebacken. "Wenn jemand vorbei kommt, gibt es ein Stück oder ein Schnäpsle."


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Autor: LISA RANZ | 22.03.2010

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