Ehe als Albtraum
Memmingen. Ein 53 Jahre alter Mann aus Senden muss sich seit gestern vor dem Landgericht Memmingen verantworten. Er soll seine zwölf Jahre jüngere Frau vergewaltigt, geschlagen und mit dem Tode bedroht haben.
Am Anfang war es schön, am Ende die Hölle. So hat gestern Nachmittag eine 41 Jahre alte Frau als Zeugin am Landgericht Memmingen ihre Ehe beschrieben. Mit tränenerstickter Stimme berichtete sie vor der großen Strafkammer über die sexuellen Übergriffe und die Gewalttätigkeit ihres Mannes. Der 53-Jährige aus Senden sitzt seit zehn Monaten in Untersuchungshaft. Nun wird ihm der Prozess gemacht. Weil er seine Frau vergewaltigt, getreten, gewürgt, geschlagen und massiv bedroht haben soll. Mehrfach. Über viele Wochen hinweg. "Er hat gesagt, ich bring dich um und schmeiß dich in die Ecke", berichtete die zierliche Frau.
Als sie nicht mehr weiter wusste, damals in ihrer gemeinsamen Wohnung, habe sie sich in ein Zimmer eingeschlossen. Ihr Mann habe versucht, die Tür einzutreten, sie die Polizei angerufen. "Die Polizisten", sagte die 41-Jährige, "haben mir das Leben gerettet".
Der Angeklagte schüttelte während der Ausführungen seiner Frau immer wieder den Kopf. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm mehrere Jahre Haft. Die Anklage lautet auf Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und Bedrohung.
Vor Gericht wies der 53-Jährige sämtliche Vorwürfe zurück. Er habe sich noch nie ernsthaft etwas zu Schulden kommen lassen und seiner Frau nichts angetan. Wie seine Frau zu den Vorwürfen komme, könne er sich nicht erklären. Der arbeitslose Schweißer sagte: "Keine dieser Schilderungen stimmt." Er beteuerte: "Ich habe sie doch geliebt und wollte mit ihr bis zum Tod zusammen sein."
2006 hatten sie sich während einer Hochzeitsfeier kennen gelernt. Im Jahr darauf heiratete das Paar. Der Angeklagte berichtete ebenfalls von einer schönen Anfangszeit. Er räumte allerdings ein, dass es schon nach wenigen Monaten in der Beziehung kriselte. Kräftig kriselte. Seine Frau habe sich "intellektuell überlegen gefühlt" und irgendwann die Scheidung gewollt. Er habe viel Geduld aufgebracht und die Familie retten wollen. "Darum ging es mir."
Das mutmaßliche Opfer jedoch berichtete von den zwei Gesichtern ihres Mannes. In Gesellschaft habe dieser sich in aller Regel freundlich, verbindlich, seriös gegeben. "Wenn wir dann aber alleine waren, war er ganz anders." Als ihr Mann Ende 2008 seine Arbeitsstelle verlor, habe sich das Familienleben radikal verändert. Ihr Mann sei zunehmend aggressiv geworden, habe kaum noch mit ihr gesprochen. Schließlich habe er nicht nur sie, sondern auch ihren erst 13 Jahre alten Sohn bedroht, den sie aus ihrer ersten Ehe mit in die neue Beziehung gebracht hatte. "Das alles hat mir sehr, sehr viel Angst gemacht." Unter diesen fatalen Umständen habe sie für ihren Mann nichts mehr empfinden können.
Das wiederum habe der heute 53-Jährige nicht verkraftet. Vor gut einem Jahr dann sei die Situation völlig eskaliert. Er habe sie eines Nachts gegen ihren Willen zum Sex gezwungen und immer wieder geschlagen. In den Tagen und Wochen danach sei "alles noch viel schlimmer geworden". Zitternd berichtete die 41-Jährige von großen Schmerzen, schlaflosen Nächten und wiederkehrenden Albträumen. "Ich stand unter Schock." Sie habe sich niemandem anvertrauen können, betonte die Frau: "Ich wusste einfach nicht, wem ich das alles erzählen sollte."
Von ihrem Mann hat sich die 41-Jährige längst getrennt. Gestern sagte sie: "Ich versuche das alles zu vergessen. Irgendwie."
Info
Die Verhandlung wird am kommenden Mittwoch, 10. Februar, von 8.30 Uhr an in Memmingen fortgesetzt.
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Autor: CARSTEN MUTH | 06.02.2010
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