Die Marschrichtung steht

Elchingen.  Ein Ingenieurbüro hat sich die Elchinger Straßen genauer angesehen. Und festgelegt, welche Straßen wie dringend repariert werden müssen. Über eine Beteiligung der Anwohner wird im Einzelfall entschieden.

Die Ingenieure des Ulmer Büros Wassermüller waren in der jüngeren Vergangenheit viel in Elchingen zugange. Sie haben nicht nur die Elchinger Unterwelt, sprich die Kanäle, mit einer fahrbaren Kamera erkundet und auf Schäden untersucht (wir berichteten), auch die Straßen in den drei Ortsteilen wurden überprüft, der Zustand mit Schulnoten bewertet und in einem Kataster verzeichnet.

Dieses Verzeichnis haben die Ingenieure Thomas Scherraus und Alexander Reichenberger in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats vorgestellt. Es wird der Verwaltung künftig als Leitfaden, als Prioritätenliste für Reparaturarbeiten dienen. Fest steht: zu tun gibt es einiges. Auf rund vier Millionen Euro schätzt das Ingenieurbüro die Kosten, um alle Straßenschäden in Abschnitten, die mit der Note 3,5 oder schlechter bewertet wurden, zu beseitigen. Viel Geld in Zeiten stark sinkender Steuereinnahmen, darum werden zunächst wohl nur die besonders kritischen Stellen ausgebessert (siehe Infokasten).

Bewertet wurden die Elchinger Straßen unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit, stellte Reichenberger klar. "Schönheitsreparaturen kosten extra." Risse, offene Fugen, Flickstellen und beschädigte Bordsteine und Gehwege wurden erfasst und fotografiert. In mehr als 700 Abschnitte hat das Ingenieurbüro das Straßennetz unterteilt. Eine aufwendige Angelegenheit: Bereits im April 2007 hatte die Gemeinde den Auftrag erteilt, jetzt liegen die endgültigen Ergebnisse vor.

Am besten sehen die Straßen im Vergleich in Unterelchingen aus, auf 772 000 Euro beziffert das Ingenieurbüro den Sanierungsaufwand. In Oberelchingen wären für die Straßenreparaturen 955 000 Euro fällig, in Thalfingen satte 2,1 Millionen Euro. Auf digitalen Karten hat das Büro die Straßen in den Ortsteilen farblich gekennzeichnet , von "blau" für sehr gute bis "rot" für schlecht bewertete Straßen.

Wo genau der Straßenzustand besonders im Argen liegt, darüber hält sich die Gemeinde bedeckt, öffentlich machen will die Verwaltung die Karten nicht. "Das würde die Bürger nur verwirren", glaubt Gerhard Fischer, in der Gemeinde für den Straßenunterhalt zuständig. Weil sich rein anhand der Farbgebung nicht ableiten lasse, wo die Reparaturtrupps zuerst anrücken werden. Weil Straßensanierungen beispielsweise mit Kanalarbeiten oder dem Verlegen von Leitungen verbunden werden sollen.

Interessierte Bürger könnten sich jedoch bei der Gemeinde melden und dort Einsicht in das Register nehmen. Und das ist nicht uninteressant: Die Anlieger können bei den anstehenden Reparaturarbeiten zur Kasse gebeten werden.

In der Gemeinderatssitzung erklärte Bürgermeister Joachim Eisenkolb, die Gemeinde wolle die Bürger so wenig wie möglich beteiligen. Ob und in welcher Höhe sich die Anlieger beteiligen müssen, werde jeweils im Einzelfall festgelegt. Die Gemeinde habe nicht vor, mehr als für die Verkehrssicherheit nötig zu unternehmen. Der finanzielle Spielraum Elchingens ist begrenzt. Eisenkolb: "Die Geschwindigkeit der Sanierungen bestimmt der Geldbeutel."

Die Marschrichtung für die kommenden Jahre liegt der Verwaltung mit der Prioritätenliste nun jedenfalls vor, sie soll in den kommenden zehn bis 15 Jahren schrittweise abgearbeitet werden. Die Gemeinde will dafür 250 000 bis 300 000 Euro jährlich investieren.


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Autor: STEFAN CZERNIN | 10.03.2010

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