Café-Projekt auf der Kippe

Weißenhorn.  Seit einem Jahr steht das alte Rathaus in Weißenhorn leer. Das Gebäude soll künftig dem Museum zugeschlagen, ferner ein Café eingebaut werden. Ob Geld für die Projekte vorhanden ist, steht in den Sternen.

Was passiert mit dem ehemaligen Rathaus in der Weißenhorner Innenstadt? Diese Frage hat am Montagabend im Stadtrat zu kontroversen Diskussionen geführt. Zur Erinnerung: Vor gut einem Jahr ist die Stadtverwaltung ausgezogen, in ihr neues provisorisches Domizil in der Memminger Straße. Seitdem steht das ehemalige Rathaus, ein exponiertes Gebäude zwischen Kirch- und Hauptplatz, leer. Geht es nach dem Willen der Stadt, soll das allerdings nicht ewig so bleiben.

Große Teile des Gebäudes sollen dem benachbarten Heimatmuseum zugeschlagen werden. Verweilen sollen die Besucher künftig in einem so genannten Rathauscafé. Auf diese Pläne hatten sich die Stadträte bereits vor einigen Monaten geeinigt. Eigentlich. Denn jetzt stehen die Vorhaben, deren Realisierung alles in allem bis zu einer Million Euro verschlingen würde, auf der Kippe. Weil in Zeiten der Wirtschaftskrise das Geld auch in Weißenhorn knapp geworden ist. "Wir haben in diesem Jahr Probleme, einen ausgeglichenen Verwaltungshaushalt auf die Beine zu stellen", sagte Bürgermeister Wolfgang Fendt. "Das sagt eigentlich alles."

Aus eigener Kraft kann die Stadt die Pläne für das alte Rathaus also nicht realisieren. Die Weißenhorner haben schließlich auch andere ehrgeizige Pläne. Sie wollen in den kommenden Jahren ihre beiden Schlösser sanieren - in die dann, wie berichtet, die Verwaltung einziehen wird. Was den Umbau des früheren Rathauses betrifft, setzt die Stadt nun auf staatliche Unterstützung. Die Verwaltung wurde deshalb beauftragt, "die Zuschussfrage abzuklären", wie es in dem Beschluss des Stadtrats heißt. Man halte an den Vorhaben fest, sagte der Bürgermeister vor der Abstimmung. Zunächst einmal aber müssten konkrete Zahlen auf den Tisch. "Dann sehen wir weiter."

Angesichts der angespannten städtischen Finanzlage wollten einige Stadträte nun jedoch das Maßnahmenpaket für das frühere Rathaus wieder aufschnüren. Während die Erweiterung des Heimatmuseums offenbar Priorität genießt, lehnen viele Stadträte das Rathauscafé-Projekt nun ab. Auch deshalb, weil es noch keinen Betreiber gibt. "Ich bin absolut dagegen. Das Café ist nicht zu finanzieren", sagte etwa Josef Wanner (CSU). Auch Werner Weiss, Sprecher der Weißenhorner Überparteilichen Wähler, zweifelte am "betriebswirtschaftlichen Sinn" des Projekts. Das Rathaus-Café lasse sich nur dann verwirklichen, wenn es von der Stadt dauerhaft subventioniert wird. "Deshalb müssen wir schon sehen, ob und wie wir das alles finanzieren können."

Widerspruch gab es vor allem von Alexander Engelhard (PWG). Er ging mit seinen Kollegen hart ins Gericht und bemängelte deren Inkonsequenz: "Wir wussten doch, dass sich ein Café niemals von alleine trägt. Ich habe nichts gegen Subventionen." Engelhard warnte davor, das ehemalige Rathaus zu einer Bauruine "an der wichtigsten Stelle in der Stadt" werden zu lassen. "Wenn wir das bisschen Rathaus nicht finanzieren können, wie soll das erst bei den Schlössern funktionieren?" Engelhards Fazit: Wer die Altstadt attraktiver machen will, muss das Rathaus mit Leben füllen.

Die Entscheidung über den Bau eines Rathauscafés haben die Stadträte am Montag vertagt. Das Thema soll baldmöglichst wieder auf den Tisch, heißt es. Sollte die Stadt in den Genuss von Zuschüssen kommen und einen Betreiber finden, könnte das Café schon im nächsten Jahr gebaut werden, sagte Stadtbaumeister Burkhard Günther.

Der Ausbau des beliebten Weißenhorner Heimatmuseums wiederum soll in diesem Fall 2012 erfolgen. Wenn es die städtischen Finanzen tatsächlich zulassen.


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Autor: CARSTEN MUTH | 10.03.2010

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