Bald hat jeder Frater ein Bad

Roggenburg.  Der erste Teil der Sanierung des Roggenburger Klosters ist abgeschlossen. Der Süd- und der Mitteltrakt sowie der Mittelbau sind fertig renoviert. In einer festlichen Zeremonie wurden die Räume jetzt gesegnet.

Ein Segen sei sie, diese Sanierung, sagt der Provisor des Roggenburger Klosters, Pater Gilbert Kraus. Auch wenn nach den zwei Jahre dauernden Renovierungsarbeiten jetzt in der zwischen 1760 und 1770 erbauten Klosteranlage erst mal wieder etwas mehr Ruhe einkehren soll.

Der Wohnkomfort der 13 dort lebenden Patres und Fratres des Prämonstratenserordens ist durch die Umbauten jedenfalls deutlich gestiegen: durch die neu eingebaute Zentralheizung und die Tatsache, dass ihre Zimmer jetzt jeweils mit eigenem Badezimmer ausgestattet sind. Damit hat die Zeit der Etagenduschen und -toiletten ein Ende. Mit Pater Gilbert freuen sie sich darüber, die 30 unterschiedlich großen Räumlichkeiten im Süd- und Mitteltrakt sowie im Mittelbau, der zwischen den Innenhöfen liegt, wieder im Original-Zustand zu sehen.

Den Mitgliedern der Ordensgemeinschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Prior des Prämonstratenserklosters, Pater Rainer Rommens, die frisch gerichteten, wunderschönen historischen Räume bevor sie bezogen werden segnet. Er und Pater Gilbert hatten deshalb für Samstag zu einer Feierstunde mit Segnung, Ansprache und Imbiss ins renovierte Sommerrefektorium geladen. Am Vortag schon war der ebenfalls sanierte Kapitelsaals mit seinem Altar geweiht worden. "Wir sind gläubige Christen", erklärt der Verwalter des Klosters. Deshalb erbitte er den Schutz des Herrn gemäß dem Psalm "Wenn Gott das Haus nicht baut, dann mühen sich die Bauleute umsonst".

Viele jener Handwerker, die an den rund 60 Gewerken des Umbaus beteiligt waren, sind zur Zeremonie gekommen. "Es ist schwierig, die richtigen Firmen im restauratorischen Bereich zu finden. Im Falle Roggenburgs haben wir Glück gehabt", blickt Max Meixner von der beauftragten Projektentwicklungsgesellschaft zurück. Die "Feuchtigkeit, vor allem im Erdgeschoss", und den Hausschwamm, einen Pilz, der sich wie ein Spinnennetz über das Holz breitet und es aussaugt, zu bekämpfen, war eine "Herausforderung. Der Holzbau war stärker geschädigt als gedacht. "Die befallenen Teile mussten ausgebaut und ersetzt werden", bei der Neukonstruktion war darauf zu achten, "dass keine Feuchtigkeit hineinkam", erklärt Meixner.

"Unter einer abgehängten Decke wurden zwei Quadratmeter originaler Stuck mitsamt Farbe freigelegt", berichtet Pater Gilbert. Eine erfreuliche Überraschung, denn das verriet den Restauratoren das ursprüngliche Farbkonzept, nach dem sie sich in der Folge gerichtet haben. "Sehr viel Mühe und Arbeit, von der Planung bis zur Durchführung, war notwendig", lobte der Provisor alle Beteiligten. Und dankte dem Herrgott, "dass keine Unfälle passiert sind".

Dabei soll es bleiben. Im Moment wird schon am Osttrakt weitergearbeitet. Die dortigen Bauarbeiten sollen zwischen Ende 2012 und Frühjahr 2013 abgeschlossen sein. Dort befinden sich weitere Zimmer des Konvents, in denen dann insgesamt 25 Brüder wohnen können. "Wir sind eine wachsende Gemeinschaft", sagt Pater Gilbert.

Dem Projektentwickler zufolge ist die komplette Sanierung des Klosters mit 18,9 Millionen Euro veranschlagt. Aktuell lägen die Ausgaben für den ersten Bauabschnitt um etwa 200 000 Euro über diesem Planansatz. Als Grund hierfür nennt er denkmalpflegerischen Mehraufwand. Im zweiten Teil des Umbaus dürften die Ausgaben die veranschlagten Kosten dafür unterschreiten: Es gebe eine "Verschiebung innerhalb des Kostenrahmens".


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Autor: MANUELA RAPP | 23.05.2011

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