Atomkraftwerk Gundremmingen: Viel Strom und viel Müll produziert

Zuverlässiger Betrieb, motivierte Mitarbeiter: Das Atomkraftwerk Gundremmingen hat eine Bilanz zu 30 Jahren Block C geliefert. Der produzierte Müll kommt nicht vor. Zahlen dazu liefert das Umweltministerium.

NIKO DIRNER | 2 Meinungen

Spätestens seit einer Anfrage der Grünen-Fraktion an die Bundesregierung vor vier Jahren ist klar, dass das Gelände des Kernkraftwerkes Gundremmingen das größte Atommülllager Deutschlands ist. 4214 Brennelemente befinden sich dort im Lagerbecken, war die Auskunft. Nun hat die Bundesumweltministerin ein Gesamtverzeichnis aller radioaktiven Abfälle vorgelegt – als eine der Grundlagen „für die Entsorgungsplanung und für die Erstellung des Nationalen Entsorgungsprogramms“, sprich: für die Suche nach einem Endlager, das es bis heute nicht gibt.

Demnach bleibt Gundremmingen der Spitzenreiter: mit inzwischen 4262 Brennelementen in der Anlage und weiteren 2132 Brennelementen im Zwischenlager. Jene im Zwischenlager, das jüngst mit einer Schutzmauer umgeben worden ist, sind zu jeweils 52 Stück in 41 Castor-Behältern verpackt. Das bedeutet in der Summe: In Gundremmingen gibt es fast 6400 bestrahlte Brennelementen. Bei deutschlandweit insgesamt 28.549 Brennelementen, eingerechnet die Zwischenlager Ahaus, Gorleben und Nord, lagert unweit der Region ungefähr ein Viertel des gesamten Abfalls.

Und das ist nicht alles: Laut der Liste aus dem Umweltministerium gibt es weitere 61,1 Megagramm an sonstigen radioaktiven Abfällen. Megagramm ist die Einheit der Schwermetallmasse und damit ein Maß für den Brennstoffgehalt eines Brennelements. Umrechnen lässt sich diese Einheit wohl nicht. Zum Vergleich: Die 6394 Brennelemente haben eine Nettomasse von 1113 Megagramm Schwermetall. Zudem stehen in Gundremmingen 475 200-Liter-Fässer mit verstrahlten Abfallprodukten mit einem Gesamtvolumen von 128 Kubikmetern. Dazu 113 Container und 22 Gussbehälter mit 865 Kubikmetern Müll.

Dessen ungeachtet hat die Pressestelle des Kraftwerks, das bekanntlich 2017 (Block B) und 2021 (Block C) stillgelegt wird, eine Erfolgsmeldung zum am 2. November 1984 gestarteten Block C veröffentlicht. „Seit dreißig Jahren liefert Block C des Kernkraftwerks Gundremmingen mit hoher Zuverlässigkeit Strom“, heißt es in der Mitteilung. Erinnert wird daran, dass im Laufe der dreißig Betriebsjahre durch Modernisierungen der Wirkungsgrad und damit die elektrische Leistung der beiden baugleichen Blöcke auf heute jeweils 1344 Megawatt angehoben werden konnte. Auch die Sicherheitstechnik sei kontinuierlich optimiert worden, Zudem wird über die „hochmotivierte und gut ausgebildete Betriebsmannschaft“ berichtet. „Die hohe Verfügbarkeit und die guten Einsatzzeiten sind eine Bestätigung unserer Arbeit“, wird Michael Trobitz zitiert. Er ist heute technischer Geschäftsführer des Kraftwerks und war als junger Ingenieur der Inbetriebnahme-Mannschaft für den Start der beiden Blöcke mit verantwortlich. Über die gesamte Betriebszeit sei die „Zeitverfügbarkeit“ von Block B und C bei sehr guten 89 Prozent gelegen. Gemeinsam haben laut der Mitteilung Block B und C des Atomkraftwerkes Gundremmingen bisher rund 587 Milliarden Kilowattstunden „klimafreundlichen“ Strom produziert. Diese Strommenge übertreffe knapp den heutigen Jahresstromverbrauch von Privathaushalten, Wirtschaft und Verkehr in ganz Deutschland. Beide Reaktoren lieferten knapp ein Viertel der bayerischen Stromproduktion.

In der ganzen Pressemitteilung taucht der Begriff Atommüll übrigens kein einziges Mal auf. Auf der Internetseite des Kraftwerks ist am Ende eines Artikels zum Thema „Entsorgung“ zu lesen: „Diese kurze Übersicht zeigt, dass die Entsorgung radioaktiver Abfälle technisch gelöst und ganz überwiegend gängige Praxis ist. Lediglich die Umsetzung des letzten Entsorgungsschritts, nämlich die Endlagerung an einem konkreten Standort, steht aufgrund politischer Einflussnahme noch aus.“ Das Standortzwischenlager in Gundremmingen hat folgerichtig nur eine befristete Genehmigung: Sie endet allerdings erst nach 40 Jahren, also 2046.

Zur Geschichte und den Risiken der beiden Siedewasserreaktoren in Gundremmingen

Strauß war dabei Nach achtjähriger Bauzeit konnte das Betriebspersonal den Generator des Blocks C am 2. November 1984 erstmals mit dem Stromnetz verbinden. Block B der Doppelblockanlage ging bereits im März 1984 in Betrieb. Die offizielle Inbetriebnahme nahm ein Jahr später der damalige bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß vor. Michael Trobitz, Ingenieur der ersten Stunde: „Es war sehr spannend, als wir die Steuerstäbe gezogen und damit die Anlage langsam hochgefahren haben.“ Es folgten Prüfungen und Sicherheitstests, bevor Block C am 19. November 1984 erstmals seine volle Leistung von 1300 Megawatt erreichte. Trobitz: „Wir waren stolz, als die Leistungsanzeige auf der Warte erstmals die 1300 Megawatt-Marke erreicht hatte.“

Nur ein Kreislauf Am vergangenen Freitag sprach Dieter Majer, früher Ministerialdirigent im Umweltministerium auf Einladung des Vereins „Forum Gemeinsam gegen das Zwischenlager“ und der Grünen wieder einmal über die Risiken des Atomkraftwerks Gundremmingen. Die Anlage ist der letzte Siedewasserreaktor Deutschlands und gilt wegen seiner Bauart nicht nur Kritikern, sondern auch Experten als besonders gefährlich. Siedewasserreaktoren haben nur einen Hauptkreislauf, und die Steuerstäbe – die die Kettenreaktion bremsen können – müssen von unten und gegen die Schwerkraft in den Reaktor gedrückt werden.

2 Kommentare

10.11.2014 16:21 Uhr

Es ist unglaublich,

was einem für den Preis der SWP für Verbalmüll vorgesetzt wird. Gramm ist die Einheit der Masse (egal ob Gas, Wasser oder Schwermetall). Und mega ist ein ein Vorsatz zur Maßeinheit, der den Faktor 1 Million darstellt. 1 megagramm =1000 kg = 1 Tonne. Wer das nicht drauf hat, sollte keine Artikel über technisch physikalische Sachverhalte schreiben dürfen.

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10.11.2014 06:08 Uhr

Nicht umrechnen?

1 Megagramm = 1 Tonne. Ganz einfach...

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Themenschwerpunkt

Das Atomkraftwerk Gundremmingen

Das Atomkraftwerk Gundremmingen

Erbaut wurde das Atomkraftwerk Gundremmingen 1976. Seit 1984 ist es in Betrieb. Jedes Jahr kommt es zu mehreren Ausfällen. Dennoch bleibt Gundremmingen am Netz und liefert weiterhin jährlich rund 21 Milliarden Kilowattstunden Strom.

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