App-Pionier enttäuscht von Apple
Illerberg. Horoskope, Spiele oder der Wetterbericht: Apps, kleine Programme, sind das Herz von Smartphones und Tablet-Computern. Andreas Heck war jahrelang App-Entwickler - bis er entnervt das Handtuch warf.
Andreas Heck ist Werbefachmann, Webdesigner und ein Fan des Computer-Unternehmens Apple. Im Büro des 42-Jährigen steht ein iMac, er schwört auf das iPad und wenn er einkaufen geht, speichert er die Besorgungsliste auf seinem iPhone. Sein elektronischer Einkaufszettel ist eine App, eine "application", was so viel heißt wie "Anwendungsprogramm". Allein für Apple-Produkte gibt es inzwischen über eine halbe Million Apps. Für 2015 erwarten Forscher Umsätze von 38 Milliarden Dollar.
Dabei ist der App-Markt jung. Er entstand, als Apple 2007 das iPhone auf den Markt brachte. Fortan konnten Entwickler gegen einen geringen Jahresbeitrag Apps an Apple schicken. Der Computerriese stellte sie im Internet zum Herunterladen bereit, sofern die Programme fehlerfrei und weder moralisch noch rechtlich fragwürdig waren. Einer der ersten deutschen App-Entwickler war Andreas Heck. Der Marketing-Mann, der schon mit neun Jahren sein erstes Computerprogramm geschrieben hat, lernte die Apple-Programmiersprache Cocoa und gründete 2008 mit Gleichgesinnten die Entwicklergemeinschaft Vieda. Seine erste App war ein Namenstagkalender. Es folgten ein "Bibel-Orakel" und Quartette mit Motiven wie Flugzeuge, Dampfloks oder Sportwagen. Neun seiner Apps können derzeit heruntergeladen werden, einige umsonst andere kosten ein paar Cent. Die Einnahmen teilen sich Apple und der jeweilige Entwickler. Heck bekommt 70 Prozent, den Rest streicht der amerikanische Computerriese ein. Dafür erledigt Apple die Verwaltung und die Abrechnung. Jeden Monat bekomme er einen Betrag überwiesen, der "etwa in Höhe des Hartz-IV-Satzes" liegt, sagt er. Und das, obwohl er seit 2010 keine neuen Apps mehr entwickelt hat und damit rechnet, dass Apple die alten aus seinem Online-Laden wirft. Mit den Einnahmen finanziert der 42-jährige ein Fernstudium: Er möchte Heilpraktiker und Psychotherapeut werden. Zudem arbeitet er im Unternehmen seiner Frau und seines Schwagers mit. "Meine Zeit als App-Entwickler ist vorbei."
Zum Aufhören bewogen habe ihn "Ärger mit Apple". Einige Apps, die er "mit viel Liebe zum Detail" entwickelt hatte, etwa ein Michael-Jackson-Quartett oder ein Quartett mit Bildern von Fotomodellen, wurden von Apple nicht akzeptiert oder ohne Angaben von Gründen aus dem Verkauf genommen. Ein englischer Anwalt schickte ihm eine Schadenersatzforderung in fünfstelliger Höhe, weil Heck angeblich widerrechtlich ein geschütztes Markenzeichen für seine Quartett-Apps verwendet hatte. Der Vorwurf wurde fallengelassen, doch dann misslang sein "großer Wurf": ein 2010 entwickeltes Tipp-Spiel zur Fußball-Weltmeisterschaft. Heck hatte einen Profi-Programmierer engagiert, der nach seinen Ideen die perfekte App schaffen sollte. Das Ergebnis sei "wunderbar" geworden. Doch der Programmierer habe ihn sehr viel mehr Geld gekostet als das Programm einbrachte.
Immer noch sieht Heck den Mega-Markt der Apps als "beispiellose Möglichkeit, Geld zu verdienen". Doch die Großverdiener seien inzwischen Unternehmen, in denen Entwickler, Programmierer und Werber zusammenarbeiten. Für den großen Erfolg brauche es eine genaue Marktanalyse und die geschickte Platzierung des Produkts in der Fachpresse. Entwickler müssten ständig auf dem aktuellen Stand der Programmiersprachen und Funktionen der neuesten Gerätegeneration sein, Nutzer betreuen und sich Zeit für die Aktualisierung älterer Apps nehmen. "Das alles kostet erstmal viel Geld." Ein Einzelkämpfer könne nur "über die Masse" punkten, also viele einfache Apps entwickeln und auf hohe Download-Zahlen hoffen. "Die Goldgräber-Stimmung ist vorbei."
Dass er selbst noch einmal eine App entwickelt, glaubt Heck nicht: "Meine Vorstellung von meinem Leben ist eine andere." Dabei habe er fast jeden Tag Ideen für weitere Apps: "Es gibt da eine ganze Liste. Die verkaufe ich gerne."
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Autor: CLAUDIA SCHÄFER | 27.01.2012
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Heute schreibt Andreas Heck keine Apps mehr. Foto: Claudia Schäfer
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Kommentare (1)
Verstehe nicht, warum Apple schuld sein soll ?
Ist doch klar, dass ich nicht einfach Bilder von Michael Jackson oder "Fotomodellen" so zum geldverdienen verwenden kann. Und dass ich mit einer App weniger verdiene als ich für die Erstellung ausgegeben habe fällt meiner Ansicht nach unter das unternehmerische Risiko. Verstehe da den Überraschungseffekt und die Enttäuschung nicht...