Altkleider: Verband kritisiert Haustür-Sammlungen

Ein Spendenaufruf in Oberelchingen zeigt, wie groß die Konkurrenz für gemeinnützige Einrichtungen geworden ist, die Altkleider sammeln. Wohltätige Zwecke sind kaum von gewerblichen zu unterscheiden.

MARLENE MÜLLER |

Von Kleiderspenden, so die Idee, profitieren immer zwei: Die Empfänger der Spenden, weil sie dringend benötigte Kleidung oder den Verkaufserlös daraus erhalten. Die Spender selbst, weil sie unliebsame Stücke eintauschen gegen das Gefühl, etwas Gutes zu tun. In der Realität profitieren oft auch ganz andere. Dies zeigt sich jüngst an einem Spendenaufruf, der durch Teile Oberelchingens gegangen ist. Es wurden Flyer verteilt, die die Bewohner heute zum Kleiderspenden auffordern. Die Kleider und Schuhe sollen, beliebig verpackt, gut sichtbar an den Straßenrand gestellt werden. Bebildert sind die Flyer mit einem Porträt von Mutter Teresa. Darüber steht in großer Schrift: "Hilfe, die ankommt." Es geht also um einen wohltätigen Zweck.

Oder? Nur wer sich Zeit nimmt und weiterliest, stößt auf die Worte "gewerbliche Sammlung". Soll heißen: Die Firma SimayTex, die die Sammlung durchführt, will und darf die gespendete Ware gewinnorientiert verwerten - also verkaufen. Davon spendet die Firma monatlich 200 Euro an den Verein "Mutter Teresa hilft", wie der Flyer erklärt. Im Gegenzug darf sie sich mit dem wohltätigen Image des Vereins schmücken. Der Inhaber von SimayTex, Murat Borlak, beschreibt das so: "Wir überweisen dem Verein einen festen monatlichen Betrag, damit wir das Logo auf unsere Flyern drucken dürfen. Die Leute spenden dadurch mehr." Die alte Kleidung verkauft die Firma dann in die Niederlande. Laut Borlak hat man die monatliche Pauschale an den Verein inzwischen auf 400 Euro aufgestockt; auf den Flyern stehe noch die alte Summe von 200 Euro.

Aber wie viel sind 400 oder 200 Euro für ein Unternehmen wie SimayTex? Gregor Uhl ist Geschäftsführer der "Aktion Hoffnung" und weiß, dass man bereits mit der Ladung eines Transporters auf einen Wert von ungefähr 200 Euro kommt. Es sei durchaus realistisch, eine solche Ladung innerhalb eines Tages einzusammeln. "Den restlichen Monat können solche Unternehmen dann für die eigene Tasche wirtschaften. Das ist ungefähr so, als wenn Sie eine Jacke spenden und bei den Hilfsbedürftigen nur ein paar Knöpfe ankommen."

Ärgerlich ist das für jene Einrichtungen, die ihre gesammelten Spenden ausschließlich für den guten Zweck verwenden. Inzwischen ist die Branche in Verruf geraten: Auch manch große Organisation stellt ihren wohltätigen Namen gegen einen niedrigen Betrag zur Verfügung. "Namenskauf" nennt man diese Praxis bei der Aktion Hoffnung. Deren Mitglieder setzen sich für mehr Klarheit im Spendendschungel ein. Ebenso die Wettbewerbszentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs . Sie kann Vereine und Unternehmen wegen "irreführender Werbung" abmahnen. So weiß Friedrich Pfeffer von der Zentrale, dass manch ein Verein eigens dafür gegründet wurde, um Sammelaktionen einen seriösen Anschein zu verleihen. Für den Verein "Mutter Teresa hilft", den die Aktion in Oberelchingen betrifft, hat er keine entsprechenden Hinweise vorliegen. Der Verein hat seinen Sitz in Gummersbach in Nordrhein-Westfalen. Unserer Anfrage, sich zur Spendenaktion in Oberelchingen zu äußern, ist der Vorsitzende des Vereins nicht nachgekommen.

Indes ärgert sich ein anderer Verein, der "Humanitäre Mutter Teresa Verein Ichenhausen", dass die verteilten Flyer mit ihm in Verbindung gebracht werden könnten. Sowohl Wortwahl als auch Optik der Flyer seien von ihm "kopiert" und hätten in diesem Jahr bereits öfter zu Verwechslungen geführt, teilt der Verein mit. Gregor Uhl empfiehlt nur solche Spendenaktionen, die das Siegel "Fair-Wertung" der Verbraucherzentralen und des deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen tragen. Eine gute Alternative sind auch Second-Hand-Läden - etwa die der Neuen Arbeit gGmbH Ulm.

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