Alternative in der Innenstadt

Senden.  Der Wochenend-Trubel im Sendener Norden, wo ab Freitag die Parkplätze gut gefüllt sind und das Geschäft brummt, ist nicht jedermanns Sache. Davon profitiert der neue Rewe-Supermarkt in der Borsigstraße.

Müjgan Baris weiß von einer wachsenden Zahl an Stammkunden zu berichten, die gerade am Wochenende den Weg zu ihr finden. Die 28-Jährige ist Filialleiterin des erst Ende Oktober vergangenen Jahres eröffneten Rewe-Supermarkts beim Sendener Bahnhof. "Die Leute kommen zu uns und sagen, dass sie das Verkehrschaos im großen Einkaufszentrum im Sendener Norden nicht mitmachen wollen", sagt die junge Frau, die seit Jahren für den Handelskonzern arbeitet. Sie ist gebürtige Sendenerin, hat bei der Rewe gelernt, arbeitete in Bad Waldsee sowie in der Filiale auf dem Ulmer Eselsberg und war zuletzt Verkaufsleiterin in Illertissen

Tatsächlich finden sich am Samstag vor den Rewe-Türen viele Kunden, die "bekennende Einkaufszentrums-Flüchtlinge" sind, wie ein älterer Mann sagt. Besonders Senioren, die mit dem Auto unterwegs sind, scheuen die Fahrt in den Sendener Norden: Früher sei sie treuer Marktkauf-Kunde gewesen, erzählt eine ältere Dame. Inzwischen sei ihr das Iller-Center zu groß und zu voll. Zudem sei der Weg vom Parkplatz zum Supermarkt gerade am Wochenende oft sehr weit. "Da fahr ich lieber in die Borsigstraße zu Rewe und parke vor dem Eingang." Die Auswahl bei Rewe sei groß genug, Qualität und Preis mit Marktkauf vergleichbar. Das Personal im Rewe-Markt sei zudem sehr freundlich und begleite sie zum entsprechenden Regal, wenn sie einen Artikel suche: "So stelle ich mir einen angenehmen Einkauf vor."

Eine andere Frau hat den Innenstadt-Supermarkt für sich entdeckt, als sie vor den Weihnachtsfeiertagen zum Einkaufen musste: "Im Norden herrschte das blanke Chaos, da hab ich gleich wieder umgedreht und es bei Rewe versucht." In der Borsigstraße sei zwar auch mehr als sonst los gewesen, der Einkauf aber trotzdem entspannt. Seitdem lasse sie das Handelszentrum im Norden der Stadt immer öfter einfach links liegen, sagt die Frau.

Beliebt ist das neue Geschäft mit seinen 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche im Bahnhofsviertel, in dem auch eine Filiale der Bäckerei Bayer untergebracht ist, auch bei Müttern mit kleinen Kindern, die in der Sendener Innenstadt wohnen. Sie müssen Baby und Kleinkind nicht umständlich in den Autositz packen, sondern gehen mit dem Kinderwagen zum Einkaufen. "Was hab ich mir da schon für Geschrei erspart", freut sich eine junge Frau, die mit Sohn und Tochter unterwegs ist. Auch andere Kunden kommen aus der Nachbarschaft und genießen den kurzen Weg zum Laden.

Gerade das "bunt gemischte" Publikum sei es, das den Rewe-Markt trage, sagt Filialleiterin Baris. Sie und ihre 25 Mitarbeiter seien "vollkommen zufrieden" mit den Erfahrungen der ersten Monate. Gespannt ist sie auf die bevorstehende Eröffnung der Postagentur im benachbarten früheren Bahnhofsgebäude. Dadurch werde der Supermarkt noch bekannter, hofft Baris. "Schwierig wäre es, wenn die Postkunden uns nur unseren Parkplatz zuparken würden. Wenn die Post aber Umsatz bringt, kein Problem."


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Autor: CLAUDIA SCHÄFER | 09.03.2010

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