Absage an alle drei Standorte
Neu-Ulm. Ein Gutachten sollte Klarheit bringen, ob das neue Archäologische Museum des Landkreises in Neu-Ulm, Weißenhorn oder Roggenburg entsteht. Klar ist jetzt aber nur: Das Projekt ist nicht zu stemmen.
Die Pläne für ein neues Archäologisches Museum im Kreis Neu-Ulm liegen auf Eis. Die darin auszustellenden Sammlungsstücke bis auf weiteres in einem noch nicht näher bestimmten Depot.
Dabei hatten Kommunalpolitiker und nicht zuletzt der CSU-Kreisrat und Kreisheimatpfleger Richard Ambs voller Hoffnung ein Standort-Gutachten erwartet, das der Schul-, Kultur-, Sport- und Stiftungsausschuss des Landkreises im Juni 2009 auf Anraten der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Auftrag gegeben hatte. Das sollte bei der Entscheidung helfen, welche der drei Kommunen, die zuletzt noch als künftige Standorte für das 1080 Quadratmeter umfassende Museum in Frage kamen, die geeignetste ist: die Stadt Neu-Ulm, die Stadt Weißenhorn oder die Gemeinde Roggenburg?
Die Standort-Evaluation ergab kurz zusammengefasst:
Das Areal des ehemaligen Gasthauses Rössle in Weißenhorn ragt durch städtebauliche Integration hervor. Weiter spricht dafür "das kommunale Engagement und die dadurch entstehenden Synergieeffekte". Notwendige Investitionen würden sich auf 3,9 Millionen Euro belaufen. Die Mit-Nutzung des Areals durch die Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammer ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. In der Gesamtbewertung liegt Weißenhorn an erster Stelle.
Die alte Fachhochschule in Neu-Ulm ist der betriebswirtschaftlich günstigste Standort. Die städtebauliche Integration lässt durch das aktuell wenig attraktive Umfeld zu wünschen übrig. Was die Stadt damit vorhat, ist unklar. Die Investitionskosten werden auf 4,2 Millionen Euro geschätzt.
Der Neubau eines Museums in Roggenburg schneidet vom Standortpotenzial her am besten ab. Es würde aber mit 5,2 Millionen Euro am teuersten. Das Grundstück ist in Privatbesitz, Umwelt- und Denkmalschutzbelange sind problematisch. Dafür sprechen gute Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und "erwartbare Synergieeffekte in der Zielgruppenansprache".
Letztlich hat die 24 000-Euro-Expertise ergeben, dass das Museum gar nicht kommt. Keiner der drei Standortvorschläge sei momentan finanzierbar, erklärte Landrat Erich Josef Geßner. Auch "auf absehbare Zeit" habe der Kreis das Geld nicht, schließt ein Interfraktioneller Kulturarbeitskreis, der die Ergebnisse der Firma Themata in Potsdam, in die auch Erkenntnisse des Wissenschaftlichen Beirats vom Oktober 2009 einflossen, vorweg beriet.
Der Kulturausschuss stimmte deshalb gestern dem darauf basierenden Verwaltungsvorschlag zu, die archäologische Geschichte des Landkreises den Bürgern künftig durch einzelne Sonderausstellungen an verschiedenen Orten zugänglich zu machen. Außerdem soll sich der Kreis in den kommenden zwei Jahren nach einer dauerhaften Möglichkeit der Unterbringung für die vor- und frühgeschichtlichen Funde umsehen. Denn das jetzige Depot in der ausgedienten Neu-Ulmer FH kann er nur bis Ende 2013 nutzen. Die Zukunft der Sammlung ist daher ungewiss.
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Autor: CLAUDIA REICHERTER | 12.03.2010
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Blick auf die frühere Brauerei-Gaststätte Rössle in der Weißenhorner Innenstadt. Aus dem Gebäude soll ein Bildungshaus werden. Foto: Patrick Fauß
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