17-Jährige beleuchtet in Seminararbeit Nersinger Kommunalpolitik

81 Seiten mit Analysen, Interviews und Statistiken: Monika Reichenberger, Tochter einer Gemeinderätin, hat für eine Seminararbeit Archive durchforstet - und will vielleicht selbst einmal politisch aktiv sein.

OLIVER HEIDER |

Bundeskanzlerin will sie nicht werden. "Da steht man zu sehr in der Öffentlichkeit", sagt Monika Reichenberger. Aber sich politisch engagieren - das kann sich die 17-Jährige vorstellen. Wenn auch noch nicht jetzt. Denn die Nersingerin befindet sich derzeit auf der Abitur-Zielgeraden. Läuft alles gut, hat sie ihre Hochschulreife am Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Pfuhl nächstes Jahr in der Tasche.

Eine Wegmarke ist dabei eine Seminararbeit, die sie bei ihrem Lehrer abgegeben hat - und über die sie heute in der Schule einen Vortrag halten wird. Ihr sozialkundliches Thema: "Nersingen - politisches Engagement am Beispiel einer Gemeinde." Damit habe sich bisher noch niemand analytisch beschäftigt, erklärt sie. Und da ihre eigene Mutter, Jolanta Reichenberger, für die CSU im Gemeinderat sitzt, lag das Thema fast auf der Hand.

Doch was ist das zentrale Ergebnis ihrer 81-seitigen Abhandlung? "Das politische Engagement in Nersingen ist gesunken", sagt die Schülerin. Früher hätten sich die Bürger vielfältig eingebracht: Alle Parteien hätten Wahlzeitschriften gehabt, es habe viele Informationsfahrten und Flugblatt-Aktionen gegeben. Die CSU habe Frühschoppen veranstaltet, die SPD "Dämmerschoppen".

Auch heute hätten die Bürger einige Möglichkeiten, sich politisch einzubringen, sagt Reichenberger. Warum es - vor allem junge Leute - oftmals dennoch nicht tun, hat ihrer Ansicht nach vielfältige Gründe. Zum einen sei das Freizeitangebot heute zu groß. Mit Abitur und Studium seien sie ebenso intensiv beschäftigt wie mit der Jobsuche. Wer eine Familie gründen und Karriere machen wolle, habe noch weniger Zeit. Andere wollten "keine weiteren Verpflichtungen eingehen" oder meinten, sie könnten "sowieso nichts in der Politik erreichen". Vielleicht aber gehe auch es den Leuten heute insgesamt zu gut. Diese Theorie hätten zumindest einige ihrer Gesprächspartner geäußert.

Für ihre Seminararbeit interviewte Reichenberger, die schon immer in Nersingen lebt, Bürgermeister Erich Winkler und die drei Fraktionsvorsitzenden der im Rat vertretenen Parteien - Erich Spann (CSU), Sabine Krätschmer (SPD) und Josef Klein (Freie Wähler). Auch auf altgediehnte Lokalpolitiker wie Xaver Gegenfurtner (CSU) und Günter Ritter, den früheren Schriftführer der Freien Wähler, griff sie zurück. Sie war sogar auf deren private Sammlungen angewiesen. War doch der Bestand des Rathaus-Archivs durch Überschwemmung und Einbruch im Sommer dieses Jahres beschädigt worden. "Viele Quellen wurden aufgeweicht oder zerstört", sagt Reichenberger. Erschwerend kam hinzu, dass einige Wahlergebnisse vernichtet wurden, weil die Aufbewahrungsfrist abgelaufen war.

Trotzdem hat Reichenberger einige Statistiken erstellt. Demnach sinken die Mitgliederzahlen bei allen Parteien kontinuierlich. Stets im Rat vertreten waren nur CSU, SPD und Freie Wähler. Extreme Parteien "konnten nie Fuß fassen"; es seien auch keine Versuche bekannt. Während die Zahl der Stimmberechtigten gestiegen sei, sei die Beteiligung an der Bürgermeisterwahl stetig gesunken. Nur langsam konnten Frauen in den Rat einziehen. War dieser 1978 noch ein reines Männergremium, stieg die Zahl der Frauen danach gemächlich an. "Bei den letzten Wahlen 2008 schafften es auch nur sechs Frauen." Jedoch waren auch nur knapp ein Drittel aller Kandidaten für den 20-köpfigen Gemeinderat weiblich.

Was den Altersdurchschnitt angeht, so ist Reichenberger aufgefallen, "dass sowohl die kandidierenden Männer und Frauen, als auch die gewählten Männer und Frauen, immer älter werden". Habe der Altersdurchschnitt der Kandidaten 1978 noch knapp 37 Jahre betragen, so lag er 2008 bei rund 49 Jahren. "Es kandidieren immer weniger junge Leute", weiß die Schülerin. Interessant sei auch, dass der Altersdurchschnitt der Gewählten höher sei, als jener der Kandidaten. Die wenigen um die 20 Jahre würden nicht gewählt. Woran liegts? "Ihnen fehlt es an Bekanntheit", sagt Reichenberger. Diese Ansicht hätten ihre Interviewpartner unisono vertreten.

Einen Großteil ihrer Arbeit habe sie in den Sommer- und Herbstferien erledigt, sagt Reichenberger, die in ihrer Freizeit gerne Klavier und Orgel spielt und noch nicht weiß, was sie später beruflich machen will. Im Alltag seien es eher Themen aus der Bildungspolitik ("Das G8 ist schwierig, aber trotz viermal Nachmittagsunterricht machbar"), die die junge Generation umtrieben, als die Kommunalpolitik, erläutert die Schülerin.

Grundlegend jedoch geht es ihrer Meinung nach in Nersingen in die richtige Richtung. Vor allem das Gewerbegebiet Riedle biete viele Geschäfte und locke zahlreiche Leute aus den umliegenden Gemeinden an. Reichenberger lebt seit ihrer Geburt in Nersingen - "gerne", wie sie betont. Beste Voraussetzungen also für ein künftiges kommunalpolitisches Engagement. Damit könnte sie nicht nur in die Fußstapfen ihrer Mutter treten, sondern auch in jene ihres Großvaters, der 24 Jahre im Nersinger Gemeinderat war.

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