100 Jahre Hilfe für Notleidende

100 Jahre alt wird in diesem Jahr der Weißenhorner Ortsverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung. Das wird am Wochenende entsprechend gefeiert. Erfreulich: Die Mitgliederzahl steigt.

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Wolfgang Salzborn in seinem Garten in Witzighausen mit der restaurierten KAB-Fahne. Die Renovierung des guten Stücks zur 100-Jahr-Feier hat die Mitglieder 8000 Euro gekostet. Sie wird am Samstag geweiht. Foto: Patrick Fauß

Viel ist nicht mehr bekannt aus der Zeit vor 1945. Bei einem Bombenangriff auf die Bibliothek der Diözese Augsburg verbrannten alle schriftlichen Unterlagen der Katholischen ArbeitnehmerBewegung (KAB) aus Weißenhorn. Ein kleines schwarzes Buch jedoch hat sowohl das Vereinsverbot während der Nazizeit als auch den Zweiten Weltkrieg überlebt. Für Wolfgang Salzborn, seit 1994 Vorsitzender der Weißenhorner KAB, ist es das einzige Fenster in die Vereinsgeschichte. "Das Kassenbuch wurde bei Renovierungsarbeiten auf dem Dachboden der Kirche Mariä Himmelfahrt gefunden", berichtet der 62-Jährige. Vermutlich hat der damalige Mesner Josef Ihle es damals dort versteckt. Festgehalten sind Einnahmen und Ausgaben seit dem Gründungsjahr 1912.

Die Kassenbucheinträge belegen, dass der Ortsverband trotz des Verbots im Dritten Reich im Geheimen weitergeführt wurde. 1933 sind noch Beiträge für die Verbandszeitung "mit Porto" eingezogen worden. Ab 1940 finden sich nur noch Einnahmen für Sterbegeld. "Damit wurden Beerdigungen für Mitglieder bezuschusst", erläutert Salzborn. Das Sterbegeld sei in der Zeit der KAB-Gründung ein wichtiges Argument für die Mitgliedergewinnung gewesen. Während der Industrialisierung wurden die meisten Arbeiter finanziell an die Wand gedrückt. Bei Sterbefällen konnten die armen Familien mit Hilfe der angesammelten Gelder unterstützt werden. Zudem wurde eine Unterstützungskasse für Notlagen geführt. Die Mitglieder waren zumeist einfache Arbeiter mit sehr geringem Einkommen. Der Wochenbeitrag lag 1912 bei 30 Pfennig.

Noch ein weiterer Schatz hat die Zeiten überdauert: die Vereinsfahne. Laut Kassenbuch hat der Ortsverband sie 1913 für 700 Mark angeschafft. Die Renovierung des guten Stücks zur 100-Jahr-Feier hat die Mitglieder 8000 Euro gekostet. Um das Geld aufzubringen, mussten Spenden gesammelt werden. Langjährige Aktivitäten wie der Bau einer Käserei im Andendorf Montevideo (Peru) konnte der Ortsverein parallel weiterführen.

Momentan sparen die Mitglieder Geld für eine Krankenstation in Peru. 75 000 Euro wird das Gebäude kosten. Geld für seine Projekte erlöst der Verein aus fair gehandelten Drittwelt-Produkten, die die Mitglieder auf Märkten verkaufen. Auch viele Nichtmitglieder machen mit. Außerdem veranstaltet die KAB Flohmärkte und Kinderkleiderbörsen, Bildungs- und Kulturfahrten oder Wanderungen.

Mehr als erfolgreich wirkt auch die Arbeitslosengruppe. "Aus diesem Bereich kommen heute viele neue Mitglieder", berichtet Salzborn. Die KAB bietet außerdem Beratungen in Sachen Arbeitsrecht an - für viele ein wichtiges Beitrittsargument. Wohl dank der zahlreichen Aktivitäten sei der Weißenhorner Ortsverband der einzige in der Diözese, dessen Mitgliederzahlen jährlich steigen. Das Angebot werde auch von zahlreichen Alleinerziehenden genutzt.

Als Zukunftsplan nennt Wolfgang Salzborn, den Mitgliederstand zu halten. Im kommenden Jahr stehen Wahlen an. Dann will er sein Amt in jüngere Hände abgeben.

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