Wenn der Mond wie Dünger wirkt
Ulm. Gärtnern mit dem Mond liegt im Trend. Mondkalender boomen, und Scharen von Hobbygärtnern orientieren sich an den Regeln. Beeinflusst der Mond das Pflanzenwachstum? Daran scheiden sich die Geister.
Mit dieser Einschränkung können die meisten bestimmt gut leben: Der Mondkalender im Internet empfiehlt für heute, weder Hecken zu schneiden noch Fenster zu putzen. Der Mond stehe für beides nicht günstig, und daher sei nicht zu erwarten, dass die Arbeiten von Erfolg gekrönt sind, ist zu lesen. Das macht weiter nichts, weil es in den meisten Gegenden an den Hecken noch gar nichts zu schneiden gibt, und: Wer putzt schon gerne Fenster? Günstig steht der Mond laut Online-Kalender dagegen für das Pikieren von Sämlingen, das Umsetzen von Bäumen, Hecken, Sträuchern, Setzlingen und Topfpflanzen sowie für das Veredeln von Obstbäumen. Wer diese Arbeiten heute verrichtet, könne gesunde und vitale Pflanzen aufziehen, so wird versprochen.
Wer’s glaubt, denken jetzt bestimmt einige. Doch mit Glauben hat das Gärtnern mit dem Mond wenig zu tun. Der Agrarwissenschaftler Dr. Hartmut Spieß vom Institut für biologisch-dynamische Forschung in Bad Vilbel in Hessen hat sich der Sache wissenschaftlich angenommen und kommt zum Schluss, dass Pflanzen sehr wohl auf den Mond reagieren. Drei Rhythmen des Erdtrabanten beeinflussen demnach das Pflanzenwachstum: die Mondphasen, also ob Vollmond oder Neumond ist; wie weit er von der Erde entfernt ist sowie sein Auf- und Absteigen. Weil der Mond auf einer elliptischen Umlaufbahn um die Erde wandert, verändert sich der Abstand zur Erde ständig, ebenso geht er deshalb ähnlich der Sonne im Osten auf und im Westen unter.
Die Wirksamkeit des Mondes im Zusammenhang mit Tierkreiszeichen wurde in den 70er und 80er Jahren in Deutschland, der Schweiz und in Österreich wissenschaftlich mehrfach untersucht. „Mehrheitlich ließ sich jedoch ihr Einfluss auf das Pflanzenwachstum nicht verifizieren“, schreibt Spieß in seiner Publikation „Der Mondeinfluss auf dem Prüfstand der Wissenschaft“. In fünfjährigen systematischen Saatzeitversuchen mit fünf verschiedenen Kulturpflanzen hat Spieß dagegen herausgefunden, „dass die einzelnen Kulturen spezifisch auf die Mondzyklen reagierten“. Wenig Übereinstimmung hat er allerdings mit den Empfehlungen von Aussaat- und Mondkalendern gefunden, die meist die Tierkreiszeichen miteinbeziehen.
Spieß hat erstaunliche Beobachtungen gemacht: Möhren, die ein bis drei Tage vor dem Vollmond ausgesät wurden, brachten „statistisch gesicherte Mehrerträge“ von bis zu 14 Prozent, und zwar in allen Jahren. Auch war die Qualität der Vollmond-Möhren besser, und sie ließen sich länger lagern. Möhren, die unmittelbar vor und nach Neumond ausgesät wurden, waren weniger gut haltbar. Genau entgegengesetzt verhielten sich Kartoffeln, die parallel zu den Möhren gepflanzt wurden: Kamen sie bei Vollmond in den Boden, war der Ertrag um 11 Prozent geringer als bei Neumond-Kartoffeln. Die höchsten Erträge (plus 16 Prozent) gab es, wenn der Mond der Erde bei der Pflanzung am nächsten war.
Buschbohnen brachten am meisten Ertrag, wenn sie zum Mondhöchststand und bei größter Erdnähe gesteckt wurden. Am besten wuchsen Radieschen, die in der ersten aufsteigenden Mondperiode und bei größter Erdnähe ausgesät wurden. Dennoch. Da kann der Mond noch so ideal stehen: Das Wichtigste für die Pflanzen sind die „primären Wachstumsfaktoren“ – also Lichtintensität, Wärme, Feuchtigkeit und Tageslänge. Sprich, Pflanzen wachsen am besten, wenn es hell, warm und feucht ist.
So einfach machen es sich eingefleischte Mond-Gärtner freilich nicht. Sonja und Lothar Mößner betreiben seit 1986 bei Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) eine Demeter-Gärtnerei und schwören auf den Aussaatkalender von Maria Thun. Darin sind die Pflanzen in die Kategorien Blatt, Wurzel, Blüte und Frucht eingeteilt. Jedem Bereich sind drei Tierkreiszeichen zugeordnet, und wenn der Mond durch die jeweiligen Tierkreiszeichen wandert, soll es für die jeweiligen Pflanzen besonders förderlich sein, sie zu säen, zu pflanzen, zu pflegen oder zu ernten. Die Mößners sind überzeugt, dass sowohl Kartoffeln als auch Möhren an Wurzeltagen geerntet werden sollten, weil sie sich dann länger lagern lassen. Das widerspricht den Erkenntnissen des Agrarwissenschaftlers Spieß.
Dr. Peter Niehenke sieht keinen Einfluss des Mondes auf das Pflanzenwachstum. Niehenke ist Leiter des Astrologie-Ausbildungszentrums in Freiburg und hat sich mit der Frage ebenfalls intensiv beschäftigt. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Rhythmen der Gestirne und den biologischen Vorgängen auf der Erde“, davon ist er überzeugt. Aber dass Mondzyklen Pflanzen positiv oder negativ beeinflussen sollen, kann er nicht erkennen. Die Tierkreiszeichen würden ja auch nicht den Charakter eines Menschen ausmachen, betont Niehenke. Umgekehrt werde ein Schuh daraus: So reagiere zum Beispiel der Fötus im Mutterleib auf bestimmte kosmische Reize und leite die Geburt ein. Er ist überzeugt, dass Menschen, die in der gleichen Stunde und damit in der gleichen Sternkonstellation geboren wurden, ähnlich strukturiert seien. „Doch wie soll das gehen, dass die Gestirne auf die Pflanzen wirken?“
Wer’s glaubt, denken jetzt bestimmt einige. Doch mit Glauben hat das Gärtnern mit dem Mond wenig zu tun. Der Agrarwissenschaftler Dr. Hartmut Spieß vom Institut für biologisch-dynamische Forschung in Bad Vilbel in Hessen hat sich der Sache wissenschaftlich angenommen und kommt zum Schluss, dass Pflanzen sehr wohl auf den Mond reagieren. Drei Rhythmen des Erdtrabanten beeinflussen demnach das Pflanzenwachstum: die Mondphasen, also ob Vollmond oder Neumond ist; wie weit er von der Erde entfernt ist sowie sein Auf- und Absteigen. Weil der Mond auf einer elliptischen Umlaufbahn um die Erde wandert, verändert sich der Abstand zur Erde ständig, ebenso geht er deshalb ähnlich der Sonne im Osten auf und im Westen unter.
Die Wirksamkeit des Mondes im Zusammenhang mit Tierkreiszeichen wurde in den 70er und 80er Jahren in Deutschland, der Schweiz und in Österreich wissenschaftlich mehrfach untersucht. „Mehrheitlich ließ sich jedoch ihr Einfluss auf das Pflanzenwachstum nicht verifizieren“, schreibt Spieß in seiner Publikation „Der Mondeinfluss auf dem Prüfstand der Wissenschaft“. In fünfjährigen systematischen Saatzeitversuchen mit fünf verschiedenen Kulturpflanzen hat Spieß dagegen herausgefunden, „dass die einzelnen Kulturen spezifisch auf die Mondzyklen reagierten“. Wenig Übereinstimmung hat er allerdings mit den Empfehlungen von Aussaat- und Mondkalendern gefunden, die meist die Tierkreiszeichen miteinbeziehen.
Spieß hat erstaunliche Beobachtungen gemacht: Möhren, die ein bis drei Tage vor dem Vollmond ausgesät wurden, brachten „statistisch gesicherte Mehrerträge“ von bis zu 14 Prozent, und zwar in allen Jahren. Auch war die Qualität der Vollmond-Möhren besser, und sie ließen sich länger lagern. Möhren, die unmittelbar vor und nach Neumond ausgesät wurden, waren weniger gut haltbar. Genau entgegengesetzt verhielten sich Kartoffeln, die parallel zu den Möhren gepflanzt wurden: Kamen sie bei Vollmond in den Boden, war der Ertrag um 11 Prozent geringer als bei Neumond-Kartoffeln. Die höchsten Erträge (plus 16 Prozent) gab es, wenn der Mond der Erde bei der Pflanzung am nächsten war.
Buschbohnen brachten am meisten Ertrag, wenn sie zum Mondhöchststand und bei größter Erdnähe gesteckt wurden. Am besten wuchsen Radieschen, die in der ersten aufsteigenden Mondperiode und bei größter Erdnähe ausgesät wurden. Dennoch. Da kann der Mond noch so ideal stehen: Das Wichtigste für die Pflanzen sind die „primären Wachstumsfaktoren“ – also Lichtintensität, Wärme, Feuchtigkeit und Tageslänge. Sprich, Pflanzen wachsen am besten, wenn es hell, warm und feucht ist.
So einfach machen es sich eingefleischte Mond-Gärtner freilich nicht. Sonja und Lothar Mößner betreiben seit 1986 bei Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) eine Demeter-Gärtnerei und schwören auf den Aussaatkalender von Maria Thun. Darin sind die Pflanzen in die Kategorien Blatt, Wurzel, Blüte und Frucht eingeteilt. Jedem Bereich sind drei Tierkreiszeichen zugeordnet, und wenn der Mond durch die jeweiligen Tierkreiszeichen wandert, soll es für die jeweiligen Pflanzen besonders förderlich sein, sie zu säen, zu pflanzen, zu pflegen oder zu ernten. Die Mößners sind überzeugt, dass sowohl Kartoffeln als auch Möhren an Wurzeltagen geerntet werden sollten, weil sie sich dann länger lagern lassen. Das widerspricht den Erkenntnissen des Agrarwissenschaftlers Spieß.
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Autor: Petra Walheim | 16.04.2010
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