Schimmelkäse, Honig und etwas Schafsdung zum Heilen tiefer Beinwunden
Andreas Clasen. Dr. Johannes Mayer forscht an der Universität Würzburg seit Jahren zum Thema Klostermedizin. Sein Respekt ihr gegenüber steigt ständig.
Mit Klostergärten verbinden die meisten Heilpflanzen und Klostermedizin, die im Mittelalter ihre Blütezeit hatte. Sie erforschen die Klostermedizin seit Jahren. Waren die Rezepte der Zeit nicht oft abstrus und fast so zum Lachen wie die Rezepte der Hexen in Märchen?
JOHANNES MAYER: Man lacht immer weniger – weil, je länger man sich damit beschäftigt, desto mehr muss man feststellen, dass es wahrscheinlich doch was gebracht hat. Aber manchmal hat man schon gedacht – um Gottes Willen, was soll das. Schon fast legendär in dieser Hinsicht ist ein Rezept aus dem Lorscher Arzneibuch. Da wurden Schimmelkäse und Honig mit etwas Schafsdung vermischt, und das hat man dann in eine tiefe Beinwunde gegeben. Inzwischen ist es aber pharmakologisch wahrscheinlich, dass dabei eine Art Antibiotikum entstanden ist, indem sich der Käse praktisch gegen eine Infektion durch den Schafsdreck gewehrt hat.
Wie sind die Mönche auf solche Rezepte gekommen, wie haben sie Arzneimittelforschung betrieben?
MAYER: Die Klöster waren sehr experimentierfreudig. Und sie hatten für alles Fachleute, die sich ihrer Aufgabe als Apotheker, Arzt, Gärtner speziell widmen konnten. Bei der Forschung gab es vor allem drei Wege. Zum einen suchte man stets nach Heilpflanzen aus der Umgebung, bei denen man einfach per Probieren feststellte, helfen sie oder nicht. Andere gingen nach der Signaturenlehre vor, das heißt, sie schlossen aufgrund einer Farbe, einer Blattform auf die Wirkung. Und es gab die so genannte Humoralpathologie, also die Viersäftelehre. Sie geht davon aus, dass die Gesundheit von vier Körpersäften bestimmt wird, und nur wenn sie im Gleichgewicht sind, ist man gesund. Dazu kommen die Primärqualitäten – warm, kalt, feucht und trocken. Sie müssen analog zu den Säften in einem harmonischen Verhältnis sein. Und da hat man dann den Arzneimitteln, vor allem den Pflanzen, die entsprechenden Eigenschaften zugewiesen, also kühlende oder wärmende, trocknende oder befeuchtende Arzneipflanzen.
Wenn ich jetzt zum Beispiel mit einer Erkältung zum Mönch gekommen wäre. Wie hätte die Diagnose ausgesehen, und was hätte der mir wahrscheinlich verabreicht?
MAYER: Diagnostiziert hätte er: Sie haben zu viel kalten Schleim im Kopf, und deswegen läuft Ihre Nase und schmerzt Ihr Kopf. Sie brauchen wärmende trocknende Arzneien, die den kalten und feuchten Schleim beseitigen. Und dann hat der Arzt entsprechende Arzneien gegeben – Salbei, Fenchel typischerweise.
JOHANNES MAYER: Man lacht immer weniger – weil, je länger man sich damit beschäftigt, desto mehr muss man feststellen, dass es wahrscheinlich doch was gebracht hat. Aber manchmal hat man schon gedacht – um Gottes Willen, was soll das. Schon fast legendär in dieser Hinsicht ist ein Rezept aus dem Lorscher Arzneibuch. Da wurden Schimmelkäse und Honig mit etwas Schafsdung vermischt, und das hat man dann in eine tiefe Beinwunde gegeben. Inzwischen ist es aber pharmakologisch wahrscheinlich, dass dabei eine Art Antibiotikum entstanden ist, indem sich der Käse praktisch gegen eine Infektion durch den Schafsdreck gewehrt hat.
Wie sind die Mönche auf solche Rezepte gekommen, wie haben sie Arzneimittelforschung betrieben?
MAYER: Die Klöster waren sehr experimentierfreudig. Und sie hatten für alles Fachleute, die sich ihrer Aufgabe als Apotheker, Arzt, Gärtner speziell widmen konnten. Bei der Forschung gab es vor allem drei Wege. Zum einen suchte man stets nach Heilpflanzen aus der Umgebung, bei denen man einfach per Probieren feststellte, helfen sie oder nicht. Andere gingen nach der Signaturenlehre vor, das heißt, sie schlossen aufgrund einer Farbe, einer Blattform auf die Wirkung. Und es gab die so genannte Humoralpathologie, also die Viersäftelehre. Sie geht davon aus, dass die Gesundheit von vier Körpersäften bestimmt wird, und nur wenn sie im Gleichgewicht sind, ist man gesund. Dazu kommen die Primärqualitäten – warm, kalt, feucht und trocken. Sie müssen analog zu den Säften in einem harmonischen Verhältnis sein. Und da hat man dann den Arzneimitteln, vor allem den Pflanzen, die entsprechenden Eigenschaften zugewiesen, also kühlende oder wärmende, trocknende oder befeuchtende Arzneipflanzen.
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07.05.2010
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