So viele Läufer wie noch nie

Ulm.  Die Anmeldezahlen hatten schon ahnen lassen: Es wird wohl einen neuen Rekord geben. Es traten dann auch tatsächlich mehr als 14 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene beim Einstein-Marathon an.

Für die einen sind die letzten Minuten vor dem Start voller Anspannung, auch wenn es eigentlich gar keinen Grund dafür gibt. "Ich mache ja, was ich das ganze Jahr über auch mache", sagt Peter Zdebik. Und es ist immerhin der 22. Halbmarathon, den er läuft. Andere bleiben locker, selbst wenn sie angeschlagen sind, wie Andreas Raab, der wegen einer Wadenverletzung seinen 8. Halbmarathon mit Kinesio-Tapes angeht. Beruhigend für alle Neulinge: Selbst eine Valinda Kriependorf vom SSV Ulm 1846 (also die Frau von Lokalmatador Thorsten Kriependorf, der den ersten Einstein-Marathon gewann), muss im letzten Moment einen Laufschuh nochmal aufschnüren und die Socke zurechtrücken. "Ich hab gemerkt, ich hab kalte Zehen", sagt sie, "da hat etwas gedrückt."

Mehr als 14 000 Läufer sind beim sechsten Einstein-Marathon an den Start gegangen, so viele wie noch nie zuvor. 6000 Teilnehmer waren es allein beim Massenstart der Marathonis, Halbmarathonis und Nordic Walker vor der Donauhalle gestern morgen, wo die Teilnehmer dieses Jahr erstmals in mehrere Blocks aufgeteilt wurden. So wie es auch bei den großen Stadtläufen durch Hamburg oder New York gehandhabt wird. Die Schnellen starteten im ersten Pulk, die Langsameren am Schluss. So wurden Rempeleien vermieden und Stürzen vorgebeugt.

Kondition bewiesen nicht nur die Läufer: Begeisterte Zuschauer zählten schon beim Start den Countdown lauthals mit und munterten die Marathonis und Halbmarathonis an der Strecke mit Zurufen auf - und sie beklatschten auch noch die Leistungen der Zehn-Kilometer-Läufer, die erst auf dem Münsterplatz einliefen, als die besten zehn Marathonläufer schon auf der Ehrentribüne standen. Die Polizei schätzt, dass zu dem großen Ulm/Neu-Ulmer Lauffest 20 000 Zuschauer in die Innenstädte kamen, somit mehr als vergangenes Jahr. Eine gigantische Kulisse, vor der viele Läufer an diesem Tag persönliche Bestzeiten erreichten.

Dazu trug wohl auch die neue Streckenführung bei, die zentraler angelegt war und für die Sportler die moralischen Durststrecken verkürzte. "Sie ist eine gute Grundlage für künftige Marathons", sagt Markus Ebner, der mit Bernd Hummel und Wolfgang Beck das Großereignis organisiert. Nicht zuletzt, weil die Strecke obendrein übersichtlicher für alle Beteiligten war.

Es war friedliches Lauffest, nach Erkenntnissen der Polizei gab es kaum Zwischenfälle. Mit einer Ausnahme in Neu-Ulm: Gegen 10.30 Uhr hielt ein aus der Paulstraße kommender Jeepfahrer geradewegs auf einen Sicherheitsmann zu, um sich die Zufahrt in die Augsburger Straße und somit die Laufstrecke zu erzwingen. Der Grund: Er war wegen eines Geschäftstermins in Eile, wollte somit keinen Umweg in Kauf nehmen. Seine Gewaltfahrt, bei der er Läufer in Bedrängnis brachte, verlief schließlich doch mit Verzögerung. Der 51-jährige Holländer wurde gestoppt und musste zur Sicherheit 700 Euro bei der Polizei hinterlegen. Ansonsten hatte die wenig Ärger mit Autofahrern, die umgeleitet wurden.

Einen wahren Redemarathon legte Moderator Artur Schmidt hin: Der Mann, der vor Insiderwissen sprüht und es versteht, ohne Unterlass zu sprechen, kommentierte Leistungen und Fehltritte der Sportler gleichermaßen. Eine Kostprobe seiner frechen Sprüche: "Kleiner Fehltritt. Hoffentlich ist es der letzte in ihrem Leben" (über eine Läuferin, die beim Zieleinlauf stolperte).

Für Thorsten Kriependorf wars ein ganz besonderer Tag: Er lief sein letztes offizielles Rennen - und dies mit großem Erfolg: Er war Drittschnellster im Halbmarathon. Seine Frau steht ihm in nichts nach: Sie schaffte es - unter anderem dank rechtzeitiger Sockenkorrektur - ebenfalls auf Platz drei.


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Autor: REGINA FRANK | 20.09.2010

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