Kriependorfs letzter Lauf unterm Münster
Ulm. 21,2 Kilometer auf flotter Abschiedstour: Für Thorsten Kriependorf vom SSV Ulm 1846 war der Halbmarathon, bei dem er hinter Sieger Ben Masai als Dritter ins Ziel kam, sein letztes Wettkampf-Rennen.
Eine "Ich-AG" auf Abschiedstour. Die sechste Auflage des Einstein-Marathons war das Ende eines bewegten Lebens für Lokalmatador Thorsten Kriependorf. In 1:11:01 Stunden erreichte der 36-jährige Lokalmatador vom SSV Ulm 1846 als Dritter des Halbmarathons das Ziel. Hinter Sieger Ben Masai. Der 18-Jährige Kenianer, der ebenfalls für den SSV 46 startet, wurde seiner Favoritenrolle gerecht und siegte nach einem engen Rennen in 1:08:19 Stunden vor seinem Landsmann Collins Kibet (1:08:21/Frankfurt).
"Bis Kilometer 14 bin ich mit Ben alleine vorneweg gelaufen", berichtete Kriependorf. Dann kam der spätere Zweite auf, und der Ulmer musste die Dominanz der beiden Afrikaner anerkennen, sie fortan ziehen lassen. "Die laufen in einer anderen Welt", urteilte Kriependorf voller Respekt.
Mit Massei und Vorjahressieger Titus Kipchumba Kosgei, der sich gestern den Sieg beim lukrativeren Tübinger Stadtlauf vor zwei Landsleuten sicherte, bildet Kriependorf beim SSV 46 eine Laufgruppe unter Trainer Wieland Pokorny. "Der Schmerz lässt nach, der Stolz bleibt", lautete sein Motto in den zurückliegenden Jahren, in denen er bei den Rennen ums Münster regelmäßig die schwarzen Läufer gefordert hatte, am Ende aber immer chancenlos geblieben war.
Kriependorf erlebte bei seinen Rennen sowohl "die Hölle von Söflingen" - das Gefühl beim Marathon im Klosterhof nach zu schnellem Anfangstempo wegen Krämpfen und Übelkeit gegen eine Mauer zu rennen. Er erlebte aber auch den majestätischen Triumph beim Zieleinlauf auf dem Münsterplatz.
Seine Platzierungen können sich sehen lassen: Bei der Premiere 2005 ging er als Erster bei der klassischen Distanz von 42,195 Kilometer über die Ziellinie. In den Folgejahren bewurde er Zweiter (2006) und Vierter (2007). Über die halbe Distanz erreichte er 2008 Rang drei und im Vorjahr wie gestern den dritten Platz. "Von der Strecke her war es dieses Jahr der schönste Lauf", fand er großes Lob für die Organisatoren.
Bei den Frauen triumphierte ebenfalls eine schwarze Läuferin. Dorcas Kangogo, die für die LG Iller Schwaben startet, siegte in 1:19:03 Stunden vor Kathrin Luxenhofer von Viktoria Augsburg (1:25:46) und Valinda Kriependorf vom SSV Ulm 1846 (1:26:46). Womit das Familienglück Kriependorf mit zwei dritten Plätzen vollkommen war.
Dank des guten Laufwetters hatten sich kurzfristig zahlreiche Läufer nachgemeldet. Weit über 4000 hatten sich für den Halbmarathon entschieden und damit doch noch eine neue Rekordmarke aufgestellt.
Vom aktiven Läufer zum Bewegungsmuffel: Das darf man vom 36-jährigen Kriependorf allerdings nicht erwarten. "Rennen werde ich jedoch keine mehr laufen. Um das Zeitniveau zu halten, ist der Trainingsaufwand einfach zu groß." Lächeln statt hecheln, heißt es ab sofort. Als Personal Trainer wird er auch in Zukunft seine Erfahrungen an männliche und weibliche Pflastertreter weiter geben. Vielleicht kommt ja der nächste Siegläufer beim Einstein-Marathon aus seiner Trainingsgruppe.
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Autor: WINFRIED VOGLER | 20.09.2010
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