„Der läuft in einer anderen Welt“

Ulm. 

Wieder ein Mann aus Afrika, der allen Kontrahenten über die Halbmarathon-Distanz von genau 21,0975 Kilometern bei der siebten Auflage des Ulmer Einstein-Marathons davonlief. Ben Masai aus Kenia, der für den SSV Ulm 1846 startet, siegte in 1:06:19 Stunden.

Mit der Gewissheit, dass er im Feld der über 4500 Halbmarathonis niemand zu fürchten hatte, der ihm den Sieg würde streitig machen können, lief der Kenianer sein eigenes Tempo, setzte sich nach drei Kilometern von der Konkurrenz ab und erreichte im Alleingang den Ulmer Münsterplatz mit knapp sieben Minuten Vorsprung.

Das schlechte Wetter ließ den 19-Jährigen Vorjahressieger ziemlich kalt. Offensichtlich machte es ihm sogar schnellere Beine als im vergangenen Jahr. Masai verbesserte seine Siegerzeit von 2010 um exakt zwei Minuten. Den Streckenrekord seines Landsmanns Titus Kipchumba Kosgei aus dem Jahre 2009 mit 1:05:03 Stunden konnte der Sieger bei diesen Bedingungen aber nicht knacken.

Trotzdem pflichteten die beiden Nächstplatzierten Rainer Schniertshauer (1:13:27 Stunden) vom TV Dettingen/Iller und Michael Leibfarth (1:13:35) vom SV Ohmenhausen unisono bei: „Der läuft in einer anderen Welt.“ Warum der Rest der Konkurrenz meist nur geringe Chancen gegen afrikanische Läufer hat, beruht nicht allein auf der Höhenluft. Die Kenianer trainieren normalerweise im Hochland in 2100 Metern über dem Meeresspiegel. Da in dieser Höhe der Sauerstoffgehalt deutlich geringer ist, bildet der Körper mehr rote Blutkörperchen und den Farbstoff Hämoglobin, um mehr Sauerstoff transportieren zu können. Beim Einstein-Marathon lief das Läuferfeld hingegen nur auf einer Höhe von 478 Metern.

Sportmediziner haben festgestellt, dass die Ursache der größeren Leistungsfähigkeit neben einer besseren Laufökonomie und günstigeren biomechanischen Voraussetzungen im deutlich geringeren Körpergewicht der Afrikaner gegenüber gleich großen weißen Athleten zu sehen ist. Die Dominanz beruht demnach auf biomechanischen Prozessen, Bewegungsökonomie, Körpergeweicht sowie Härte gegen sich selbst. Letzteres darf man nicht nur dem Sieger, sondern muss man allen Teilnehmern bescheinigen. „Die vielen Wasserpfützen ließen keinen optimalen Lauf zu“, beklagte der zweitplatzierte Triathlet Schniertshauer die miserablen Wetterverhältnisse.

Eine der wenigen, die über die miese Witterung nicht klagte, war Julia Schmitt von der TSG Söflingen, die als Zweite der Frauen-Konkurrenz in 1:26:49 Stunden ins Ziel kam. „Ich mag das Sauwetter“, erklärte die zierliche Athletin, die leicht wie eine Elfe über den Zielstrich gelaufen war. „Je schlechter desto besser“, verkündete sie strahlend ihr Motto.

Bei den zurückliegenden vier Rennen hat Julia Schmitt ihre Bestzeiten jeweils um mindestens drei Minuten verbessert, berichtete sie stolz. Das lässt für das Rennen 2012 eine Siegerzeit erhoffen. Die Gewinnerin der Frauen-Konkurrenz, Judith Mess vom AST Süßen, behauptete sich in 1:24:48 Stunden dieses Mal aber noch deutlich zwei Minuten vor der Söflingerin. Der Streckenrekord von Pamela Jemeli Kipchonge aus Kenia in 1:16:02 Stunden aus dem Jahre 2009 blieb freilich unangetastet.


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Autor: WINFRIED VOGLER | 18.09.2011

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