Die Tücken der Ausbildung

Der eine ist Ausbildungsbotschafter, der andere kümmert sich als Azubi-Mentor um die Lehrlinge. Falco Büsing und Max Mühlberger arbeiten bei ABM Mess-Service GmbH und haben zum Thema Ausbildung einiges zu sagen.

WERNER GALLBRONNER |
Trotz seiner erst 23 Jahre hat Falco Büsing schon allerlei Erfahrungen und Einblicke in sehr verschiedene Berufsfelder gesammelt. Gerade deshalb hält er sich für geeignet, als Ausbildungsbotschafter über die Industrie- und Handelskammer (IHK) an Schulen für Ausbildungsberufe zu werben. „Ich kann den Schülern viel erzählen, weil ich selbst schon viel erlebt habe.“ Sowohl IHK als auch Handwerkskammer vermitteln Ausbildungsbotschafter an Schulen. Sie sollen dort praxisnah ihr Berufsbild schildern, erläutern, was in der Ausbildung so alles passiert und zeigen, was an Ausbildungsberufen interessant ist. „Damit Schüler das nicht nur von ihren Lehrern hören“, fügt Büsing hinzu: „Der IHK ist es wichtig, dass es die Azubis selbst sind, die dort hingehen.“

Falco Büsing ist im zweiten Lehrjahr als Bürokaufmann bei der ABM Mess-Service GmbH in Dornstadt, einem mittelständischen Familienunternehmen, das Dienstleistungen im Bereich der Wärme- und Betriebskostenabrechnung anbietet. „ABM“ steht  für Abrechnung, Beratung, Mess-Service. Er fühlt sich wohl dort, wie er sagt. „Wenn alles gut läuft, wird im Januar meine Ausbildung mit den Prüfungen abgeschlossen sein.“ Dann wird er von dem expandierenden Unternehmen übernommen: „Der künftige Arbeitsplatz steht schon fest, ich weiß, was ich nachher machen werde“, freut er sich.

Nach seinem Realschulabschluss  2008 hatte Falco Büsing zunächst versucht, an der Fachoberschule (FOS) im Sozialbereich das Abitur zu machen. Dieses Unterfangen brach er aber im Herbst 2009 wieder ab, nachdem er die Prüfungen nicht geschafft hatte. „Ich konnte einfach nicht mehr die Schulbank drücken“,  beschreibt er seinen damaligen Zustand. Also ging er erst mal zur Bundeswehr, leistete seinen Wehrdienst als Gebirgssanitäter in Kempten ab, war später Sanitäter im Bundeswehrkrankenhaus.

2010 jobbte Büsing erst, bis er eine Lehre als Lagerlogistiker begann. Doch sein damaliger Ausbildungsbetrieb ging in die Insolvenz, die beruflichen Zukunftsaussichten dort waren dahin. Wieder jobben, wieder die Suche nach einem Ausbildungsplatz. „An der FOS hatte ich unter anderem Praktika in der Altenpflege und in der Aids-Hilfe gemacht“, sagt Büsing. Die Erfahrungen seien recht positiv gewesen, deshalb bewarb er sich um eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Eine Zusage hatte er schon, dann kam das Angebot von ABM. „Ich wollte geregelte Arbeitszeiten“, nennt er den Hauptgrund, warum er letztlich den Weg zum Bürokaufmann nahm.
„Weil ich mich aber schon immer sozial engagieren wollte, will ich später in der Freizeit als Rettungssanitäter arbeiten“, erzählt der 23-Jährige.

Falco Büsings Jahrgang ist übrigens der letzte, der unter dem Namen „Bürokaufmann“ läuft. Offiziell heißt es inzwischen „Kaufmann/-frau für Büromanagement“.

Die Ausbildung sei etwas internationaler angelegt, unter anderem mit mehr Englisch, beschreibt Max Mühlberger. Der gelernte Industriekaufmann ist Teamleiter bei ABM und außerdem Ausbildungsbetreuer. Dafür musste er eine Ausbildungseignungsprüfung bei der IHK ablegen. Mühlberger ist erst vor gut einem Jahr zu ABM gekommen, hat sich aber „relativ schnell“ entschieden, den Mentor für die Azubis zu machen. „Für mich war die Ausbildung sehr schwer, ich wusste nicht, wie und was in einem Betrieb so abläuft“, erklärt der 25-Jährige. Nach der Lehre sei er nicht übernommen worden, habe jobben gehen müssen – „eine Knochenarbeit“.

 „Ich weiß, wie es ist, wenn die Ausbildung nicht perfekt läuft und ich weiß, wie es ist, richtig hart zu arbeiten“, hält sich Max Mühlberger gerade deswegen für eine gute Anlaufstelle für die Azubis. „Ich will den Azubis vermitteln, was sie an ihrem Ausbildungsplatz haben. Sie brauchen einen Ansprechpartner, der nicht der Personalleiter ist.“ Wichtig sei eine gute Vertrauensbasis, „dass die Azubis zu mir kommen, wenn sie Probleme haben“.

Die können höchst unterschiedlicher Natur sein, auch die Berufsschule wird mit einbezogen. Wenn es schulische Probleme gäbe, könne man etwa eine Nachhilfe organisieren, erläutert Mühlberger. Gerade am Anfang der Lehre sei es immer wieder wichtig zu motivieren. „Die meisten kennen das Arbeitsleben schließlich noch nicht.“
Mühlberger betreut die Azubis vom Anfang bis zum Ende der Ausbildung. Dazu plant er auch die Auftritte der Firma bei Bildungsmessen mit. Deshalb wird  er bei der Railshow auch vor Ort sein.

„Ich führe immer mal wieder Vier-Augen-Gespräche mit unseren Auszubildenden, damit ich auf dem neuesten Stand bin“, sagt Mühlberger. Eventuellen Problemen will er so frühzeitig begegnen und sie aus der Welt schaffen. Er gibt Hilfestellungen beim Ausbildungsnachweis, dem Berichtsheft, erläutert ihnen bei Bedarf ihre Rechte. Mit der Personalabteilung wird ein Ausbildungsplan erstellt, wer wann und wo eingesetzt wird. „Azubis dürfen nicht aus der geplanten Abteilung rausgerissen werden, nur um irgendwo ein Loch zu füllen“, sagt der Mentor.

Zu Mühlbergers Aufgaben gehören auch Bewerbungsgespräche. Er stimmt sich mit dem Personalleiter ab, wer genommen wird. „Die Verantwortung ist riesengroß“, weiß er: „Ich nehme das ernst, ich stehe dazu.“ Sich einen Mentor oder Ausbildungsbetreuer zu leisten, könne er jeder Firma „nur empfehlen“. „Es ist elementar wichtig. Aber es muss auch die Person dafür geeignet sein“, meint er.

Die Zusammenarbeit mit den Auszubildenden mache ihm sehr viel Spaß, und den will er vermitteln. „Den Weg ins Arbeitsleben erleichtern, die Ausbildung erfolgreich abschließen und Spaß dabei haben“, nennt er es. Ziel sei es schließlich, dass sie anschließend im Unternehmen bleiben.


Info
Ausbildungsbotschafter mehrere Betriebe werden am 13. Juni mit im Zug sitzen. Wer etwas über den Alltag als Azubi wissen will, kann sie einfach ansprechen. Die Idee der Ausbildungsbotschafter hat im vergangenen Jahr den Preis „Herausragende Bildungsidee der Bundesrepublik“ bekommen. Bei der IHK Ulm wurden fast 400 Botschafter ausgebildet, waren und sind in Schulen und bei messen unterwegs. Ansprechpartnerin ist Tisa Obuskovic. Auch die Handwerkskammer ist überzeugt, dass junge Menschen, die selbst noch in der Ausbildung stecken, anderen Jugendlichen ihren Lehrberuf am besten nahebringen können. Für viele Gewerke gibt es bereits eigene Botschafter. Koordiniert werden ihre Einsätze von Heike Thumm.

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