Zur Fusion gezwungen

Die Raiffeisenbank Dellmensingen muss fusionieren. Ansonsten sei ihre Zukunft "sehr stark gefährdet", sagte Vorstand Hans-Dieter Fuchs.

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159 der 1473 Mitglieder sind am Donnerstag zur Generalversammlung der Raiffeisenbank Dellmensingen gekommen. Zu einer möglichen Verstrickung in die Pleite des im Januar 2014 verstorbenen Biberacher Rechtsanwalts Artur Maccari erfuhren sie kaum etwas. Es handle sich "um ein einzelnes Engagement", sagte Rechtsberater Mathias Klasen vom Genossenschaftsverband, als ein Mitglied "Genaueres über die Maccari-Kredite" wissen wollte. Weitere Aussagen seien wegen des Bank- und des Steuergeheimnisses unmöglich. Das nahmen die Mitglieder äußerlich ungerührt zur Kenntnis, ebenso die Ankündigung von Hans-Dieter Fuchs, seit 1. Oktober 2014 Vorstandsmitglied, dass die Bank nicht selbstständig bleiben könne. Der Aufsichtsrat habe am 30. Juni beschlossen, mit den umliegenden Genossenschaftsbanken Gespräche für eine Fusion aufzunehmen. Andernfalls sei die Zukunftsfähigkeit "stark gefährdet". Schuld seien aber nicht etwaige Kredite an Maccari, alle wesentlichen Risiken seien bei der gesetzlichen Prüfung durchleuchtet worden. Die Bank habe daher keine existenzbedrohenden Risiken zu erwarten, sagte Fuchs, zumindest nicht "nach derzeitigem Kenntnisstand". Vielmehr sei der Grund dafür das dauerhaft niedrige Zinsniveau sowie die "Regulierungswut" der EU. Fuchs räumte ein, dass die Bank mit etwa 3,3 Millionen Euro über wenig Eigenkapital verfüge.

Vorsitzender Dietmar Koch sparte in Abwesenheit des erkrankten langjährigen Vorstandsmitglieds Eugen Schlachter nicht mit Vorwürfen an die Führungskräfte. Der Vorstand habe Reformen zu spät eingeleitet, die Beanstandungen der Verbandsprüfer nicht konsequent abgearbeitet. Selbst Mängel, auf die bereits 2013 hingewiesen worden sei, seien nicht beseitigt worden, sagte Gerhard Schorr, der Präsident des Genossenschaftsverbands. Der neueste Prüfbericht falle ebenfalls "sehr schlecht" aus, auch wenn eine ordnungsgemäße Geschäftsführung bescheinigt werde und keine Verletzungen der Sorgfaltspflichten festgestellt worden seien. In der Diskussion kochten dann doch Emotionen hoch. Im Mittelpunkt stand die Entlastung des Vorstands, für die es vom Aufsichtsrat keine Empfehlung gab. Die anonym vorgebrachte Forderung, Eugen Schlachter nicht zu entlasten, wurde mit vereinzelten Bravo-Rufen unterstützt. Aufsichtsratsmitglied Reinhard Härle hingegen bat, Schlachters gute Leistung über Jahrzehnte nicht zu vergessen.

In der geheimen Abstimmung wurde Schlachter mit 93 Ja-Stimmen entlastet, 52 Mitglieder votierten mit Nein. Die Anfang des Jahres ausgeschiedene Silvia Munz erhielt 119 Entlastungsstimmen, 23 Mal hieß es Nein. Hans-Dieter Fuchs wurde mit 139 Stimmen (sechs Nein) deutlich entlastet. Die Mitglieder des Aufsichtsrats wurden bei 18 bis 20 Nein-Stimmen entlastet. Hans Baur und Rudi Schick, deren Amtszeit im Kontrollgremium abgelaufen war, wurden wiedergewählt.

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