Zugang zur Eiszeit in der Vogelherd-Höhle

Die Vogelherd-Höhle, Fundort einer Pferde-Plastik aus der Steinzeit, ist von einem informativen Archäopark als Besucherzentrum umgeben.

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Der Pfad vom Besucherzentrum zum eigentlichen Fundort im Vogelherd ist steil und gehört zur Gesamtanlage des Archäoparks.  Foto: 

Bei den meisten Höhlen des Ach- und Lonetals, die nun als Weltkulturerbe angesehen werden, vermittelt sich den Besuchern der Geist der Eiszeit bereits auf dem Weg dorthin. Zumal die bisweilen verschlungenen Pfade in die Vergangenheit kaum besser sind als jene, auf denen die Mammutjäger einst zugange waren. Weitgehend unbefestigt, ab und an steil und bei Regen rutschig ist das Geläuf, auf dem sich der neuzeitliche Archäo-Tourist in die Büsche schlagen muss, um dorthin zu gelangen, wo die ältesten Kunstwerke und Zeugnisse der Menschheitsgeschichte entstanden sind.

Bei der Vogelherdhöhle bei Stetten ob Lontal verhält sich das anders. Während die Verbesser­ung der Infrastruktur bei den anderen Fundstätten erst in Planung ist, finden die Besucher dort geradezu paradiesische Verhältnisse vor. Besser kann man Urgeschichte zeitgemäß nicht präsentieren als im Archäopark unterhalb der Höhle, deren drei Eingänge rund 18 Meter über dem Tal liegen.

Dass die Zivilisation Einzug gehalten hat, wird schon beim Parkplatz kurz vor Stetten deutlich, wo via Parkautomat für das Abstellen des Vehikels Gebühren erhoben werden. Dem kann man entgehen, wenn man sein Fahrzeug rund einen Kilometer entfernt direkt hinter dem eingezäunten Bergsporn nahe des Wanderweges parkt. Allerdings ist der Parkraum begrenzt.

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Wo auch immer die Besucher ihre Fahrzeuge abstellen: An einem Fußweg zum Eingang des Archäoparks, der gleichzeitig als Kasse fungiert, führt kein Weg vorbei – das Gelände ist eingezäunt. Dafür entschädigt das liebevoll in die Landschaft integrierte Besucherzentrum mit einer Breitseite an Informationen und wartet im Ausstellungsteil mit Sensationsfunden auf: Unter anderem einer Mammutfigur aus Elfenbein.

Da im Archäopark Geschichte ganzheitlich gesehen wird, gibt es auch viele flankierende Informationen. Rotunden etwa, die sich der Themen „Ort“ und „Zeit“ annehmen, wo man sich über das damalige Klima, und Mensch und Tier im Wandel der Zeit ebenso ins Bild setzen lassen kann, wie über die geologische Geschichte. Wer auf Geschichten steht, kann via Hörspiel in die Eiszeit eintauchen.

Und zwar mit allen Sinnen. Dementsprechend ist der Park mit seinem Freigelände konzipiert, wo das Eigenerlebnis im Vordergrund steht. Wo man Wurftechniken bei er Mammutjagd ausprobieren kann, lernt, wie man mit Steinzeitwerkzeugen arbeitet und Feuer machte. Am Grillplatz besteht sogar die Möglichkeit, sich der Steinzeit kulinarisch anzunähern und sich einen „Ochsenfeuerspieß” oder „Rüsselgriller” schmecken lassen.

Drei Eingänge zum Vogelherd

Über einen barrierefreien Rundweg geht es dann zum Fundort des wohl berühmtesten Ausgrabungsstücks, dem Vogelherd-Pferdchen. Die sieben Meter breite, 3,8 Meter hohe und 39 Meter lange Höhle besitzt drei Eingänge. Allerdings liegt sie in einem Bergsporn unterhalb der Felskuppe und ist für Rollstuhlfahrer kaum zu erreichen. Dafür gibt es elektronische „Audio-Guides“ in mehreren Sprachen, um sich unterweisen zu lassen.

Was andere Höhlen nicht zu bieten haben, ist im Archäopark gegeben: die Möglichkeit der Nahrungsaufnahme und -abgabe. Neben einer Cafeteria finden Besucher, die sich andernorts in den Wald schlagen müssten, auch Toiletten vor. Was einen Höhlenbesuch erst abrundet und Ärger vermeidet. Dementsprechend haben auch Ute und Markus Schmitz keinen Grund zu Klagen – nicht einmal über die Parkgebühr. Das Ehepaar aus der Nähe von Herne ist auf Verwandtschaftsbesuch in der Gegend und hat die Gelegenheit genutzt, den Vogelherd zu besichtigen. „Wir sind wirklich begeistert“, lobt Markus Schmitz und freut sich über „die vielen Eindrücke, die wir mitnehmen können“.

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Funde Elfenbein­plastiken.

Begehbarkeit Die Höhle ist voll zugänglich. Sie ist an den Erlebnisrundweg des Archäoparks angeschlossen. Tageskarten 7 Euro für Erwachsene (ermäßigt 5). Für Familien (zwei Erwachsene, ein Kind) 15 Euro, jedes weitere Kind 1,50 Euro. Grundsätzlich ist der Park von April bis Oktober von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Montags ist der Archäopark geschlossen.

Barrierefreiheit Teilweise: Der Rundweg und die Themenplätze des Besucherzentrums sind rollstuhlgerecht und kinderwagentauglich, die Höhle ist wegen ihrer Hanglage damit aber nicht zu erreichen.

Sanitäre Einrichtungen Ja.

Gastronomie Cafeteria im Archäopark, darüber hinaus steht ein öffentlicher Grillplatz zu Verfügung.

Führungen Öffentliche Führungen immer sonn- und feiertags um 13 und 15.30 Uhr. Donnerstags um 18.30 Uhr. Kontakt unter Tel. (07325) 952 80 00, info@archaeopark-vogelherd.de, www.archaeopark-vogelherd.de.

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