Zaubern ist eng verknüpft mit Logik

Sein Beruf: Zauberer, Magier und Kuriositäten-Impresario. Seine Bühnen-Figuren: wundersam, obskur, etwas durchgeknallt. Immer wieder gerät Eckart Taglinger im Gespräch unversehens in eine seiner Rollen.

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Im wirklichen Leben ein angenehmer und höchstens ein wenig versponnener Zeitgenosse: der Magier und Kuriositäten-Impresario Eckart Taglinger.  Foto: 

Als Zauberer, erklärt Eckart Taglinger sinngemäß, wird man keinesfalls einfach so aus dem Hut gezaubert. Denn das Zauberwesen sei nun mal kein Hokuspokus, sondern eng verknüpft mit Logik. Vor allem mit vertieften Grundkenntnissen der Physik. Der Zufall wollte es, dass er in seinem Vater einen Physiklehrer hatte. Damit könnte ihm sein Metier somit zumindest in die Wiege gelegt worden sein.

Von solchen Kenntnissen, so viel immerhin wird verraten, hängt es ab, ob Dinge verschwinden und wieder auftauchen. Ohne diese wäre Meister Eckart, seine eine Bühnenfigur, also ziemlich aufgeschmissen. Und Fakir Jadoo, seiner anderen, würde es unbeschadet kaum gelingen, Feuer zu schlucken, über Glasscherben zu laufen oder auf dem Nagelbrett Platz zu nehmen. "Versuch und Irrtum" spielten schon auch noch eine Rolle, sagt Taglinger. Ein Bühnenprogramm aber entstehe selbst daraus noch lange nicht.

Was wären schon die Zauberformeln ohne Geschichten drum herum? Seelenlose Formelsammlungen. Die Entwicklung einer Show hat Taglinger "auf der hohen Schule" seines Metiers erlernt: auf der Straße. Denn was vor Straßenpublikum funktioniere, funktioniere auf der Bühne ebenfalls. 1989 begann er mit der Selbst-Ausbildung. Guckte, wie was beim Publikum ankommt. Schaute, wie es die Kollegen machen. Beobachtete, was im Trend liegt. Beteuerte später, das alte Magier-Wissen nicht nur hoch und heilig zu halten, sondern es auch weiter zu entwickeln.

So schälten sich schließlich Figuren heraus mit eigenwilligen Ecken und Kanten. Den Fakir gibt Taglinger als etwas überdrehten Burschen aus Indiens Straßenverkäuferszene. Wenn er als Meister Eckart das Kuriositätenkabinett aufschließt, wird die Welt des Varietés, des Jahrmarkts und der Freakshows der "goldenen 20er Jahre" lebendig. Den Meister Eckart muss man sich als grummeligen Typen vorstellen, etwas abgehalftert, mitunter bösartig. Er neigt zu schwarzem Humor, kann eine Aura des Schreckens verbreiten, aber auch ganz nett sein: "Wenn ich vor Kindern auftrete, will ich sie ja nicht ängstigen."

Keine Aufführung gleicht der anderen. Beim Auftritt in der Sauna habe er sicherheitshalber auf die Nummer mit Publikum verzichtet. Gern wüsste man, wie er wirkte, als er als Fakir bei einem Pharmakonzern für Unterhaltung sorgen sollte - bei der Präsentation eines neuen Schmerzmittels.

Seine Melange aus Nostalgie, Burleske und Steampunk, aus Tingeltangel und magischen Künsten fand längst Anerkennung beim "Magischen Zirkel", dem Hohe-Priester-Rat der Verzauberer. Die Prüfung "in Theorie und Praxis" bestanden zu haben, war Ritterschlag. Den erlernten Beruf des Sozialpädagogen praktiziert Taglinger (44) jetzt nur noch freiberuflich, aber mit Kalkül: "Einige Bühnennummern lassen sich wunderbar mit erlebnispädagogischen Angeboten kombinieren."

Vor 16 Jahren hat es den Dillinger nach langen Wanderjahren rauf auf die Schwäbische Alb nach Lonsee verschlagen, in ein gut-bürgerliches Wohngebiet. Man würde jetzt gerne fragen, ob er dort nicht etwa als Exot gilt. Bei seinen Auftritten im örtlichen Kindergarten tat er sicherlich alles, um so rüberzukommen, wie er im wirklichen Leben ist: als sehr angenehmer und höchstens ein wenig versponnener Zeitgenosse.

Info Am 1. April gastiert Eckart Taglinger im Rahmen des Jahrmarktspektakels "Der Doktor & das liebe Wie" im "Gewölbe" in der Wileystraße 21 (Ludwigsvorfeste) in Neu-Ulm. Beginn: 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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