Werbetechnikerin: Kein Job für Zimperlieschen

Sigrid Grandy arbeitet als Licht- und Reklameherstellerin bei Prolux in Blaustein. Sie foliert Autos und Busse nach Kundenwunsch – und arbeitet an Entwürfen.

|
Werbetechnikerin Sigrid Grandy foliert einen Kleinwagen. Ihren Beruf findet sie sehr vielseitig: „Wer sich darauf einlässt, bekommt einen tollen Mischmasch“.  Foto: 

Sigrid Grandy steht in einer Halle beim Blausteiner Werbetechnikspezialisten Prolux vor einem schwarzen Kleinwagen. Die Besitzerin des Wagens – eine Designerin aus Blaubeuren – wünscht sich zu Werbezwecken eine auffälligere Farbgebung: Das Dach soll blau-rosa marmoriert sein, der Rest perlmuttfarben. Eine Komplettfolierung steht an, dafür brauchen Grandy und ihre Kollegin Lisa Talirsch einen halben Arbeitstag. Die beiden sind Werbetechnikerinnen – inzwischen „Schilder- und Lichtreklamehersteller“, und verpassen dem Kleinwagen ein neues Outfit – einschließlich Firmenlogo auf den Seiten und Webadresse und Telefonnummer auf der Heckscheibe. Keine Spur von Schwarz.

Blasen werden aufgepiekst

Dafür rollt Grandy zunächst eine der bereit stehenden Folien auf, fixiert sie am vorderen Kotflügel mit Magneten und schneidet ein ausreichend großes Stück ab, legt die Klebeseite frei. Und dann macht sie das, was jedem mit Tesafilm hantierenden Hobbybastler Schauer über den Rücken jagt: Grandy klebt – zumindest aus Sicht des Laien – einfach drauf los. Missachtet Falten, Lufteinschlüsse, und sogar, wenn die Klebeseiten aneinander geraten, nimmt Grandy das entspannt zur Kenntnis.

Mit einem entschiedenen Ruck werden die Seiten einfach wieder voneinander getrennt. „Das Material verzeiht einem fast alles“, sagt die 46-Jährige. Mit der Heißluftpistole erwärmt, lässt es sich um jeden Buckel ziehen, abgekühlt zieht es sich dank Memory Effekt wieder zusammen. Ein kleiner Pieks mit der Messerspitze holt die Luft aus einer Blase, das Mini-Loch schließt sich wieder vollständig.

„Nichts für Zimperlieschen“, sei dieser Job, sagt Teamleiterin Marion Grasser. Braucht es schon beim Kleinwagen sichtlich kräftige Hände, um die Folie anzubringen – wie muss erst zugepackt werden, wenn ein ganzer Bus in neuem Licht erscheinen soll? Auch konnte das Auto in einer behaglich warmen Halle bearbeitet werden. Das ist nicht immer so: Andere Aufträge führen in die Firma der Kunden, wo unter Umständen unwirtlichere Temperaturen warten, auf Leitern gestiegen und Elemente montiert werden müssen.

Komplett marmoriert

Dennoch möchten Grandy und Talirsch keinen anderen Beruf: „Wer darauf eingeht, bekommt einen tollen Mischmasch“, sagt Grandy. Beispielsweise sind die Werbetechniker von Beginn an in einen Auftrag eingebunden. Der Kleinwagen etwa war zunächst komplett marmoriert gewünscht. Das aber hätte bei Übergängen wie von der runden Motorhaube zu den ebeneren Türen einen anderen Verlauf der Linien ergeben.

Vor allem bei den immer runder werdenden Autos müssten die am Schreibtisch ausgedachten zweidimensionalen Entwürfe an die Wirklichkeit angepasst werden, sagt Grasser. Hier sei dann der Praktiker gefragt, den Kunden zu beraten, Design zu korrigieren. Bei Prolux mit einer eigenen Grafikabteilung gehört Gestalten am PC ebenso dazu, wie das Bedrucken am Plotter.

Talirsch erinnert sich gern an die Vielseitigkeit der Ausbildung: Sie reicht vom Vergolden bis zu Elektrik, vom Handhaben der Grafikprogramme über Lackieren bis zum Gestalten und Präsentieren von Werbekonzepten. Gefallen fand sie auch daran, zur Fachschule erst nach Stuttgart zu fahren, später nach Lorch. „Man kommt gut ’rum“, sagt die 24-Jährige.

Eigentlich habe sie sich für den Beruf des Lackierers interessiert. Zufällig entdeckte sie neben einem Betrieb einen Schilder- und Lichtreklamehersteller. Sie wurde neugierig und hat sich spontan umentschieden. „Ich würde es sofort wieder so machen.“

Tradition Schilderhersteller können sich auf eine über tausendjährige Tradition berufen. Mit den Schmieden waren sie für die Ausrüstung der Krieger zuständig. Materialien waren Holz, Metallbeschläge und Leder. Als später Schilder auch als Wappenträger dienten, wurden „Schilderer“ zudem Wappenmaler. Was bis vor 50 Jahren der Schriftenmaler fertigte, haben inzwischen Foliertechnik und Plotter übernommen.

Ausbildung „Schilder- und Lichtreklamehersteller“ ist ein dreijähriger Ausbildungsberuf des Handwerks. Schwerpunkte sind Technik, Montage, Werbeelektrik/-Elektronik, Grafik, Druck und Applikation. Als Voraussetzungen gelten unter anderem gute Farbsichtigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Kreativität, technisches Verständnis und handwerkliches Geschick, Schwindelfreiheit und gute Kenntnisse in Mathe. Es gibt Weiterbildungsmöglichkeiten zum Meister und Techniker.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Laster reißt Ampeln am Bahnhof um - Straßenbahn steht still

Ein Lkw hat in der Friedrich-Ebert-Straße eine Ampel umgerissen. Die Straße war auf Höhe des Bahnhofs gesperrt. Straßenbahn und Busse hatten massive Verspätung. weiter lesen