Gesprächscafé zum Thema Demenz eröffnet

Es geht um Scham, Verantwortung und Hilfe: In Langenau startet ein Gesprächscafé zum Thema Demenz.

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Wie geht man um mit der Situation, wenn der Ehemann plötzlich im Schlafanzug auf die Straße rennt oder wenn die Ehefrau keinen einzigen der Nachbarn mehr erkennt? „Sollen wir mit der Krankheit an die Öffentlichkeit gehen und wie lässt sich die Scham bei dem Thema überwinden?“, fragte Christine Metzger im Pflegezentrum Sonnenhof in Langenau, wo nun der erste Termin des Gesprächscafés zum Thema „Alter und Demenz“ stattfand. An fünf Nachmittagen wird dort Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit geboten, sich zu informieren und auszutauschen.

„Das soll eine Art Selbsthilfe sein“, sagte Metzger, die das „Projekt Demenz“ des Evangelischen Diakonieverbandes Ulm/Alb-Donau und der Evangelischen Heimstiftung betreut. „Denn immer noch ist das Thema ein Tabuthema; Angehörige und Demenzkranke sind meist isoliert.“

In Deutschland leben gegenwärtig fast 1,6 Millionen Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Es ist die häufigste von verschiedenen Demenzformen, die es gibt. Der Verlust von Nervenzellen im Gehirn wirkt sich bei den Betroffenen zuerst auf das Gedächtnis aus.

Meist kommen die Angehörigen

So berichtete in Langenau eine ältere Dame, dass die Krankheit bei ihrem Mann vor vier Jahren beim Autofahren besonders deutlich wurde. Sobald die Diagnose vom Arzt bestätigt wurde, durfte er nicht mehr Auto fahren, denn im Fall von Personenschäden bei einem Unfall zahle dann keine Versicherung mehr. „Er verstand das aber nicht“, sagte die Dame und berichtete von immer noch auftretenden Situationen, in denen er sich den Schlüssel schnappen will und losfahren – schlicht, weil es vergessen hat, dass er nicht mehr fahren darf.

15 Teilnehmer, meist Angehörige, waren zum Gesprächscafé in den Sonnenhof gekommen, um die Schwierigkeiten zu schildern, mit denen sie konfrontiert werden. Dabei war die Veranstaltung nicht die erste dieser Art in Langenau. Schon vor einigen Jahren hatte es ähnliche Gesprächsrunden in dem Pflegezentrum gegeben. „Und eigentlich waren die als einzelne Aktionen angedacht“, sagte die Hausdirektorin Frieda Freudenthaler. „Aber es gab soviel Interesse und Nachfrage, dass wir das Gesprächscafé hier nun etablieren wollen.“ , sagte Freudenthaler. Denn es sei wichtig mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, meinte Metzger.

Der nächste Nachmittag widmet sich am Donnerstag, 5. Oktober, um 14.30 Uhr dem Thema: „Ich kann tun was ich will, mein schlechtes Gewissen begleitet mich.“

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