Weltrekord geknackt

FIDE-Meister Marc Lang hat den Weltrekord im Blindsimultan-Schnellschach geknackt. Nur der Laichinger  Alexander Hermanns konnte ihn  schlagen.

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Gereicht den Laichinger Schachspielern der geknackte Weltrekord zur Ehre oder ist es peinlich, dass die eigenen Spieler den Rekord im Blindsimultan-Schnellschach  nicht verhindern konnten? Die Frage stellen sich ehrgeizige Schachsportler, doch klar ist: Der nach seinem Punktesieg jubelnde Herausforderer Marc Lang lenkte die Aufmerksamkeit demonstrativ auf die Laichinger Schachabteilung. Denn diese feierte am Wochenende auch mit diesem Weltrekordversuch ihr 50-jähriges Bestehen.

Rund vier Stunden dauerte am Samstag sein Spiel gegen 14 Gegner, darunter vier Kinder. Beim Schnellschach müssen die Züge innerhalb von 15 bis 60 Minuten gemacht werden. Beim Blitzschach bleibt den Akteuren pro Partie nur bis zu 15 Minuten Zeit. Bei seinem letzten Versuch gegen 13 Spieler sei er massiv an seine Grenzen gestoßen, berichtete Lang vorher, ein Sieg sei daher ungewiss. Siegesgewiss ging der neunjährige Oliver Schwartz ans Brett. Er ist einer von drei Nachwuchsspielern am Samstag, die im Talentstützpunkt Stuttgart gefördert werden. Nach 25 Zügen musste er sich geschlagen geben, die Enttäuschung war groß. „Ich dachte, weil Marc Lang blind spielt, habe ich gute Chancen.“ Die Aussicht, beim Landespokalturnier der Jugend am Sonntag, dem zweiten Tag des Jubiläums, vorne mitzuspielen hellte seine Stimmung  auf.

Marc Lang zeigte sich kurz vor dem Spiel ruhig, die Aufregung habe sich jetzt, nachdem es gleich losgehe, gelegt. Manche seiner Gegner suchten abseits des Veranstaltungsraums im Cube des Gymnasiums ein wenig meditative Ruhe, so wie Marijo Matic. Als erfahrener Simultanspieler  fragte er schmunzelnd: „Bin ich als sein Gegner nun Opfer oder Proband?“ Auch der Herausforderer hatte Zweifel: „Der Weltrekordversuch macht schon etwas Druck. Und sollte ich verlieren, wäre ich  etwas angefressen.“

Man konnte die Spannung förmlich spüren, als Marc Lang gegen 14.30 Uhr die Partien eröffnete. Der Laichinger Johannes Straub führte seine angesagten Züge auf den Brettern aus. Lang selbst sah auf seinem Laptopbildschirm außer 14 Spielfeldern mit den 64 Karos nur Pfeile, wohin seine Gegner ihre Figur im letzten Zug bewegt haben. Nach rund zwei Stunden war die erste Partie für Lang gewonnen. Längst nicht alle Gegner konnte er besiegen, fünf Mal gab es ein Remis. „Ein Unentschieden ist in diesem Fall fast mehr als ein Sieg“,  stellte Marijo Matic fest. Wie wahr, bestätigte Thomas Hartmann, Schachbezirksleiter Oberschwaben: „Simultan gegen 14 Gegner zu spielen, als größere Hürde die zeitliche Begrenzung von 20 Minuten je Partie anzusetzen und das alles noch blind, ist enorm.“ Lang hat die Zeit am Ende sogar etwas unterschritten. Seine letzten  Gegnern waren Jürgen Brunner und der Laichinger Alexander Hermanns. Hermanns war der einzige, der den Herausforderer besiegen konnte. Nach Punkten hat Marc Lang den Weltrekord klar geschafft. Er selbst konnte seinen Sieg kaum fassen, war sich beim teils zähen Ringen um den nächsten Zug manchmal selber nicht ganz sicher. Jubelnd sprang er von seinem Stuhl auf, als  der international aktive FIDE- Schiedsrichter Stefan Hofer aus Vorarlberg das Ergebnis verkündete. Über seinen  Trick, wie er sich die vielen Spielfelder visuell merke, verriet Lang nur so viel: Er arbeite mit einigen Fixpunkten auf dem Spielbrett. Dank digitaler Vernetzung der Spielbretter und Webcams konnten nicht nur Lang die Spielzüge angezeigt werden, sondern die waren im Nebenzimmer auf eine Leinwand projiziert – hier aber mit  Spielfiguren. Das aufwendige technische Equipment dazu hat Lang selbst gestellt und am Vorabend aufgebaut. Sein 14-jähriger Sohn Sebastian bediente dieses einem Tonstudio ähnlichen Pult.

Es war ein grandioses Szenario für Laichingen, das die kleine, 50 Mitglieder umfassende Abteilung des TSV, zu ihrem 50. Geburtstag geschaffen hat. Vier der einstigen sechs Gründungsmitglieder waren zur Jubiläumsfeier gekommen. Georg Quandt, seinerzeit der erste Abteilungsleiter, meinte beeindruckt. „Ich habe damals nicht geglaubt, dass unser Verein länger als zwei Jahre existiert, jetzt sind es 50 geworden.“ Eugen Kleiss, ebenso einst Abteilungsleiter, zeigte sich stolz: „Es freut einen schon, wenn das, was man selbst begründet hat, einen solchen Weg geht.“ Bürgermeister Klaus Kaufmann, TSV-Vorstand Uli Rößler, Thomas Hartmann, und der Vizepräsident des deutschen Schachverbands, Uwe Pfenning, reihten sich in die Schlange der Gratulanten neben Abteilungsleiter Hans Vöhringer ein. Viel Lob bekam der zu hören. Darüber, dass der kleine Verein regelmäßig mit großem Aufwand Jugendpokalspiele im Verband ausrichtet und dass die TSV-Abteilung zur Nachwuchsarbeit in die Laichinger Schulen geht.

Rege Beteiligung fanden das Jugendpokalturnier und das der württembergischen Amateure am Sonntag. Die Schachabteilung hofft, nach dieser Jubiläumsveranstaltung auf viele neue Mitglieder. Die Spieler treffen sich dienstags im katholischen Gemeindesaal, um 19 Uhr die Jugend, ab 20 Uhr die Erwachsenen.

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