Weltgrößter Bau: Peri und Bosch Rexroth arbeiten am Panamakanal

Nach neun Jahren Bauzeit ist die Erweiterung des Panamakanals eröffnet worden. Aus der Region waren zwei Firmen beteiligt: Peri und Bosch Rexroth.

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  • Knapp ein Jahr vor der Eröffnung wurden erste Testabschnitte des erweiterten Panamakanals geflutet.  1/2
    Knapp ein Jahr vor der Eröffnung wurden erste Testabschnitte des erweiterten Panamakanals geflutet.  Foto: 
  • Als Projektleiter hat Jürgen Gnida aus Pfaffenhofen den Bau öfters besucht. 2/2
    Als Projektleiter hat Jürgen Gnida aus Pfaffenhofen den Bau öfters besucht. Foto: 
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Fast alle Schiffe, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, können neuerdings wieder durch den Panamakanal geschleust werden – 96 Prozent sind es. Vor kurzem wurde die Erweiterung des Kanals in Panama eröffnet. Die Wasserstraße war im Lauf der Jahre zu schmal geworden für die stetig größer gebauten Kreuzfahrt- und Containerschiffe. Seit 2007 wurde unter der Leitung eines spanischen Bauunternehmens an vier neuen Schleusen gearbeitet. Involviert waren zwei Firmen aus der Region: der Schalungs- und Gerüstspezialist Peri und Bosch Rexroth, Hersteller von Antriebs- und Steuerungstechnologien.

Unter anderem ein Pfaffenhofer flog während der Bauzeit mehrmals nach Panama: Jürgen Gnida, Projektleiter bei Peri, hatte als Teil eines internationalen Teams den Panama-Auftrag 2010 für das Weißenhorner Unternehmen an Land gezogen. Die Lieferung von Schalungs- und Gerüstsystemen für den Kanal ist mit einer Auftragssumme von mehr als 82 Millionen Dollar der größte Einzelauftrag, den Peri jemals hatte.

Etwa 20 Millionen Dollar hatte Gnida mit seinem Team im Basis-Vertrag ausgehandelt. Die Summe sollte sich im Lauf der Zeit aber auf etwa das Vierfache erhöhen. Immer wieder kam es zu Verzögerungen auf der Baustelle, der Zeitplan wurde immer straffer – die Bauleitung versuchte das durch mehr Material und Manpower zu kompensieren. „Es war eine enorme Kraftanstrengung für uns“, sagt Gnida. So lieferte nicht nur das Unternehmen aus Weißenhorn Material, sondern es wurde beispielsweise auch von den USA, Mexiko oder Europa  Gerüste und Schalungen angeliefert. Zwischen 2011 und 2014 lieferte  Peri insgesamt 1100 Container mit Material. „Teilweise haben wir in drei Schichten gearbeitet, um rechtzeitig liefern zu können“, erzählt Gnida.

Kommuniziert wurde auf der Baustelle auf Spanisch, vor Ort hatte Peri einen spanischen Projektleiter eingesetzt. So auch die andere Firma aus Deutschland: Auch Bosch Rexroth setzte auf der Baustelle auf „internationale Spezialisten“. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Lohr am Main und einem Standort in Elchingen lieferte ein System, das den Wasserhaushalt zwischen den Schleusenkammern und den Wassersparbecken regelt. Durch die Zuordnung der Sparbecken soll mit dem neuen System bei den Schleusungen weniger Frischwasser als bisher verbraucht werden. Zum Anheben der Schiffe öffnen die Rexroth-Antriebe die Zuleitungen, sodass das Wasser aus dem Gatunsee und aus den drei Becken die Schleusenkammer füllt. Anders als bei der bisherigen Technik fließt das Wasser dann nach dem Schleusenvorgang in die Becken zurück. Im Juni 2015 wurden erste Kanalabschnitte geflutet und getestet, das Arbeitsvolumen für Peri und Bosch Rexroth nahm ab. Auch Gnidas Flüge nach Mittelamerika wurden seltener.

Seit 1980 arbeitet der 61-jährige Diplom-Ingenieur bei Peri in Weißenhorn, Reisen ist der Projektleiter für internationale Großprojekte gewohnt. Etwas Ähnliches wie die Arbeiten am Panamakanal hat er aber nicht erlebt. „Wieviel Millionen Kubikmeter Erde da bewegt wurden“ – allein schon die Größe des Baus sei beeindruckend gewesen. „Das kann fast nicht mehr getoppt werden, so gigantisch war das.“

Megaprojekt kostete Milliarden

Bau Der Panamakanal verbindet Atlantik und Pazifik und ist eine wichtige Handelsstrecke. Etwa sechs Prozent des Welthandels geht durch die Wasserstraße. Mit der Erweiterung um je zwei Schleusen auf Atlantik- und Pazifikseite  war 2007 begonnen worden. Eigentlich sollte das Mammutprojekt 2014 abgeschlossen sein, zum 100. Geburtstag des alten Kanals. Soziale Konflikte und finanzielle Streitigkeiten verzögerten das Projekt, die Kosten explodierten um schätzungsweise fast zwei Milliarden Dollar auf 5,5 Milliarden Dollar (4,9 Milliarden Euro). 

Einnahmen In zehn Jahren sollen jährlich 600 Millionen Tonnen Fracht den Kanal passieren – doppelt so viel wie bisher. Die Einnahmen von derzeit einer Milliarde Dollar jährlich sollen sich verdreifachen. Insbesondere der Handel zwischen Asien und den USA dürfte profitieren. Panama hat den Kanal vor allem für große Flüssiggastanker erweitert. Sie bringen verflüssigtes Erdgas (LNG) von Texas und Louisiana nach Asien. Die USA sind mit zuletzt 162 Millionen Tonnen Fracht Hauptnutzer, gefolgt von China mit 48 Millionen Tonnen, Chile und Japan. afp

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