Weißenhorn gegen Weltfrieden

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Bauanträge genehmigen, Haushalt beraten, Kindergarten-Gebühren festlegen. Der  Job eines Kommunalpolitikers ist – sagen wir es vorsichtig – nicht immer wirklich prickelnd. Anders in Weißenhorn. Schließlich geht es dort gerne mal um das große Ganze, die Rettung der Weltmeere etwa. Diesem Ziel hat sich die grüne Stadtratsfraktion verschrieben und in einem Antrag für eine plastiktütenfreie Fuggerstadt  geworben. Die örtliche Geschäfte sollten künftig auf Plastiktüten verzichten, die Händler ihre Kunden animieren, ihre Taschen zum Einkauf selbst mitzubringen, die Stadt die Umweltaktion offensiv unterstützen und das Gespräch mit den Gewerbetreibenden suchen, ließen die Grünen verlauten. Die kleine Stadt Weißenhorn könne auf diese Weise etwas zum Klimaschutz in der Welt beitragen – und zum besagten Schutz unserer  Meere, in denen bekanntlich Unmengen gebrauchte Tüten landen und dort Jahrzehnte vor sich hin verrotten.    Nun ja, der Vorstoß der Grünen-Fraktionen wurde von der Mehrheit im Stadtrat milde belächelt. Da half weder die gut gemeinte Unterstützung von Bürgermeister Wolfgang Fendt, der von einer nachvollziehbaren Idee sprach. Noch die Beteuerung von Grünen-Sprecher Ullrich Fliegel, der beteuerte, die Händler vor Ort mit der Aktion keineswegs drangsalieren zu wollen.

   Vor allem in den Reihen den Christsozialen war das Grummeln groß. Weltmeere retten? Ist schön und gut. Aber was hat der Weißenhorner Stadtrat damit zu tun, hieß es. Über die Abschaffung von Plastiktüten müsse an anderer Stelle entschieden werden, vielleicht in Berlin, möglicherweise in Brüssel oder New York. Die Stadt Weißenhorn jedenfalls habe sich bitteschön bei Dingen wie diesen herauszuhalten. Für CSU-Rat Gunther Hogrefe war der Antrag der Grünen durchaus charmant, aber völlig überflüssig. Er befand süffisant: „Warum stimmen wir nicht gleich auch über den Weltfrieden ab? Sicherlich wird niemand in diesem Gremium sagen, dass er gegen den Weltfrieden ist.“

Damit hatte Hogrefe den Nerv der Räte getroffen. Der Plastiktüten-Antrag wurde mit 15:9-Stimmen abgelehnt, der Weltfrieden in Weißenhorn blieb gewahrt. Für die Stadträte folgte der nächste Tagesordnungspunkt. Thema: „Neuregelung der Umsatzbesteuerung der öffentlichen Hand.“

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