Wege des Wassers: Forscher nehmen am Blautopf eine Woche lang Proben

Der Blautopf bleibt blau. Rote und grüne Flüssigkeiten, die Forscher in die Abflüsse von Blauhöhle und Hessenhauhöhle geschüttet haben, kommen nur stark verdünnt an. Teil 1 eines großen Färbversuchs.

|

Rund um die Uhr schieben seit Samstag Geologen und Studenten Dienst am Blautopf. Ihre Aufgabe: Zunächst alle halbe Stunde, dann alle zwei Stunden, schöpfen sie mit einem Plastikbecher Wasser, füllen es in dunkle Glasfläschchen und beschriften sie mit Datum und Uhrzeit. Die Auswertung im Labor des Instituts für Technologie der Uni Karlsruhe wird zeigen, was mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist: Wann welche Flüssigkeit in welcher Konzentration an der Karstquelle zu Tage tritt.

Am Samstag um 16.30 Uhr haben Höhlenforscher der "Arge Blautopf" und der Karlsruher Hydrogeologe Professor Nico Goldscheider in einer mehrstündigen Expedition über den trockenen Zustieg an der Bundesstraße 200 Gramm Amidorhodamin G in die Blauhöhle gebracht. In der "Urblau", zweieinhalb Kilometer vom Einstieg entfernt, kippte Goldscheider die rote Flüssigkeit ins Wasser. Dort und auf dem Weg zurück mussten die Forscher darauf achten, nicht mit dem Wasser in Berührung zu kommen. Denn mit ihren Anzügen hätten sie die winzigen Teilchen des fluoriszierenden Stoffes in andere Abschnitte des Höhlenflusses verschleppt und Messergebnisse beeinflusst. "Wir sind von Stein zu Stein gehüpft", beschreibt Andreas Kücha von der "Arge Blautopf" den Rückweg.

Gut eine Stunde früher als die Kollegen in der Blauhöhle hatten Mitglieder der "Arge Blaukarst" in der 1,4 Kilometer entfernten Hessenhauhöhle 100 Gramm Uranin in die "Urblau" geschüttet. Wichtigstes Ziel des Färbversuches ist, den bisher im Verborgenen liegenden Weg des Wassers zu ergründen. Die Forscher wollen sehen, wo der Fluss der Hessenhauhöhle in den Fluss der Blauhöhle mündet, um eine Verbindung zwischen den beiden großen Höhlen zu finden. Am Samstag war kein gefärbter Zufluss zu sehen, berichtet Kücha. In der Flusshöhle angebrachte Messeinrichtungen und Aktivkohlesäckchen, die im Wasser treibende Farbstoffe binden, sollen am Samstag herausgeholt und ausgewertet werden.

Am Samstag beginnt auch Teil 2 des vom Geologie-Professor Wolfgang Ufrecht aus Stuttgart begleiteten Färbversuchs. Dann werden zwei Kilogramm Amidorhodamin in eine Versickerungsstelle bei Zainingen und 1,5 Kilogramm Uranin in eine Spalte bei der Laichinger Kläranlage geschüttet. Nicht nur am Blautopf, sondern auch an der Quelle der Kleinen Lauter bei Blaustein, an der Trinkwasserfassung in Gerhausen und an drei Quellen am Nordrand der Alb bei Schlattstall, bei Seeburg und bei Gutenberg werden dann Proben gezogen. Ufrecht erwartet neue Erkenntnisse zur Entwässerung der Alb.

Unter den jungen Wissenschaftlern, die von Hand und mit einem Automaten Proben am Blautopf ziehen, ist die Geologin Ute Bellmann. Für sie sind die Untersuchungen Teil der Doktor-Arbeit. Sie vergleicht die Hydrogeologie des Wettersteingebirges mit der der Alb. Nicht dafür, sondern ob sich das Wasser doch noch verfärben wird, interessieren sich viele Blautopf-Besucher. Bellmanns Antwort: Bei der derzeitigen Quell-Schüttung von knapp zwei Kubikmetern pro Sekunde wird auch nach der weiteren Farbeingabe nichts zu sehen sein.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Trauer um „Monsieur Handball“ Kempa

Die Handball-Legende Bernhard Kempa ist im Alter von 96 Jahren gestorben. weiter lesen