Wasserwerk produziert jetzt Pellets statt Schlamm

Die Landeswasserversorgung hat in Langenau für elf Millionen Euro eine neue Anlage zur Entcarbonisierung aufgebaut.

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Sechs solcher zylinderförmiger Reaktoren gehören zur neue Schnell-Entcarbonisierungsanlage in Langenau.  Foto: 

Wohin mit den 20 000 Tonnen Kalkschlamm, die im Langenauer Wasserwerk jedes Jahr produziert werden? Mit dieser Frage sah sich die Landeswasserversorgung (LW) konfrontiert, als der bisherige Absatzmarkt wegzubröckeln begann. Die Papierindustrie verlagerte die Produktion verstärkt ins Ausland, und damit drohte die LW auf dem Kalk aus der Grundwasser-Entcarbonisierung sitzen zu bleiben. Und möglicherweise auf den Entsorgungskosten.

„Wir mussten also reagieren“, sagt Bernhard Röhrle, der Pressesprecher des Zweckverbands. Die Lösung des Problems war nicht ganz einfach, und die LW musste nach den Worten des Technischen Geschäftsführers Frieder Haakh auch einige Rückschläge verkraften. Nach insgesamt vier Jahren für Entwicklung, Aufbau und Erprobung ist Ende vergangenen Jahres die neue Anlage zur Schnell-Entcarbonisierung in Betrieb gegangen. Gestern wurde sie erstmals den Mitgliedern des LW-Verwaltungsrats und Geschäftspartnern präsentiert. Die Investition von etwa elf Millionen Euro sei aufgrund einstimmiger Beschlüsse getätigt worden, sagte Jürgen Zieger, Oberbürgermeister von Esslingen und zur Zeit Verbandsvorsitzender: „Heute ist ein guter Tag für die Landeswasserversorgung und für Baden-Württemberg.“

Hochqualifizierte Arbeitsplätze

Im Land versorgt die LW etwa drei Millionen Menschen mit Trinkwasser, das in Langenau und im Egau-Wasserwerk bei Dischingen (Kreis Heidenheim) aufbereitet wird. Auch in der Kernstadt Langenau fließt LW-Wasser. Nicht nur deswegen seien die Kommune und der Zweckverband seit Jahrzehnten miteinander verbunden, sagte Bürgermeister Daniel Salemi. Das in den Jahren 1969 bis 1973 errichtete Wasserwerk mit dem angeschlossenen Analyse-Labor biete etwa 80 zum Teil hochqualifizierte Arbeitsplätze und habe Langenau als Standort-Kommune bekannt gemacht. Auf der anderen Seite bedeute Trinkwasserschutz eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten für die Stadt und für die Landwirtschaft. „Aber wir stehen dazu“, sagte der Bürgermeister. Schade nur, dass die LW keine Gewerbesteuer bezahle.

Mit den von den Mitgliedern bezahlten Umlagen darf der Zweckverband zwar keinen Gewinn erzielen, doch müssen die Betriebskosten möglichst gedeckt werden. Das heißt: Je geringer die Kosten, desto besser für die Mitglieder. In dieser Hinsicht war der Kalkschlammverkauf ein gutes, weil nach den Worten von Pressesprecher Röhrle kostendeckendes Geschäft. Das mangels Abnehmern aber nicht mehr läuft.

Halb so viele Lastwagen

Dafür funktioniere die Schnell-Entkarbonisierung, die der Zweckverband dem Technischen Geschäftsführer zufolge weitgehend selbst entwickelt hat. Im Unterschied zur alten Anlage bleiben bei dem Prozess Kalkkörner übrig, so genannte Pellets. Die wiegen erstens deutlich weniger, weil sie anders als der Schlamm fast trocken sind. Das bedeute, dass für den Abtransport nur halb so viele Lastwagenfahrten notwendig sind, erläuterte Pressesprecher Röhrle. Zweitens seien die Pellets hochwertiger und vielseitiger verwendbar: Glasproduzenten, Futtermittelhersteller und chemische Industrie sind Röhrle zufolge potentielle Abnehmer der jährlich 10.000 Tonnen.

Noch hat die LW diesen Markt nicht so weit erschlossen, dass die Betriebskosten der riesigen neuen Anlage gedeckt werden. Dieses Ziel solle in drei bis vier Jahren erreicht werden, sagte Geschäftsführer Frieder Haakh: „Es sieht ganz gut aus.“

Wasserwerk Pro Sekunde fördert die LW etwa 1500 Liter Grundwasser aus dem Donauried bei Langenau. Wegen des hohen Kalkgehalts (im Durchschnitt 22 Grad deutscher Härte) muss das Wasser entcarbonisiert werden. Anschließend wird es gefiltert und mit Chlordioxid desinfiziert. Aus der Donau bei Leipheim fördert die LW ebenfalls etwa 1500 Liter Wasser pro Sekunde. Dieses wird im Langenauer Werk gereinigt und mit dem aufbereiteten Grundwasser gemischt. Die LW liefert jährlich etwa 94 Millionen Kubikmeter Trinkwasser (13 Grad deutscher Härte). Dem Zweckverband gehören mehr als 100 Städte, Gemeinden und kommunale Zweckverbände an.

Besichtigung Am Sonntag, 1. Oktober, ist im Langenauer Wasserwerk „Tag der offenen Tür“. Von 12 bis 18 Uhr kann auch die neue Schnell-Entcarbonisierung besichtigt werden. Zur Verköstigung der Besucher gibt es nicht nur Wasser.

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