Vortrag: Friedensaktivist berichtet aus Nahost

Dr. Andreas Grüneisen war vier Monate als Friedensaktivist im Westjordanland. Er beobachtete Checkpoints, besuchte Dörfer und sprach mit vielen Menschen. Die Vh holte ihn zu einem Vortrag nach Laichingen.

|
Nachdenklich verfolgten die Zuhörer den Vortrag von Dr. Andreas Grüneisen im Alten Rathaus in Laichingen.  Foto: 

Dr. Andreas Grüneisen war früher Arzt. Mit Beginn des Ruhestands tauschte er seinen Arztkittel mit einer Weste, wie sie ökumenische Beobachter des Weltrats der Kirchen (EAPPI) tragen. Für das Berliner Missionswerk reist er drei Monate ins Westjordanland (Westbank).

Seit seiner Rückkehr aus Israel und wiederholten Reisen ins heilige Land berichtet Grüneisen aber nicht mehr aus der Perspektive eines distanzierten Beobachters: Im Alten Rathaus in Laichingen schildert er auf Einladung der Volkshochschule den Israel-Palästina-Konflikt als Mensch, der Unrecht vor Ort erlebt hat und davon geschockt war. Verantwortlich dafür sei vor allem das Verhalten von israelischem Militär bei Übergriffen auf Palästinenser gewesen, dass oft gar nicht reagierte: "Militär ist nur für den Schutz der Israelis zuständig", sagt er. Grüneisen erlebte unzählige Verstöße gegen das Völkerrecht beim Zusammentreffen von Israelis und Palästinensern. Sei es beim alltäglichen Drama am Checkpoint Bethlehem oder bei Bauern, deren Olivenbäume und Ackerland zerstört wurden. Prägend waren Gespräche mit Familien, deren Häuser demoliert wurden, was System sei.

Grüneisen gibt sich nicht der Illusion hin, etwas an der gewaltgeprägten Situation zum Guten hin verändern zu können. Die Präsenz im Sinne des Berliner Missionswerkes heiße nicht, den Nahost-Konflikt zu lösen, aber den Menschen nahe zu sein. Grüneisen erlebte "eine traumatisierte Bevölkerung", verhalf palästinensischen Kindern zu einem sicheren Schulweg und leistete Beistand in vielen Lebenssituationen durch bloße Anwesenheit in der Kleidung ökumenischer Beobachter: "Schon wenn wir sichtbar sind, bleibt manche Schikane aus", hätten ihm immer wieder Menschen bestätigt. Schockiert zeigten sich die Zuhörer auch über Schilderungen Grüneisens, der Menschen in palästinensischen Gebieten im Trinkwasser baden sah, obwohl die Wasserration für Palästinenser sechs Mal geringer sei als die der Israelis und Wasser ein teures Gut sei.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Millionenraub auf A8: Urteile gegen Angeklagte erwartet

Zehn Monate nach einem fingierten Autobahnüberfall auf einen Werttransporter mit einer Millionenbeute werden am Donnerstag die Urteile erwartet. weiter lesen