Vorteile der Gemeinsamkeit

Gemeinsam verwalten, ernten und vermarkten ist das Anliegen von Forstbetriebsgemeinschaften. Vorteile für Waldbesitzer wurden beim Waldtag der Gemeinschaft "Alb-Donau-Ulm" in Regglisweiler erläutert.

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Gemeinsamkeit bringt auch bei der maschinellen Holzernte Vorteile. Foto: Franz Glogger

Matthias Müller rollt mit dem "Timberjack 1270" in die mit Moos überdeckte Gasse in den hohen Fichtenbestand. Das einem Kran ähnelnde Fahrzeug packt mit seinem Greifarm einen der Bäume und trennt mit der integrierten Kettensäge den Stamm bodennah ab. In dem dicht an dicht stehenden Bestand ist nicht genug Platz für einen freien Fall. Mit dem Hydraulik gesteuerten Arm hilft Müller nach. Äste bersten und der Baum stürzt zu Boden. Nun beginnt Teil zwei der Arbeit. Als wahrer Tausendsassa entastet der Greifer den Stamm, schneidet ihn in die gewünschten Stücke und legt diese am Wegrand ab. Wenige Minuten hat die Aktion gedauert. "Von Hand gefällt, hätte es eine Seilwinde oder ein Zugfahrzeug gebraucht, um den Baum zum Kippen zu bringen. Von der Zeit, die das Entasten und Herausziehen gebraucht hätte, ganz zu schweigen", erklärt Matthias Vater Heiner Müller, Inhaber der "Waldpflege und Holzernte GmbH" (WHG) aus Burgrieden.

Müller steht mit einem Dutzend Waldbauern im Waldstück "Mühleberg" im Zwickel von Regglisweiler, Dorndorf und Weihungszell. Zu der Vorführung einer maschinellen Holzernte hat die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) "Alb-Donau-Ulm" eingeladen. Die vor drei Jahren gegründete Interessengemeinschaft vor allem kleinerer und mittlerer Waldbesitzer umfasst das Gebiet zwischen Ehingen und Ulm und Blaubeuren bis Balzheim. Willkommen sind aber auch Besitzer aus dem angrenzenden Kreis Biberach. Bereits 100 Mitglieder zählt die FBG - von geschätzten 2000. "So mancher weiß gar nicht, dass er Wald besitzt, andere, nicht zuletzt Erbengemeinschaften, kümmern sich kaum oder gar nicht um ihren Besitz", sagt Manfred Jakob aus Erstetten, Vorsitzender der FBG. Der Informationstag war ein Angebot, um die Gemeinschaft im südlichen Teil des Landkreises bekannter zu machen.

Das Gros der Waldbauern besitze Waldstücke zwischen ein und zwei Hektar. Im Alleingang käme einer mit einer solch kleinen Parzelle kaum auf einen grünen Zweig, sagte Jakob. Würden jedoch gemeinsam zusammenhängende Schläge bewirtschaftet und vermarktet, verringere sich der Aufwand des Einzelnen, kämen bessere Verkaufspreise zustande und könnte der Besitz zukunftsträchtig gestaltet werden. "Gemeinsam sind wir stark", sagt Jakob.

Sich seinem Wald anzunehmen, sei derzeit besonders lukrativ. "Die Holzpreise sind sehr gut und werden auch nicht so schnell nachlassen, sofern uns Sturm oder Käfer nicht dazwischen funkt", sagt Mario Kummert, der zuständige Revierleiter vom Fachdienst Forst und Naturschutz im Landratsamt Alb-Donau. Die FBG arbeite nicht gegen den "Forst", sprich die staatliche Forstverwaltung, "sondern mit ihr in bewährter Weise zusammen", betont Jakob. So übernehme der Förster das Auszeichnen der Bäume, welche raus müssen und welche stehen bleiben sollen, die so genannten Z-Bäume, also Bäume mit Zukunft. Von gewichtigem Vorteil sei die Zusammenarbeit auch, wenn der Staatsforst selbst Arbeitseinsätze durchführt. "Dann können wir uns zu günstigen Konditionen dranhängen", sagt Jakob.

15 Euro kostet der Jahresbeitrag, 1,75 Prozent bekommt die FBG vom Holzerlös für Verwaltung und Organisation der Vermarktung. Die FBG sei aber nicht nur beim "Hieb" dabei, also den Fällarbeiten. Geboten werden unter anderem Fortbildungen wie Motorsägen- und Seilwinden-Lehrgänge, Beratungen für Maschineneinsätze, Fördermittel oder Pflanzen gemeinsam kaufen. Zudem bietet die FBG eine Funkseilwinde an.

Obschon sich Jakob "a paar mehr" Waldbauern gewünscht hätte, war er mit dem Interesse des kleinen Häufleins zufrieden. Nachfragen gab es zu den Angeboten der FBG. Wann sich die maschinelle Ernte lohnt, müsse von Fall zu Fall entschieden werden, sagte Kummert. Weitere Fragen waren: Welche Baumarten auf welchen Standorten gehören oder wie ein Wald mit "Zukunftsachse" aussehe, den Kummert proklamierte? Kriterien seien zum Beispiel die richtige Anlage von "Rückegassen" oder die Durchmischung von Laub- und Nadelholzanteilen. Zudem ginge es darum, wie Bäumen ausreichend Platz zum Entwickeln gegeben werden könne. Auf diese Art werde Stabilität gegen Sturm und auch den Käfer erreicht. Zu bedenken sei auch, dass die Fichte langfristig ein Verlierer des Klimawandels sei, prognostizierte der Förster.

Jakob möchte die FBG im Südkreis weiter bekannt machen, etwa mit Informationstagen und dem jährlich stattfindenden zentralen Waldtag. "Gemeinsam sind wir stark", warb der Erstetter für die FBG.

Info Kontakt zur der FBG AlbDonau-Ulm: Geschäftsführer Alwin Menz, Telefon 0731 - 38 26 14, E-Mail: alwin-menz@t-online.de

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