Vorfahrt für Fußgänger

Wie wird Erbach für Fußgänger und Radfahrer attraktiv, wohin mit den Autos? Damit befasst sich das Verkehrskonzept 2030. Nun sind die Erbacher gefragt: In Bürgerwerkstätten sollen sie das Konzept überprüfen.

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Erbacher Bürger haben am Mittwoch beim Infoabend in der Erlenbachhalle über die Pläne zum Verkehrskonzept 2030 diskutiert. In Bürgerwerkstätten sollen sie weiter geprüft werden.  Foto: 

"Verkehrskonzept 2030" - das deutet auf langfristige Veränderungen in Erbach hin. Damit möglichst viele Aspekte beachtet werden, sollen die Erbacher in Bürgerwerkstätten mitreden. 50 kamen zum Info-Abend am Mittwoch in die Erlenbachhalle. Bürgermeister Achim Gaus warnte davor, den großen Wurf schon bald zu erwarten. Vielmehr gehe es darum, die Situation nach und nach zu verbessern - im Hauptort und in den Teilorten.

Chefplaner Ulrich Noßwitz stellte vor, was Fachleute und der seit vergangenem Jahr eingeschaltete 30-köpfige "Projektbeirat" bislang ausgetüftelt haben - letzterem gehören unter anderem Vertreter von Schulen, Gemeinderat und Gewerbetreibende an. Ein Kernstück ist die Erlenbachstraße. Sie soll von parkenden Autos befreit werden. Damit gibt es Platz für zwei - je drei Meter breite - Gehwege, die auch von Radfahrern genutzt werden können. Von der acht Meter breiten Fahrbahn werden links und rechts 1,5 Meter als Schutzstreifen für schnelle Radfahrer ausgewiesen. Fahrzeuge können die Streifen befahren, sofern sie frei sind. Ein 20-Stundenkilometer-Bereich, wie er von der Ulmer Mitte her bekannt ist, soll das Queren der Straße beim Rathaus und bei den dortigen Geschäften erleichtern. Das Prinzip "schwächere Verkehrsteilnehmer stärken, den motorisierten Verkehr bremsen" werde auch an anderer Stelle verfolgt, etwa an der B 311. Weitere Punkte: Beseitigung von Gefahrenstellen, Barrierefreiheit, zentrale, gut zu Fuß erreichbare Parkplätze, Stärkung des innerstädtischen Busverkehrs. Ziel des Gemeinderats ist es, dass bis 2030 gleich viele Wege im "Umweltverbund" - mit Bus, Rad, zu Fuß - zurückgelegt werden wie mit dem Pkw. Das wäre eine Steigerung um 25 Prozent. Heute liegt Erbach klar unter dem Durchschnitt.

Um tiefgreifende Veränderungen vornehmen zu können, sei der Bau der Querspange B 311/B 30 enorm wichtig. Erst dann sei der Ort soweit entlastet, dass mehr für Fußgänger und Radfahrer getan werden kann, sagte Noßwitz. Dennoch könnten kleinere Maßnahmen kostengünstig und zeitnah umgesetzt werden, etwa der Abbau von Treppen oder mehr Licht in Fußwegen.

94 Maßnahmen haben die Planer zusammengetragen. Die Bürgerwerkstätten sollen diese prüfen und weitere Vorschläge machen. Bereits am Mittwoch prasselten Vorschläge auf Planer und Stadtverwaltung ein. Alois Rieder etwa forderte ein Parkdeck in der Innenstadt. Ein älterer Mann wünschte einen geschützten Bereich, um als Radler von der Ziegeleistraße in die Innenstadt und auf die B 311 zu kommen. Fahre man auf der Straße, hupten die Autos, nutze er den Gehweg, schimpften die Fußgänger. Donauriedener zweifelten an den Verkehrszahlen. Vor zwei Jahren hätten Planer mehr Autos in der Ortsdurchfahrt prognostiziert, nun weniger. Der Verkehr könne sich doch nicht in Luft auflösen. Die Diskussion wird in den Bürgerwerkstätten fortgeführt.

Diskussion auch im Internetforum möglich

Bürgerbeteiligung Drei Themen sind für die Bürgerwerkstätten vorgeschlagen: Radverkehr/Stadtmitte, ihre Erreichbarkeit/Erschließung und Möglichkeiten der Verkehrsentlastung sowie Fußgängerverkehr. Die erste Runde findet am 28. April ab 18.30 Uhr statt. Treffpunkt ist die Aula der Schillerschule. Die zweite Runde folgt am 12. Mai, 18.30 Uhr. 14 Tage später gibt es ein Protokoll für die Teilnehmer, am 27. Juli werden die Ergebnisse im Gemeinderat öffentlich vorgestellt. Anmeldung bis zum 22. April über ein Formblatt im Mitteilungsblatt oder die Homepage der Stadt Erbach www.erbach-donau.de.

Internetforum Auf der Homepage der Stadt Erbach ist parallel ein Internetforum eingerichtet, über das ebenfalls Vorschläge gemacht werden können. Diese werden anonymisiert und zur Diskussion gestellt. Außerdem können dort Gutachten, Pläne und weitere Unterlagen eingesehen werden.

 

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Kommentare

18.04.2015 18:35 Uhr

Fahrrad: auf der Straße ja, auf dem Gehweg nein!

Wenn der ältere Herr mit seinem Fahrrad auf dem Gehweg fährt, schimpfen die Fußgänger völlig zurecht. Da haben nämlich Fahrräder nichts zu suchen, wenn es nicht durch Schilder erlaubt wird. Dann fährt er also mit dem Rad ganz einfach auf der Straße. Autofahrer haben da überhaupt keinen Grund zu hupen. Im Deutschland von heute muss man also wohl leider den Autofahrern die Ohren lang ziehen und ihnen erklären, dass Fahrräder auf der Straße etwas ganz Normales sind.

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