Vor dem Wählen in den Rückspiegel schauen

|
Der Historiker und Autor Edgar Wolfrum.  Foto: 

Auf etwas mehr als 400 Seiten dem 20. Jahrhundert gerecht werden zu wollen, ist ein ambitioniertes Ziel. Der Heidelberger Professor für Zeitgeschichte Edgar Wolfrum hat es in seinem Buch „Die Welt im Zwiespalt“ dennoch versucht. Am Donnerstagabend hat er es in der Vortragsreihe „Besser wählen“ in Langenau vorgestellt.

Mit dem Gast und dessen Vortragsthema scheint Buchhändler Thomas Mahr, der die Reihe zusammen mit der Bibliothek Langenau, dem Initiativkreis 8. Mai und der vh Ulm organisiert hat, einen Nerv getroffen zu haben. Der Pfleghofsaal ist fast vollständig gefüllt. Auch Bürgermeister Daniel Salemi ist da und begrüßt den Historiker in einer kurzen Ansprache.

„Es tut mir leid, aber Langenau kommt in meines Buch leider nicht vor“, beginnt Wolfrum im Anschluss und erntet Lacher. Er versteht es, die anderthalb Stunden, die er spricht, spannend und anschaulich zu gestalten. Das 20. Jahrhundert sei einerseits eine Periode der Katastrophen gewesen. Zwei Weltkriege, der Holocaust und radikale politische Ideologien hätten insbesondere die erste Hälfte des Jahrhunderts in Finsternis getaucht. Allerdings sei das nur die halbe Geschichte. Im gleichen Zeitraum habe die Menschheit auch beispiellose Fortschritte gemacht. Noch nie zuvor etwa seien die Menschen so alt geworden, nie hätten zumindest so viele sicherer und besser gelebt. Die zwei Seiten, das ist Wolfrum wichtig, seien nicht klar voneinander zu trennen. Gegensätze und Widersprüche sind es dann auch, die er in den Mittelpunkt seines Vortrags stellt. So beschreibt er, wie Ende der 60er Jahre wegen einer Hungersnot in Nigeria tausende Menschen starben, während gleichzeitig im Westen die Firma Weight Watchers gegründet wurde.

Was das alles mit dem Thema „Besser wählen“ zu tun hätte, will eine Frau aus dem Publikum am Ende wissen. Wolfrum antwortet, indem er eine Brücke zwischen der Vergangenheit und den aus seiner Sicht wichtigsten Themen für die Zukunft und damit auch für die Wahl schlägt. Vor allem der Klimawandel werde wohl dramatische Konsequenzen nach sich ziehen. Außerdem fordert er, die demokratischen Errungenschaften, die in der Vergangenheit so mühsam erkämpft wurden, nicht als Selbstverständlichkeiten zu betrachten.

Der Historiker zeigt sich überzeugt, dass es möglich ist, von der Vergangenheit zu lernen, um die Zukunft positiv zu gestalten. „Bevor sie auf der Autobahn überholen, schauen Sie ja auch in den Rückspiegel.“

Info Am Sonntag um 17 Uhr und am Montag um 20 Uhr wird die Reihe mit den Journalisten Heribert Prantl und Justus Bender fortgesetzt – jeweils im Pfleghof. Info unter Tel. (07345) 211 84.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kuhberg: Was den Anwohner Sorge macht

30 Ulmer gehen mit dem Oberbürgermeister über den Unteren Kuhberg und sagen, was ihnen Sorgen macht. weiter lesen