Von Berlin nach Seißen

Am Samstag war ein ganz besonderer Tag für Margarete Gabriel. Im Kreise ihrer Familie feierte sie ihren 100. Geburtstag.

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Margarete Gabriel wird 100.  Foto: 

Ihr hohes Alter ist  Margarete  Gabriel kaum zu glauben. Ihr Rezept? „Ich lasse mich vom Zeitgeist nicht treiben“, erklärt die Hundertjährige. Sie lebt in Seißen, in der Nähe ihrer Schwiegertochter, neben Enkeln und Urenkeln. So weit es geht, versorgt sich Margarete  Gabriel noch selbst.

Am liebsten kocht sie Königsberger Klopse: „Ich bin nämlich eine Berlinerin.“ In Neukölln ist sie geboren und aufgewachsen. „Wir Kinder haben gerne Murmeln gespielt. Die Straße war unser Zuhause. Das Leben war ruhig und überschaubar – nicht so hektisch wie heute.“

Nach der Schulzeit lernte sie Schneiderin in einer großen Fabrik. „Ich habe alles selber genäht“, verrät die Jubilarin. Sogar ihr Brautkleid. 1938 heiratete sie ihren Ehemann Walter  Gabriel. Doch der zweite Weltkrieg trübte das junge Glück. Wie viele andere geriet Walter  Gabriel in russische Gefangenschaft. In Berlin schlug sich seine Frau mit dem zwischenzeitlich geborenen Sohn mehr schlecht als recht durch.

Fünf Jahre nach Kriegsende kehrte Walter  Gabriel heim. „Schön war diese Zeit“ schwärmt die Hundertjährige: „Berlin kam wieder auf die Beine.“

1961 wurde Walter  Gabriel beruflich zu Telefunken nach Ulm versetzt. Nicht gerade freundlich seien die Schwaben damals gewesen: „Am liebsten wäre ich schnurstracks wieder nach Hause.“ Doch dies sei lange vorbei. Die Familie bezog Mitte der 60er-Jahre eine Hochhauswohnung in Böfingen. „Das war das reinste Paradies: Wir hatten neue Fenster und eine Zentralheizung.“ Vierundsiebzig Jahre hielt die harmonische Ehe. 2009 holten die Enkelkinder die Großeltern nach Seißen. „Das war goldrichtig“, sagt  Margarete  Gabriel.

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