Tag der Architektur: Vom Charme alter Häuser

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Daniel Gruber hat am Tag der Architektur seine gerade sanierte alte Hofstelle in Merklingen gezeigt. Die Sanierung des alten Gebäudes ist prämiert worden.  Foto: 

Eine gekieste Dusche oder lieber Staketenzäune aus französischer Kastanie? Am Tag der Architektur konnte man sanierte Gebäude sehen, die künftige Bauherren nachdrücklich faszinierten. Es war vor allem der Umgang mit altem Bestand und pfiffige Detaillösungen, die den Teilnehmern einer Exkursion von Blaubeuren bis Merklingen im Gedächtnis blieben.

Susanna Maksimczuk, die stellvertretende Vorsitzende der Architekten-Kammergruppe Ulm/Alb-Donau, ging mit rund 35 Leuten auf Bustour. Die Fans am Tag der Architektur waren bis aus Ludwigsburg und Stuttgart auf die Alb gekommen, etwa weil sie erwägen, ein altes Bauernhaus zu kaufen und zu modernisieren. Bei Andrea Toll und Stefan Rawe in der Berghüler Kirchstraße 36 bekam man ganz praktischen Anschauungsunterricht. Das Paar hat Berghülens ältestes Bauernhaus 2011 für 110.00 Euro in einem erbarmungswürdigen Zustand gekauft und jede Menge Herzblut, zusätzliche 170.000 Euro und viel Arbeit hinein gesteckt. „Ich komme auf 1000 Arbeitsstunden, meine Frau auf 300“, sagte Stefan Rawe. „Es gab hier kein Wasser, kein Strom und keine Heizung“, berichtet der Bauherr, der beim 2016 vergebenen Sanierungspreis „Vorbildliche Innenentwicklung“ einer der fünf Teilnehmer mit einer Auszeichnung war – und 1500 Euro Preisgeld erhielt.

Die Exkursion begann in Blaubeuren, wo man am Kleinen Großen Haus ein viel beschriebenes bauhistorisches Juwel erkunden konnte. Im Spital erstaunte das versteckte Innenleben mit Tresorräumen, Klimatisierung und den Alarmkreisen. Anders als die Blaubeurer Gebäude ist das alte Berghüler Bauernhaus nun ein privates Wohnhaus und muss als Lebensraum nützlich sein.

Die Bauherren, ein gelernter Kaufmann und eine Journalistin hatten keinen Architekten, „aber jede Menge Beratung“. Stefan Rawes Vater ist Maurer. Aber auch der staunte über Ziegel, in die man zwar hinein bohren konnte, „die dann aber auseinander brechen“, erzählte Stefan Rawe. Die Tücken des Objekts lauerten an jeder Ecke und lauern dort immer noch. Aber: „Wie hier das Alte hervorgehoben und mit Neuem verbunden wird, ist wirklich beeindruckend“, meinte Simone Lehmann aus Ludwigsburg, die etwa über die Dusche mit den Bodenkieseln staunte. Der innen liegende Balkon, ein Überbleibsel des Vorgängers, wurde integriert. „Das ist mein Abbittebalkon“, sagte Rawe schmunzelnd. Man kann damit auch Romeo und Julia nachspielen.

In Merklingen konnte die Exkursion die ehemalige Hofstelle des Arzt-Ehepaars Daniel Guber und Renate Fuchs anschauen. „Hier ist nichts von der Stange“, meinten die Architektin Susanna Maksimczuk und der Bauherr. Das klassische Bauernhaus mit Stall, Getreidespeicher, Milchkammer, Dämpferküche für die Kartoffeln und Scheune wurde zum Dreigenerationenhaus umgebaut.

Veränderungen an den zu steilen Treppen waren ebenso nötig wie der Rückbau des Getreide­speichers. Neben dem Beruf als Anästhesist hat Daniel Guber den Bauschutt abtransportiert und Gebälk abgeschliffen. Außerdem mussten Renate Fuchs alter Vater betreut und die beiden kleinen Kinder versorgt werden. „Ich hatte mir ein Buch über Sanierung gekauft, in dem stand ganz vorne: ‚Wer Geld hat und ist saudumm, der kauft ein altes Haus und baut es um‘“,  erzählte Daniel Guber. Wer durchhält, wird jedoch belohnt. Auch das war eine Erkenntnis der Exkursion.

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