Werner Hauf betreibt ein privates Radiomuseum

Über den Inhalt von Röhrenradios hat sich Werner Hauf erstmals in seiner Kinderzeit hergemacht. Heute betreibt er in Staig ein privates Radiomuseum.

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  • Über zwei Etagen türmen sich im Museum von Werner Hauf in Staig die Radios. Angefangen hat die Sammlung mit dem Gerät in seiner rechten Hand: einem Gloria Lumophon. 1/2
    Über zwei Etagen türmen sich im Museum von Werner Hauf in Staig die Radios. Angefangen hat die Sammlung mit dem Gerät in seiner rechten Hand: einem Gloria Lumophon. Foto: 
  • Ein Ingelen „Geographic“ aus dem Jahr 1937.  
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    Ein Ingelen „Geographic“ aus dem Jahr 1937.   Foto: 
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Über den Inhalt von Röhrenradios hat sich Werner Hauf erstmals in seiner Kinderzeit hergemacht. Der Vater des heute 70-Jährigen verkaufte in seinem Geschäft für Musikalienhandel in Staig auch Radios. Ältere Geräte wurden in Zahlung genommen, die kaputten Hauf und seinem Bruder zum Ausschlachten überlassen. Mit einem lachenden und weinenden Auge erinnert er sich an das Zerschlagen von Röhren. „Das hat herrlich gebätscht“, sagt Hauf. Auf der anderen Seite wurmt ihn der sorglose Umgang: „Das wären heute wertvolle Sammlerstücke.“

Als Halbstarker hatte er andere Dinge im Kopf, als sich mit betagter Technik zu befassen. Bis ihm der Opa seiner Frau ein „Gloria Lumophon“ schenkte. Die alte Liebe erwachte. Hauf durchkämmte die Flohmärkte. „Es war noch die gute Zeit der Märkte. Wer suchte, der wurde fündig. Und ich nahm, was zu haben war“, sagt der gelernte Elektromechaniker. In den 90er Jahren war das Dachgeschoss seines Hauses bis in den letzten Winkel zugestellt. Mannshoch stapelten sich Grundigs, Nordmendes, Empfänger von Telefunken, Schaub, Neckermann und anderer Markennamen, die heute kaum noch jemand mit Unterhaltungselektronik in Verbindung bringt. „Ich wusste kaum noch, was ich habe“, erinnert sich der Rentner. Er stand vor der Wahl: „Alles weg oder etwas bauen.“ Zusammen mit seiner Frau entschloss er sich, in den Garten in Staig-Harthausen einen Pavillon zu bauen: achteckig, massiv, beheizt, zwei Etagen.

Satter Stereoklang

Erstmals versuchte Hauf, ein System in seine Sammlung zu bringen. Er entschied sich für Saba. Radios von der „Schwarzwälder-Apparate-Bau-Anstalt“ August Schwer & Söhne hatte er am meisten, aber ihn faszinierte auch die Technik der Badener. „Saba war nie der größte Hersteller, legte aber immer Wert auf die beste Technik“, sagt der Sammler. Eins seiner Lieblingsgeräte ist der „Freiburg 125“. Das 1960 vorgestellte Radio brillierte mit Motor betriebenem automatischem Sendersuchlauf, selbstregulierender Feinabstimmung, fünf Lautsprechern für satten Stereoklang und Fernbedienung per Kabel. „So etwas konnte sich nicht jeder ins Wohnzimmer stellen“, sagt Hauf. Überhaupt schwört er auf Röhren. Ein damit bestücktes Radio sei einer gängigen digitalen Anlage haushoch überlegen: „Voller Hörgenuss in tiefen wie in hohen Tönen – auch wenn es auf leise gestellt ist“, erklärt der Kenner. Allerdings müsse jedes Gerät erst einmal restauriert werden: für einen sauberen Empfang, und nicht zuletzt auch, um   Brandgefahr zu verhindern. Betagte Röhren neigten zum Durchbrennen. Nachschub fehle nie, wenn auch Röhren in aller Regel nicht mehr hergestellt werden. Fündig wird man etwa in der „Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens“ (GFGF). Oder beim regionalen „Radio-Stammtisch“

Teures Design

Bis auf wenige Ausnahmen ist es Hauf gelungen, die Saba-Produktion zu komplettieren. Unter dem ihm verbliebenen „Rest“ von 1300 Geräten – beim Umzug ins Museum hat er rigoros aussortiert – finden sich aber auch eine Menge anderer Produkte. Zum Beispiel darf der „Volksempfänger“ nicht fehlen, es gibt darunter einst beliebte Eigenbausätze, Kofferradios, spaßig von ihm „Henkelware“ genannt, und der „Schneewittchensarg“, eine Kombination aus Plattenspieler und Radio: „Bescheidene Technik von Braun, sündhaft teures Design von der Ulmer Hochschule für Gestaltung.“ Eine seiner jüngsten Errungenschaften ist ein „Atwater Kent Modell 33“. Das 1926 in den USA hergestellte Gerät war batteriebetrieben und benötigte einen externen Lautsprecher. Hauf greift aber auch bei Nicht-Radios zu, wie etwa bei einem Laserdisk-Gerät von Pioneer. Es wurde 1978 vorgestellt. Die günstigere und praktikablere Video-Kassette verdrängte es kurze Zeit später.

Im Hauf’schen Museum finden sich noch viele solcher Besonderheiten. Bei einer Führung kann man sie nicht nur bestaunen: Der Besitzer lässt sie mit seinem unerschöpflichen Wissensschatz gewissermaßen lebendig werden. „Mir ist jeder willkommen, der sich für diese bis heute so bestimmende Technik interessiert. Ein bisschen Zeit sollte er sich aber schon mitbringen“, sagt Hauf.

Museum Geöffnet wird das Radiomuseum nur nach Absprache: Tel. (07346) 28 00. Ausgestellt sind unter anderem Stücke wie der Ingelen „Geographic“ von 1937. Der österreichische Empfänger zeigt mittels Leuchtpunkt in der Landkartenskala, wo sich der eingestellte Sender befindet.

Treffen Der Radio­stammtisch, „ein Treffen ohne Zwang“, findet jeden 3. Freitag im Monat statt: 19 Uhr, Sportgaststätte Wiblingen.

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