Videospiele: Förderpreis für Leonie Wolf aus Weidenstetten

Leonie Wolf aus Weidenstetten studiert in Köln Game Design, entwickelt Computerspiele. Für ihre Arbeit ist sie schon jetzt ausgezeichnet worden.

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  • Leonie Wolf aus Weidenstetten studiert Game Design an der TH in Köln. 1/2
    Leonie Wolf aus Weidenstetten studiert Game Design an der TH in Köln. Foto: 
  • So sieht die Welt im Spiel „Kyklos Code“ aus, das Leonie Wolf (Artist) mit Jonas Delleske (Programmierung/Design) und Josefine Maier (Artist) im Praxissemester entwickelt hat. Der Spieler muss in einem Programm Rätsel lösen und so ein Virus besiegen.  2/2
    So sieht die Welt im Spiel „Kyklos Code“ aus, das Leonie Wolf (Artist) mit Jonas Delleske (Programmierung/Design) und Josefine Maier (Artist) im Praxissemester entwickelt hat. Der Spieler muss in einem Programm Rätsel lösen und so ein Virus besiegen. Foto: 
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Der Auftrag lautete auf Weltraum-Mafia, es blieben 48 Stunden Zeit, und die fünf Entwickler waren über Webcams ständig unter Beobachtung des Publikums. Im Mai entstand so schließlich ein Computerspiel. Kunst.

Was zunächst ein wenig durchgeknallt klingt, war für Leonie Wolf eine Gelegenheit, sich einmal mehr auszuprobieren: Game Jam nennen sich solche Veranstaltungen, die an Poetry- oder Science-Slams erinnern. Nur dass eben keine Texte oder wissenschaftliche Fakten zu hören sind, sondern Videospiele entstehen. „Es geht darum, den kurzen, krea­tiven Funken zu nutzen. Zu schauen, was dabei herauskommt. Und Spaß zu haben“, sagt die Studentin für Game Design.

Die junge Frau aus Weidenstetten ist mit Videospielen aufgewachsen. Als sie noch zur Grundschule ging, hat sie zuhause erstmals Zelda an der Konsole ihrer beiden älteren Brüder gespielt. „Ich fand das als Mädchen spannender als einen Film zu schauen.“ Sie war fasziniert, einen Helden zu verkörpern, Landschaften zu erkunden, darin zu kämpfen und mit der Umgebung zu interagieren. „Ich habe mich sofort verliebt in diese Welt.“

Abseits von Konsole oder PC griff sie zum Block, zeichnete vor allem Menschen. Am Anna-Essinger-Gymnasium in Ulm setzte sie sich mit dem Surrealismus auseinander, fand Gefallen an Salvador Dalís Werken, schrieb ihr Abitur im Fach Kunst.

In München fing die heute 24-Jährige danach an, Japanologie und Jura zu studieren. „Es war das Erste, was ich nach der Schule machen wollte.“ Doch es fühlte sich nicht richtig an, die Studiengänge waren ihr zu trocken. „Und als kreativer Mensch ist das ungünstig.“

Über eine Anzeige in einem Computerspiele-Magazin wurde sie schließlich auf das Cologne Game Lab der TH Köln aufmerksam, studiert dort nun im siebten Semester. Es war die Gelegenheit, aus ihren Hobbys eine berufliche Perspektive zu schaffen.

Bald steht ihre Bachelor-Arbeit an, in den vergangenen Semestern hat sie bereits mehrere Spiele als Game Artist mitentwickelt. Während sie Grafiken, Texturen und Animationen in 2D und 3D erstellt – die optischen Bausteine eines Spiels – kümmern sich Kommilitonen, die den Schwerpunkt Game Designer gewählt haben, um die Regeln und die Mechanik. Game Programer schreiben den Quellcode.

In „Kyklos Code“ tritt der Spieler in einem Programm gegen ein Computer-Virus an, das er mit dem Lösen von Rätseln besiegen muss. In „Love, Mummy and Daddy“ verkörpert der Spieler einen Jungen, der seine verschollenen Eltern nur über deren Postkarten kennt und sich in seiner Vorstellung per Flugzeug auf deren Spuren begibt. Und in „Oneironaut“ – einem Virtual-Reality-Spiel, das eine 3D-Brille erfordert – taucht man ein in die Traumlandschaft eines Koma-Patienten.

Ernste Themen und Computerspiele sind für Leonie Wolf nichts, was sich ausschließt. Es müssen nicht stets schöne Gedanken oder Spaß vermittelt werden. „Videospiele haben sehr oft eine tiefe Bedeutung“ – für sie das Faszinierende. Surrealismus stehe auch nicht unbedingt für Fröhlichkeit. „Vor so manchem Bild kann man ja durchaus erschrecken.“

Mit den drei Spielen hat sich die Weidenstetterin für den Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen beworben. Gestern hat sie den mit 5000 Euro dotierten Förderpreis erhalten (siehe Info), will mit dem Geld Lizenzen für Programme zur Spiele-Entwicklung kaufen.

Inspiration und Normalität

Die 24-Jährige wünscht sich, dass die Auszeichnung viele Frauen inspiriert, eine Karriere in der Branche anzustreben. Sie selbst fühlt sich als Frau nicht unterrepräsentiert, stört sich eher daran, in Gesprächen meist als erstes nach diesem Aspekt gefragt zu werden. „Damit etwas normal wird, muss es auch irgendwann als etwas Normales behandelt werden und nicht immer nur als ein Sonderfall.“ Dennoch gebe es noch immer eine Benachteiligung, häufig beim Gehalt.

Nach ihrem Abschluss steht vielleicht der Master an, aber eigentlich will sie das Gelernte anwenden. Mitte Dezember erscheint Kyklos Code, das über den Prototyp-Status hinausgekommen ist, auf der Verkaufsplattform Steam. Ein erster Schritt ins Berufsleben. Spielstart.

Weltraum-Mafia-Spiel „MafiaBallernFliegen“.

Auszeichnung Das Land Nordrhein-Westfalen verleiht seit 1996 den Künstlerinnenpreis an Frauen für „heraus­ragende künstlerische Leistungen“, um die öffentliche Präsenz weiblicher „Role Models“ in verschiedenen Kunstsparten zu stärken – dieses Jahr erstmals im Bereich Game Design. Den mit 10 000 Euro dotierten Hauptpreis erhält die in den USA geborene Künstlerin Aureia Harvey, Leonie Wolf aus Weidenstetten bekommt den Förderpreis. Die Jury würdigt die 24-Jährige dafür, Spieler zu überraschen und sie mit ungewöhnlichen Situationen zu konfrontieren.

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