Versorgungszentren nur dort, wo sie notwendig und sinnvoll sind

Medizinische Versorgungszentren sollen die medizinische Versorgung vor allem in ländlichen Gebieten sicherstellen. Die beiden Einrichtungen im Alb-Donau-Kreis sind noch defizitär.

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Auf dem Land haben Patienten mitunter weite Wege zur nächsten Praxis. Nun werden Medizinische Versorgungszentren aufgebaut, in denen in der Regel mehrere Ärzte angestellt sind.  Foto: 

Die Idee hinter medizinischen Versorgungszentren, kurz MVZ, ist eine möglichst breite medizinische Versorgung – vor allem und gerade auch in ländlichen Gebieten. Denn immer weniger junge Ärzte sind bereit, sich auf dem Land niederzulassen, scheuen das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Praxis. Daher finden auch in der Region viele niedergelassenen Ärzte keinen Nachfolger für ihre Praxen. In der Folge müssen Patienten immer weitere Wege in Kauf nehmen, um etwa zum Hausarzt zu kommen.

Um dem entgegenzuwirken, hat das Bundesministerium für Gesundheit Medizinische Versorgungszentren „als Leistungserbringer in der vertragsärztlichen Versorgung“ gesetzlich geregelt. Unter anderem wurde sichergestellt, dass nur solche Träger ein MVZ gründen dürfen, die garantieren, dass medizinische Entscheidungen nicht von Gewinnmaximierung beeinflusst werden, zum Beispiel Vertragsärzte, Krankenhäuser, bestimmte gemeinnützige Organisationen.

Ehingen beginnt Ende 2018

Im Alb-Donau-Kreis und seinen politischen Gremien ist Konsens, dass im großteils ländlich strukturierten Kreisgebiet eine möglichst breite, wohnortnahe medizinische Versorgung gewährleistet werden soll – sowohl stationär als auch ambulant: Die kreiseigene ADK GmbH für Gesundheit und Soziales hat daher 2013 in Munderkingen und 2014 in Langenau solche MVZ in Betrieb genommen, in Ehingen soll dies Ende 2018 der Fall sein. Dort arbeiten angestellte Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen. Nach Angaben der ADK GmbH sind es in Langenau vier Hausärzte, zwei Frauenärzte und ein Anästhesist, in Munderkingen zwei Hausärzte, ein Frauenarzt und ein Urologe, hinzu kommt ein weiterer Allgemeinmediziner in einer Zweigpraxis im Ehinger Stadtteil Granheim.

„Verluste sind ein Problem“

Kostendeckend arbeiten diese Medizinischen Versorgungszentren nicht. Wie der Grünen-Kreisrat Pius Kneer vor einiger Zeit in einer Kreistagssitzung monierte, hat das MVZ Langenau im Jahr 2016 ein Minus von 147.000 Euro eingefahren, das in Munderkingen 117.000 Euro. „Ärzte, die eine eigene Praxis betreiben, arbeiten doch auch kostendeckend und verdienen was dabei, sonst würden sie es ja nicht machen“, sagte Kneer. Er verstehe daher nicht, warum die Zentren, die ähnlich einer Gemeinschaftspraxis organisiert sind, solche Defizite erwirtschaften. „Die hohen Verluste sind ein Problem.“

Dem konnte Wolfgang Schneider, Geschäftsführer der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales, nicht widersprechen. Er betonte auf Nachfrage, dass die Medizinischen Versorgungszentren eigenständige Gesellschaften sind, ihre Defizite daher nicht in das Ergebnis der Krankenhaus GmbH einfließen. Diese ist, wie mehrfach berichtet, das Sorgenkind der ADK GmbH, erwirtschaftet mit den drei Krankenhäuser dieses und kommendes Jahr jeweils ein Defizit von rund 4,5 Millionen Euro.

Grund für die Defizite der MVZ sind nach Angaben von Schneider vor allem die hohen Personalkosten, sowohl für die angestellten Ärzte als auch das medizinischen Fachpersonal. Daran arbeite man: „Wir sind hier zur Zeit in einem Anpassungsprozess“. Klar sei, dass die Zentren kostendeckend arbeiten müssen. Laut dem Wirtschaftsplan der ADK GmbH soll das in Munderkingen im kommenden Jahr der Fall sein, für Langenau stehen dann noch immer knapp 150.000 Euro Minus im Plan, 2019 soll dort die schwarze Null erreicht sein.

Medizin wird immer weiblicher

In den Haushaltsberatungen im Kreistag stellte der ADK-Geschäftsführer auf Nachfrage aus dem Gremium klar, dass der Aufbau weiterer Medizinischer Versorgungszentren im Kreis nur dann in Betracht komme, „wenn es wirtschaftlich darstellbar ist“. Hauptproblem sei, geeignete Ärzte zu finden, „Denn sie sind ja auch die Ursache, warum die MVZ überhaupt notwendig werden.“ Medizin werde immer weiblicher, und für Frauen – aber durchaus auch für immer mehr Männer – sei wichtig, in Teilzeit arbeiten zu können, und „ohne wirtschaftliches Risiko“. Man müsse nun beobachten, wie sich die Situation bei den niedergelassenen Ärzten in der Region entwickelt. Dann könne man sehen, „wo ein MVZ notwendig und sinnvoll ist“.

Zwei MVZ im Kreis Neu-Ulm

Auch im Landkreis Neu-Ulm gibt es zwei MVZ: an der Donauklinik in Neu-Ulm, wo unter dem Namen „Frauenärzte am Donauufer“ drei angestellte Frauenärzte arbeiten. Und an der Stiftungsklinik in Weißenhorn mit den Fachrichtungen Innere Medizin, Chirurgie und Onkologie. Zu dem MVZ gehören auch zwei Filialen: eine internistische in Vöhringen und eine chirurgische in Illertissen. Weitere Informationen dazu waren von der Kreisspitalstiftung Weißenhorn nicht zu erhalten, lediglich so viel: „Zu den  wirtschaftlichen Ergebnissen unserer MVZ-Praxen möchten wir gegenüber der Presse keine Auskünfte geben.“

Sonderfall Über etliche Jahre war das jetzige Zentrum für Medizin, Pflege und Soziales in Laichingen das Sorgenkind der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales. Sie hatte Pflegeheim und Krankenhaus im Jahr 2009 vom Ortskrankenpflegeverein Laichingen übernommen und Stück für Stück umgebaut und das Defizit, das zu Anfangszeiten knapp eine Million Euro betrug, abgebaut. Das Zentrum ist kein Medizinisches Versorgungszentrum, wie Geschäftsführer Wolfgang Schneider betont. Vielmehr seien die Arztpraxen vermietet, das ambulante OP-Zentrum wird von Blaubeuren aus betreut, das Pflegeheim von der Pflegeheim GmbH. Buchhalterisch werden die verschiedenen Bereiche laut Schneider getrennt abgerechnet. In der Summe sei der Standort Laichingen nicht mehr defizitär.

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