Verschärfte Konkurrenz für SWU - Neues Gaswerk geplant

Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm halten an den Plänen für ein Gaskraftwerk in Leipheim fest. Dabei tun sich jetzt der RWE-Konzern und ein Schweizer Kraftwerksentwickler zusammen - in Gundelfingen.

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So könnte das Gas- und Dampf-Kraftwerk der SWU in Leipheim aussehen. Die Schornsteine der Kesselhäuser (links) sind bis zu 80 Meter hoch.  Foto: 

„Neue Gaskraftwerke in Bayern jetzt möglich.“ Dieser Satz stammt aus einer langen Erklärung der bayerischen Staatsregierung zum Energiegipfel, der jüngst im Kanzleramt stattgefunden hat. In der Lesart der CSU hat Ministerpräsident Horst Seehofer dabei sämtliche „Monstertrassen“, also lange Stromleitungen mit besonders hohen Masten, in den Freistaat verhindert. Und: „Zusätzlich wurden die Voraussetzungen für Investitionen in den Neubau von Gaskraftwerken in Bayern geschaffen.“ Diese sollen nach dem Ende der Atomkraft-Ära immer dann anspringen, wenn Photovoltaik und Windkraft nicht genügend Strom liefern. Ein derartiges Reservekraftwerk wollen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) auf dem ehemaligen Fliegerhorst Leipheim verwirklichen.

Solche Pläne schmiedet auch die Schweizer Firma PQ Energy, die in Gundelfingen bauen will. Und auch der RWE-Konzern kann sich neben dem Kernkraftwerk Gundremmingen, das Ende 2021 komplett vom Netz gehen wird, eine solche Anlage vorstellen. Bislang aber hieß es von den genannten Unternehmen: Unter den derzeitigen Bedingungen sind solche Reservekraftwerke nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Hat sich aus der Sicht der drei Konkurrenten die Lage nach dem Energiegipfel nun wirklich geändert? Nein, sagt Sebastian Koch von den SWU: „Das geplante Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Leipheim ist nach wie vor nicht wirtschaftlich zu betreiben.“ Dafür müsste ein „Kapazitätsmarkt“ gegründet werden. „Vorerst kann daher keine Bauentscheidung getroffen werden.“

Wie sich das „Energiepaket der Bundesregierung im Detail auf die Marktbedingungen für Gaskraftwerke auswirkt, wird sich zeigen, wenn die Einzelheiten geklärt sind“, sagt Jan Peter Cirkel von der RWE Power AG. Dominique Candrian, Geschäftsführer von PQ Energy, ist optimistischer: „Die Voraussetzungen sind besser geworden“, meint er. Denn die Politik habe basierend auf Berechnungen der Bundesnetzagentur jetzt erstmals festgestellt, dass zu Beginn der 2020er Jahre in Süddeutschland 2000 Megawatt an flexibler Kraftwerksleistung benötigt werden. „Um in Stress-Situationen als Reserve zu dienen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“ Candrian erwartet, dass dieser Bedarf noch im ersten Quartal 2016 als Gesetz formuliert wird.

Sollte es dazu kommen, dann habe das SWU-Projekt gute Chancen, macht Sprecher Koch deutlich. „Im Vergleich zu diversen Konkurrenzprojekten haben sich die SWU den mit Abstand besten Standort gesichert. Gas-, Kühlwasser- und Stromanbindung sind in unmittelbarer Nähe vorhanden. Das Kraftwerksprojekt besitzt eine breite Akzeptanz bei den ansässigen Bürgern und in der Lokalpolitik.“ Außerdem seien die SWU mit der Planung am weitesten.

Dominique Candrian ist da ganz anderer Meinung: „Ich denke, wir haben deutliche Vorteile. Etwa die kurze Anbindung an die Umspannstationen.“ Diese werden derzeit vom Atomkraftwerk Gundremmingen genutzt, das sich in unmittelbarer Nähe befindet. Im AKW gebe es zudem Fachkräfte und eine Infrastruktur, die dem Projekt zuträglich sein könnten, beispielsweise eine Feuerwehr. Außerdem sei das Projekt von PQ Energy im Netzentwicklungsplan für die Gaskapazität aufgenommen worden, sagt der Geschäftsführer. Im Übrigen sei das hervorragend ans Straßennetz angebundene Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes Leipheim, wo die SWU bauen wollen, zu „werthaltig“ für ein Kraftwerk: Der Flächenverbrauch sei ja groß, es entstünden aber nur wenige Arbeitsplätze.

Die Schweizer verspüren auch deshalb Aufwind, weil ihr Vorhaben nicht nur von der Stadt Gundelfingen und der Nachbarkommune Lauingen (beide Kreis Dillingen) unterstützt wird. Auch die Gemeinde Gundremmingen (Kreis Günzburg) unterstützt das Projekt. So soll ein „interkommunales Energiedreieck“ entstehen. Geplant ist, dass RWE bei dem PQ-Energy-Projekt auf Gundelfinger Markung einsteigt und sich an dem Reservekraftwerk beteiligt. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagt RWE-Sprecher Cirkel. Jedenfalls lässt er durchblicken, dass RWE das eigene Vorhaben derzeit mit weniger Nachdruck verfolgt. Aufgegeben ist es aber keineswegs. Laut dem Gundremminger Bürgermeister Tobias Bühler ist daran gedacht, langfristig ein Gas- und Dampfkraftwerk zu errichten, das nicht als Reservekraftwerk dient, sondern mithilft die Grundlast abzusichern. Aus diesem Grund laufen zur Zeit zwei Bebauungsplanverfahren für Gaskraftwerke in unmittelbarer Nachbarschaft.

Trotz der verschärften Konkurrenz sieht Sebastian Koch die Stadtwerke vorne: „Die SWU werden das Projekt bis zur Baureife weiterentwickeln und können dann umgehend mit dem Bau beginnen, sobald sich die Marktbedingungen zu Gunsten des Projekts verändern.“

Verhandlungen für Projektierungsgesellschaft laufen

Zusammenarbeit Um das Gaskraftwerk in Leipheim zu realisieren, wollen die SWU eine Projektierungsgesellschaft gründen. Die Verhandlungen mit möglichen Partnern seien bereits fortgeschritten, heißt es. Mehrere mittelständische Unternehmen in öffentlicher Hand sowie ein Anlagenbauer hätten Interesse bekundet. Die Stadtwerke wollen zehn Prozent der Anteile halten, zusammen sollen die öffentlichen Partner das Sagen haben. Für das 18,5 Hektar große Gelände in Leipheim haben sich die Stadtwerke eine Kaufoption gesichert. Die Kosten der ersten Ausbaustufe – noch ohne Dampfturbine und mit einer Leistung von 600 Megawatt – werden auf 250 bis 400 Millionen Euro geschätzt. PQ Energy kann bereits eine Finanzierung vorweisen: Die benötigten 600 Millionen Euro für die 1200-Megawatt-Anlage in Gundelfingen wird die US-amerikanische Investmentgesellschaft Blackstone aufbringen.

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Kommentare

14.07.2015 10:32 Uhr

Große Akzeptanz?

http://kaernten.orf.at/news/stories/2529170/
Im hier velinkten Artikel steht, dass in Klagenfurt so ein Projekt gestoppt wurde, weil ein Gutachten ergab, dass solch ein Projekt für nebelanfällige Regionen nicht geeignet sei. Mal sehen, wann die Bürger in Leipheim/Günzburg endlich aufwachen.

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