Verkehr: Reaktionen auf Neubewertungen im Alb-Donau-Kreis

Die Hochstufung der B28-Umfahrung Blaubeuren-Gerhausen und der B10-Umfahrung Amstetten im Bundesverkehrswegeplan ruft im Kreis gemischte Reaktionen hervor.

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Der Verkehr fließt in Blaubeuren-Gerhausen durch den Ort, nun scheint eine Ortsumgehung zumindest ein wenig wahrscheinlicher.  Foto: 

Das Bundesverkehrsministerium in Berlin hält sich mit Auskünften zu Projekt-Neubewertungen im Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) zurück. Aktuell könne man sich zu einzelnen Projekten nicht äußern, antwortete das Ministerium auf eine Anfrage unserer Zeitung. Der Entwurf des BVWP, der künftige Verkehrsprojekte priorisiert, war im März veröffentlicht worden, ging anschließend in die Öffentlichkeitsbeteiligung und in die Abstimmung mit Ländern und Verbänden. Der Bundestag wird den Plan voraussichtlich Ende des Jahres beschließen.

Am Freitag wurde bekannt, dass die B-10-Umgehung Amstetten und die B-28-Umgehung Blaubeuren-Gerhausen im BVWP nachträglich hochgestuft worden sind. Amstetten befindet sich nun im „vordringlichen Bedarf“, Blaubeuren im „weiteren Bedarf mit Planungsrecht“ und nicht, wie irrtümlich berichtet, im vordringlichen Bedarf. Die Umfahrung kann damit weiter geplant werden, sollte sie realisiert werden, könnte Blaubeuren dem Land, dem das Baurecht obliegt, Pläne vorlegen. Allerdings gilt es gemeinhin als unwahrscheinlich, dass Projekte im weiteren Bedarf tatsächlich gebaut werden.

Laut der CDU-Bundestagsabgeordneten Ronja Schmitt habe man deutlich machen können, dass in den beiden Kommunen  „viele Menschen unter der großen Verkehrsbelastung leiden“. SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis sieht in dem bisherigen Entwurf „einen guten Aufschlag für die Region“.

Weitere Reaktionen in der Region sind gemischt. Eine Stellungnahme aus dem Rathaus Amstetten steht aus, Bürgermeister Jochen Grothe war wegen Krankheit nicht erreichbar. Im Nachbarort Lonsee, der mit der B-10-Umfahrung von Urspring schon im März im vordringlichen Bedarf gelandet war, freut man sich für die Amstetter, sieht die Entwicklung aber mit gemischten Gefühlen. Derzeit gebe es viele Verkehrsprojekte, die nachrückten, sagt Bürgermeister Jochen Ogger, das sorge ihn. „Wir gönnen es jedem, der da reinkommt.“ Aber je mehr Projekte im vordringlichen Bedarf seien, desto kleiner werde der Kreis jener, die umgesetzt werden.

Ein Sprecher des für die Umfahrungs-Planung zuständigen  Regierungspräsidiums Tübingen erklärte, man werde „mit der Planung erst beginnen, wenn  der neue BVWP in Gesetzesform gegossen ist“. Also wohl Ende 2016. Spannend wird, ob beide Umfahrungen, die von Urspring und Amstetten, tatsächlich im vordringlichen Bedarf landen.

Seit der unterschiedlichen Einstufung des Projekts im BVWP hat die Gemeinde Lonsee sich für eine Westumfahrung auf Urspringer Gemarkung stark gemacht. Die Amstetter wiederum haben nach dem Rückschlag den großen Sprung gewagt und sich für eine Untertunnelung der bestehenden B 10 ausgesprochen. Das RP wollte die Pläne nicht kommentieren.

Auch Blaubeuren sieht Vorteile in der Hochstufung. Für Bürgermeister Jörg Seibold ist das ein großer Fortschritt, „soweit waren wir noch nie“. Seiner Ansicht nach hat die Ortsdurchfahrung drei neuralgische Punkte: die Abzweigung nach Beiningen; die enge Kure am Gasthaus Krone, wo keine zwei Lkw aneinander vorbei kämen; und schließlich die Kreuzung mit dem Donauradweg. „Die Straße funktioniert so nicht.“ Die neue Einstufung sei toll, „jetzt ist aber auch die Erwartung da, dass eine Planung kommt“.

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Kommentare

20.07.2016 23:19 Uhr

Und wer hats durchgeboxt?

Es ist das Engagement von Hilde Mattheis (SPD) für unsere Region, die geschafft hat, was seit Jahrzehnten von der Stuttgarter CDU nur mit warmen Worten am hiesigen Stammtisch unterstützt wurde.
Hier sieht man, wie eine Bundestagsabgeordnete in Berlin zu Überzeugen versteht, auch in ihrer Rolle als Teil des Juniorpartners in einer Großen Koalition. Denn wo ein politischer Wille ist, findet sich auch eine Möglichkeit zur Umsetzung.
Was könnte die SPD, was könnte Hilde Mattheis, in unserer Heimat hier in und um Ulm, auf der Alb und im Donautal, nicht noch zusätzlich erreichen, wenn mehr Wähler und Wählerinnen vor allem nach dem Engagement, der Umsetzung von Wahlaussagen und dem klaren und transparenten Abstimmverhalten einer Abgeordneten urteilen würden und schlussendlich ihre Entscheidungen auf dieser Basis treffen würden?
Wenn eine überzeugende Persönlichkeit, eine hervorragende Leistungsbilanz und verlässliche Charaktereigenschaften wieder mehr zählen würden, als nur das Parteibuch!

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