Unseriöse Werbeanrufe: Stromanbieter raten zur Vorsicht

In der Strombranche wird mit harten Bandagen gekämpft. Manchmal auch mit unlauteren, wie aktuelle Fälle aus dem Raum Langenau zeigen.

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Für reichlich Irritationen haben unseriöse Werbeanrufer in den vergangenen Tagen in Langenau gesorgt. Bürger sollten auf fragwürdige Art und Weise zu einem Wechsel des Stromanbieters gebracht werden. Wie das Energie-Unternehmen ENBW ODR mitteilt, werden Privatkunden derzeit verstärkt kontaktiert. Die Anrufer erweckten den Eindruck, dass sie im Auftrag des lokalen Versorgers anrufen, um Daten zu überprüfen oder Abschläge neu zu berechnen. Ziel ist es offenbar, „den Kunden vertragsrelevante Daten zu entlocken“. So könne der Stromlieferungsvertrag gekündigt, ein neuer abgeschlossen werden. „Es ist ein weiterer Versuch, Verbraucher auf dreiste Art und Weise zu überrumpeln und ihnen einen Stromvertrag unterzujubeln“, beklagt die ENBW ODR.

Das Problem existiert freilich nicht nur in Langenau. Die Betrüger seien auch in Aalen, Heidenheim, Schwäbisch Gmünd, Ellwangen, Bopfingen aktiv. Auf Nachfrage sagt Reiner Majer, Teamleiter des Privatkundenservices, dass sich bisher 30  verunsicherte Kunden bei der ENBW ODR gemeldet haben. Majer geht davon aus, dass dies „nur die Spitze des Eisbergs“ ist. Die Dunkelziffer dürfte höher sein. Vor allem ältere Menschen, so sagt Majer, fielen erst aus allen Wolken, wenn ein neuer Vertrag ins Haus flattere. Das geschehe oft so spät, dass kaum Zeit für einen Widerruf bleibe. Er rät Betroffenen, sofort Kontakt mit dem bisherigen Energielieferanten aufzunehmen und einen schriftlichen Widerspruch bei der anderen Firma einzureichen. Einzig: „Oft ist das schwierig, weil Callcenter im Auftrag der Firmen anrufen.“ Sollte das gesetzliche Widerrufsrecht von 14 Tagen bereits abgelaufen sein, sei eine Rückabwicklung schwierig. Meist würden Telefonate, in deren Verlauf irgendwann ein „Ja“ falle, aufgezeichnet; auch der Polizei seien so meist die Hände gebunden.

 Das Problem ist den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU) laut Sprecher Bernd Jünke bekannt.  Er berichtet von „Spontananrufen in den letzten Wochen“ und spricht von einer „leider landauf, landab gängigen Methode der Schwarzen Schafe in der Branche“. Versuche, Stromaufträge zu erschleichen, nahmen laut Jünke im laufenden Jahr zu. Immer wieder klingelten Betrüger auch an der Türe und sagten: „Wir kommen von den Stadtwerken.“ Von welchen, bleibe offen. Manche Kunden ließen die Mitarbeiter ins Haus. Jünke stellt klar: „Wenn SWU-Mitarbeiter in die Wohnung müssen, weisen sie sich aus.“ Zeigen sie keinen Dienstausweis vor, sei Vorsicht angezeigt. Auch Jünke rät davon ab, am Telefon persönlichen Daten, Bankverbindungen, Stromzählernummern oder -stände preiszugeben. Oft helfe es, den Anrufer nach Name, Firma und Nummer für einen Rückruf zu fragen. Dies gelte übrigens auch für andere Branchen. Denn die gleichen unseriösen Machenschaften legten Werber an den Tag, die Telefon- oder Handyverträge verkaufen wollen.

Indes warnen auch Verbraucherzentralen und  die Stiftung Warentest vor diesen unerlaubten Werbeanrufen . Diese sind zwar laut Majer von der ENBW ODR kein gänzlich neues Phänomen. Doch auf die neue Welle, die derzeit wieder über die Region schwappe, sollten die Kunden vorbereitet sein, meint er.

Direkter Draht

Kundenservice Im Zweifelsfall können sich Privatkunden bei der ENBW ODR unter Tel. (07961) 82 13 20 und den SWU unter Tel. (0731) 166 91 rückversichern.

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