Eiszeithöhlen: Wahre Schmuckstücke im Hohle Fels entdeckt

Bei archäologischen Grabungen wurden an der schwäbischen Alb die ersten Spuren von Kunst und Musik der Menschheit gefunden. Am Freitag wurden die neuen Funde aus noch nicht benannten Grabungstätten präsentiert.

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Und wieder ein Superlativ: Im Hohle Fels bei Schelklingen wurden im vergangenen Jahr bei Grabungen der Universität Tübingen die ältesten zwei- und dreifach gelochten Perlen der Menschheitsgeschichte gefunden. In dieser Herstellungsart kommen sie nur auf der Schwäbischen Alb vor, wie Grabungsleiter Prof. Nicholas Conard bei der Präsentation der Funde im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren betonte. Hier sind die 40 Perlen auch künftig zu sehen.

Weil zweifach gelochte Perlen auch im Lonetal gefunden worden sind,  sind sich Conard und Dr. Sibylle Wolf vom Senckenberg Center for Human Evolutionand Palaeoenvironment  an der Uni Tübingen sicher, dass die Menschen im Ach- und Lonetal vor 40.000 Jahren in Kontakt zueinander standen. Möglicherweise waren die Schmuckstücke auch so etwas wie ein Erkennungssymbol einer Gruppenidentität. „Diese Form wurde nicht mit Menschen aus anderen Regionen geteilt, obwohl europaweit Kontakte bestanden“, sagt Sibylle Wolf.

Die doppelt gelochten Perlen aus Mammutelfenbein sind in der Mitte verdickt und an den Enden abgeflacht. Die Lochungen entstanden wohl durch das Bohren mit einem feinen Feuersteingerät oder durch wiederholtes Ausschaben. Gefunden wurden „durch eine Armee an Helfern“ (Conard)  Stücke in allen Herstellungsstadien,  vom Rohling bis zum getragenen Schmuckstück. Sie sind gerade mal einen Zentimeter groß. Dass sie in so einer Dichte gefunden wurden, ist für Conard bemerkenswert, wenngleich er derzeit noch keine schlüssige Erklärung für die Anhäufung hat.

Noch spezieller sind die dreigelochten Perlen aus der ältesten aurignacienzeitlichen Schicht (42.000 bis 34.000 Jahre alt). Rund zwei Zentimeter lang laufen die Enden mehr oder weniger spitz zu, die äußeren Löcher  werden meist durch Einkerbungen vom mittleren Teil der Perle abgesetzt. Die Perlen wurden über einen Zeitraum von 6000 Jahren gefunden. „Das zeigt, dass es eine Tradition des Herstellens und des Tragens dieser sehr speziellen Form gab“, betont Wolf.

„Neben den figürlichen Kunstwerken und Musikinstrumenten ist die Entwicklung des Schmucks als persönliches und gesellschaftlichen Ausdrucksmittels ein wichtiges Element der kulturellen Entwicklung vor 40.000 Jahren, sagt Dr. Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin der Urmu. Hier werden die neuen Funde in einer Vitrine im Raum für Sonderausstellungen zu sehen sein. Das Urmu will  in einem Wettberwerb auch herausfinden, wie solche Perlen genutzt werden könnten.

Die Uni Tübingen macht seit 21 Jahren Grabungen im Hohle Fels, das sei einmalig, wie Conard betont. In diesem Jahr sind sie mit der Präsentation der Funde abgeschlossen. Dies sei nur möglich dank des Engagements durch Land, Kreis und Kommunen und die Privatwirtschaft, sagte er. „Und ich kenne kein anderes Museum, wo wir gleichzeitig Graben und Forschen können.“

Seit Ernennung zum Welterbe bietet das Urmu täglich um 14.30 Uhr eine spezielle Führung an

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