Über die Jahrhunderte ein Haus der Bildung

Schule, Rathaus, Ortsgefängnis, Kindergarten, Wohnhaus und schließlich Bücherei und Bürgersaal: Die alte Schule hat in 200 Jahren viele Gesichter gehabt.

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Die Alte Schule: Vor 30 Jahren von Grund auf saniert. Foto: Werner Gallbronner

Viel ist vom alten Gebäude nicht mehr übrig geblieben, eigentlich nicht viel mehr als die Außenmauern, weiß Altbürgermeister Franz Geisinger. Im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms wurde die Alte Schule 1983 von Grund auf saniert und umgebaut. Seitdem beherbergt das weit mehr als 200 Jahre alte Haus Illerriedens Bücherei und einen Bürgersaal, in dem sich alle paar Wochen Senioren treffen und wo lange Zeit Kammerkonzerte stattfanden.

Vor seiner Zeit als Stätte der Bildung war das Gebäude "das Wohnhaus des Schulmeisters Georg Fahninger, der wegen schlechter Haushaltung zum Verkauf genötigt war", wie Uwe Schmidt und Beate Sauerbrey in der Chronik "Im Wandel der Geschichte - Dorndorf, Illerrieden, Wangen" schreiben. Dort heißt es weiter: Für 485 Gulden und 30 Kreuzer erwarb die Gemeinde das Haus im Jahr 1810 und baute es "mit beträchtlichem Kostenaufwand" zur Schule und Lehrerwohnung um. Es war die erste Schule im Ort, die Schulstube bot 30 Kindern Platz. Unterricht war von 6 bis 8 Uhr für die Oberklasse und von 8.30 bis 11 Uhr für die Unterklasse, dazwischen besuchten die Schüler den Gottesdienst.

Nach mehr als 100 Jahren war das Gebäude trotz vergrößerter Schulstube für mittlerweile 90 Schüler endgültig zu klein, 1911 wurde es zum Rathaus umgewidmet. Die nächsten 42 Jahre wurden die Gemeindegeschicke dort bestimmt, und ab und zu musste in dieser Zeit manch einer unfreiwillig übernachten: Denn dort war auch das Ortsgefängnis untergebracht. "Bis zu den 1960er Jahren musste jede Gemeinde ein Ortsgefängnis vorhalten für die örtliche Polizei", weiß Franz Geisinger. In Illerrieden gab es bis Mitte des vorigen Jahrhunderts zwei Polizisten.

1953 übernahm die katholische Kirche das Gebäude, und "an Ostern 1955 ging ein langgehegter Wunsch der vielbeschäftigten Bäuerinnen und Mütter in Erfüllung", wie es in der Chronik heißt: die Eröffnung des katholischen Kindergartens. Der zog allerdings schon elf Jahre später um, da die Kirche einen neuen Kindergarten in der Gartenstraße gebaut hatte. Die Alte Schule ging in private Hände über, sie wurde als Wohnhaus genutzt, bis sie schließlich die Gemeinde wieder für Bildungszwecke erwarb.

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