Weg zum Geißenklösterle: Trittsicher in die Steinzeit

Der Weg zum Geißenklösterle im Achtal ist nicht weit, gewinnt aber alpinen Charakter. Dort wurden die ältesten Musikinstrumente gefunden.

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Um ins Geißenklösterle zu gehen, muss man weder eine Bergziege, noch bußfertig sein. Aber es könnte helfen. Etwa 60 Meter über dem Achtal erhebt sich die Unesco-Welterbe-Höhle, stolz flankiert von zwei Felsflügeln. Die Strecke dorthin beginnt am Parkplatz bei der Ach als geteerter Weg und schlängelt sich zunächst am Waldrand entlang. Dann zweigt der Weg nach rechts ab und gewinnt bis zum kesselförmigen Felsmassiv regelrechten Serpentinen-Charakter.

„Dort müssen Sie schon alpin sein“, beschreibt Reiner Blumentritt die Verhältnisse. Nicht, dass die Mitgliedschaft in einer Seilschaft oder Steigeisen gefragt wären, festes Schuhwerk aber schon. „Bei Regenwetter ist es glitschig, von Sandalen würde ich abraten.“ Der Vorsitzende der Museumsgesellschaft Schelklingen muss es wissen, seit seinem 15. Lebensjahr streift er auf der Suche nach archäologischen Fundstätten durchs Gelände, um bereits zwei Jahre später fündig zu werden.

Was die archäologischen Grabungen mittlerweile zu Tage gefördert haben, ist am Parkplatz der Schautafel bei einer mächtigen, von einer Bank umsäumten Linde zu entnehmen. Wer sich auf eigene Faust auf die etwa 400 Meter in Richtung Menschheitsgeschichte begibt, sollte allerdings nicht enttäuscht sein am Ende vor verschlossenen Toren zu stehen. Der Höhleneingang ist zum Schutz vor Raubgräbern vergittert. Ein Blick ins Innere ist dennoch lohnend, da das Geißenklösterle nicht sonderlich tief ist. Nur einmal im Jahr, am „Tag der offenen Höhle“ (siehe unten), ist eine Begehung möglich.

Bedeutende Fundstätte

Das Warten zahlt sich aus, zumal die Gesellschaft für Urgeschichte mit einer Zeitreise in die Steinzeit aufwartet. Dabei wird auch deutlich, weshalb das Geißenklösterle als eine der wichtigsten Fundstellen der jüngeren Alt­steinzeit gilt. Die dort entdeckten Skulpturen aus Mammutelfenbein gehören zu den ältesten bekannten figürlichen Kunstwerken. Darüber hinaus gelten drei Flöten als Zeugnisse der weltweit ältesten Musikinstrumente. Das Original einer aufwendig geschnitzten Elfenbein-Flöte ist im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren zu sehen.

Der Weg dorthin ist für Gehbehinderte auf historischer Spurensuche ohnehin der einzig gangbare. Wie erwähnt ist die Route zum Geißenklösterle alles andere als barrierefrei. Was Versorgungsmöglichkeiten und sanitäre Einrichtungen betrifft, muss der geneigte Wanderer auf den Inhalt seines Rucksacks zurückgreifen und jenen seiner Blase dem Wald anvertrauen.

Ob sich daran in Anbetracht des zu zunehmenden Höhlen-Interesses etwas ändern wird, ist noch ungewiss. Zumindest sind Planungen zugunsten der Besucherfreundlichkeit im Gange. Wie bei den anderen Weltkulturerbe-Höhlen soll der Pfad zum Geißenklösterle in einen Themenweg verwandelt werden. Menschen, die dort unterwegs sind, könnten sogar die Flötentöne der Eiszeit erlernen – auf nachgebauten Instrumenten, versteht sich.

„Ein Thema wird sicher auch die damalige Vogelwelt sein“, kündigt Johannes Wiedmann, Archäologe im Urgeschichtlichen Museum,  an. Denn zwei der im Geißenklösterle gefundenen Flöten wurden aus Schwanenknochen hergestellt. Und weil sich Menschen im Gegensatz zu den gefiederten Freunden fußläufig fortbewegen, sollen sie sich vom kommenden Jahr an der Welterbe-Höhle etwas komfortabler nähern: „Der Weg wird ausgebaut und besser begehbar werden.“

Funde Etwa 40.000 Jahre alte Mensch-Tier- (Adorant) und Tierfiguren (Mammut, Wisent, Bär) aus Elfenbein. Eine Föte aus Mammutelfenbein, zwei Flöten aus Schwanen­knochen.
Begehbarkeit Nur am „Tag der offenen Höhle“, ansonsten ist der Eingang vergittert.
Anfahrt Auf der B 492 nach Blaubeuren-Weiler, dort in die Bruckfelsstraße abbiegen und die Bahnlinie überqueren, dann links über die Achbrücke zum Parkplatz am Waldrand unterhalb der Höhle. Vom Parkplatz bis zur Höhle sind es etwa 400 Meter Fußweg.
Barrierefreiheit Nein
Sanitäranlagen Nein
Information Die Schautafel am Parkplatz und im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren.
Individual-Erkundung Ja, aber nur bis zum vergitterten Eingang.
Gastronomie In Blaubeuren und in Schelklingen. Für Wanderer: Bis zur Gaststätte Zum Schillerstein oberhalb von Blaubeuren sind es etwa 3,3 Kilometer auf Waldwegen.
Führungen Nach Absprache mit dem Urgeschichtlichen Museum, Tel. (07344) 96 69 90. Morgen, am „Tag der offenen Höhle“, werden ebenfalls Führungen angeboten.

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