Tradition ist Trumpf

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  • „Ober sticht Unter“ hieß es am vergangenen Donnerstag beim Preisschafkopfturnier in Illertissen, das im Rahmen der Feiern zum 50-jährigen Bestehen der Illerfischer stattfand.  1/2
    „Ober sticht Unter“ hieß es am vergangenen Donnerstag beim Preisschafkopfturnier in Illertissen, das im Rahmen der Feiern zum 50-jährigen Bestehen der Illerfischer stattfand. Foto: 
  • Die Zahl der aktivien Schafkopfer ist zwar rückläufig, doch bei Turnieren findet die Fangemeinde immer zueinander. 2/2
    Die Zahl der aktivien Schafkopfer ist zwar rückläufig, doch bei Turnieren findet die Fangemeinde immer zueinander. Foto: 
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Ober, Unter, Ass und Co. kamen beim Preisschafkopfturnier in Illertissen auf den Tisch. Die Illerfischer hatten zum Auftakt ihrer 50-Jahr-Feierlichkeiten zum Kartenspiel ins Festzelt eingeladen. „Während der Planungen regten einige Mitglieder an, diese alte Tradition wieder aufleben zu lassen“, erklärt der Vorsitzende Thomas Kaufmann die Idee. Denn am Vorabend des Fischerfestes habe es früher hin und wieder solche Schafkopfturniere gegeben. „Mangels Experten in den eigenen Reihen, schlossen wir uns dann mit Jürgen Strobel aus Unterroth kurz“, erzählt Kaufmann weiter.

Der spielt mit seiner Schwabenbande aktiv in der Landesliga und hat auch schon mehrere Wettkämpfe organisiert. Strobel freute sich über die Anfrage der Angler. Denn nicht nur die Anzahl der größeren Turniere, sondern auch die der Schafkopfer selbst ist rückläufig, weiß der Profi aus Erfahrung. „Es fehlt einfach der Nachwuchs“.

Männnerdomäne

Dies machte sich auch am Donnerstag bemerkbar, denn mit dem 23-jährigen Illertisser Uli Glaser, einem Mittdreißiger aus Bellenberg und dem 45-jährigen Regglisweiler Manuel Funk war die „Jugend“ unter den insgesamt 116 Teilnehmern schnell gezählt. Zehn Spielerinnen saßen an den Tischen, wo das männliche Geschlecht klar  dominierte. Gertrud Kohl aus Kellmünz und Marey Seeger aus Wiggensbach bei Kempten sind beide  mehr als 20 Jahren passioniert am Blatt, sie spielen mehrmals die Woche. Während Kohl mit den „Kartenhaien“ dazu noch aktiv in der Liga antritt, ist Seeger mit den Kartenfreunden Stöttwang auf vielen Turnieren unterwegs. Auf die Frage, was Schafkopf  denn so besonders mache, antwortet Seeger dann auch kurz und knapp: „Einfach alles!“ Schafkopfer seien wie eine Familie, sie zögen sich aus den heißen Partien ihre Lebensfreude, beschreibt die charmante Allgäuerin den Reiz.

Schon im 19. Jahrhundert

Weder die genaue Herkunft des Namens noch der Zeitpunkt der ersten Partie ist abschließend geklärt. Sicher ist nur, dass Schafkopf bereits im 19. Jahrhundert gespielt wurde und seitdem weder etwas von seinen Reizen, noch von  der Geselligkeit und seiner bayerischen Urtümlichkeit eingebüßt hat. Letzteres impliziert auch, dass das bayerische Kartenblatt zum Einsatz kommt und zumindest Grundkenntnisse in der Schafkopf-Sprache von Vorteil sind – andernfalls versteht der Laie beim Vokabular wie „Wenz“, „Tout“, „Brems“ oder „Ramsch“ nur Bahnhof. Dass das bayerische Kultkartenspiel seine besonderen Vorzüge hat und einen in seinen Bann ziehen kann, bestätigt auch Helmut Hermann aus Illertissen, der bei der diesjährigen Weltmeisterschaft im österreichischen Großarl den vierten Platz belegte. „Wir spielen dreimal in der Woche im Freundeskreis und treffen uns samstags um 15 Uhr im Schützenheim“, berichtet der 69-jährige. Dabei könne auch jederzeit zugeschaut oder mitgekartet werden. „Wenn ma‘ nix ka, muss ma‘ halt zahla“, legt Hermann scherzhaft nach.

Doch gehe es in ihren Runden im Gegensatz zu Turnieren nicht ums Geld, sondern um den reinen Spaß. Den Sieg und damit die 1000 Euro Preisgeld beim Illertisser Schafkopfturnier nahm nach  fast vier Stunden  übrigens Josef Sirch aus Dorschhausen mit nach Hause.

Das Spiel Schafkopf wird mit vier Spielern und 32 Karten gespielt. Jede Karte hat einen bestimmten Wert, der in Augen ausgedrückt wird. Insgesamt gibt es 120 Augen, es gewinnt die Partei, die mindestens 61 Augen macht. Neben verschiedenen Spielarten wie Solo oder Wenz gibt es auch diverse Karten mit Trumpf-Status: Ober, Unter, Ass. Sie variieren von Spielart zu Spielart. In Turnieren werden meist nach 32 Spielen die Punkte aus den einzelnen Spielen zusammengezählt und so der Sieger ermittelt. In Kneipenrunden wird oft nach jeder einzelnen Partie direkt in Kleingeldbeträgen abgerechnet.

Sprüche Beliebte Spielweisheiten wie „Beim Wenz spielt man Ässe oder hält die Fresse“ und „Einmal hoch und einmal nieder, ist der Arsch von Onkel Frieder“ sind nicht unbedingt salonfähig –  mit ein Grund, warum das Traditionsspiel vornehmlich in Kneipen, Vereinsheimen und Stammtischen zuhause ist.

Ligabetrieb Beim Schafkopf-Club Bayern messen sich insgesamt 40 Teams in zwei Ligen. Es gibt viele Turniere sowie deutsche Meisterschaften und Weltmeisterschaften.

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