Textil-Standort Laichingen gestärkt

Die Firma Wäschekrone hat 3,7 Millionen Euro in neuen Standort investiert. Die Zusammenarbeit mit Firma Pichler wird vertieft.

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In der neuen Näherei des Neubaus der Wäschekrone werden die Produkte auch sehr kurzfristig gefertigt. Foto: Thomas Spanhel  Foto: 

Für 3,7 Millionen Euro hat das Laichinger Traditionsunternehmen Wäsche Krone am Rand des Interkommunalen Industriegebiets in der Carl-Zeiss-Straße eine neue Firmenhalle gebaut. Auf rund 3500 Quadratmetern sind hier Produktions-, Aufenthalts, Lager- und Logistik-Räume der Firma zusammengeführt. „Das erste Mal in unserer Geschichte haben wir jetzt alle unsere Lager- und Produktionsstätten an einem Ort vereint“, sagte am Montag Geschäftsführer Hans Werner Groß bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer (CDU) und des Laichinger Bürgermeisters Klaus Kaufmann in dem Neubau.

„Wir wollen nah am Markt sein und flexibel agieren und auf die Wünsche unserer Kunden reagieren“, erläuterte Groß die Gründe für den Neubau. Bedingt durch die lange Geschichte mit sieben verschiedenen Gründungsunternehmen hatten sich seit 1960 unterschiedliche Standorte in der Stadt herausgebildet. Das kostete Zeit und Geld: Mit dem neuen Gebäude werden die  Prozesse so optimiert, dass das Unternehmen „fit für die Zukunft ist“.

Die Wäschekrone müsse innerhalb von zwei bis drei Tagen liefern können, wenn ein Hotel kurzfristig neue Wäsche-Garnituren benötigt, berichtet Groß. Dank der Stick- und Webmaschinen direkt am Lager- und Logistik-Standort wird es möglich, auch Übergrößen oder Spezialanfertigungen schnell auszuliefern. Rund 40 Prozent der Produktion stammt gar nicht aus der offiziellen Kollektion mit ihren rund 35.000 Artikeln, sondern wird nach Wunsch der rund 25.000 Kunden gefertigt. „Das macht’s kompliziert“, kommentiert Groß.

Beim Neubau ging es darum, vor allem den Ertrag der Firma bei einem Umsatz von 13 Millionen Euro zu steigern. Zwar gab es nach Jahren mit steigenden Umsätzen 2016 einen Umsatz-Rückgang von rund einer Million Euro, der in diesem und im kommenden Jahr wieder ausgeglichen werden soll. Vor allem aber soll die Ertragslage verbessert werden. Das Problem liege ähnlich wie auch in der Gastronomie im Bereich der sehr personalintensiven Arbeiten. „Es wird immer schwieriger, die Leute so zu entlohnen, dass es sich rentiert.“ Groß berichtete, dass die Investitionen der Gastronomie-Kunden sofort stiegen, als nach der Wirtschaftskrise 2008 die Mehrwertsteuer in bestimmten Gastronomie-Bereichen ermäßigt wurde – damals habe sein Unternehmen direkt profitiert.

„Ursprünglich war sogar geplant, auch den Verkauf und die Verwaltung an den neuen Standort zu verlagern“, berichtete Groß. „Aber wir müssen erst mal das Geld für diesen Bau verdienen.“ Jetzt wird im Neubau auch die bestehende Zusammenarbeit mit der Firma Pichler in Teilbereichen verstärkt, um gemeinsam Kosten zu senken. Bisher arbeiteten schon Stickmaschinen von Wäschekrone bei der Firma Pichler.

Schwieriger Markt

Bereits in den vergangenen Jahren hat sich die Firma gewandelt: Mit „Eccel professional“ wurde ein Südtiroler Spezialist für Hotelwäsche zugekauft. Dieser wird weiterhin vor allem den alpenländischen Markt abdecken, denn es sei schwierig, von Deutschland aus in diesen Markt zu kommen, sagt Groß. Ein Großteil der langfristig bestellten Wäsche-Stücke wird sowieso wie bisher ohne qualitative Abstriche im europäischen Ausland produziert – in der Türkei, Portugal oder Tschechien.

Bürgermeister Klaus Kaufmann äußerte seine Freude darüber, dass die Firma, die in Laichingen rund 80 und insgesamt knapp 100 Personen beschäftigt, weiterhin auf ihren Heimatstandort setzt und hier investiert. Ronja Kemmer lobte das Unternehmen als „Paradebeispiel für einen Mittelständler, der sich in einer schwierigen Branche gut am Markt schlägt“.

Lange Geschichte: Sieben ursprünglich konkurrierende Laichinger Textilbetriebe gründeten 1960 die Wäsche Krone, um wirtschaftlich schwierige Zeiten zu bewältigen. Zunächst handelte es sich um eine gemeinsame Vertriebsfirma, acht Jahre später wurden auch die eigenen Produktionsbetriebe überführt. Es waren folgende traditionsreiche Firmen: Daniel Frank, Georg Graser, Hans Groß, Heinrich Näher, Peter Näher – der älteste Betrieb: 1897 gegründet –, Albert Schaufler und Georg Schwenkglenks. Durch die Fusion galt die Wäschekrone als größter Wäscheproduzent in Deutschland. Hans Werner Groß steht seit 1994 an der Spitze des Familienunternehmens.

Produktion: 1968 umfasste das Portfolio der Wäschekrone Aussteuerwäsche und Hotelwäsche. Während der Bereich der Hotelwäsche stetig wuchs auf rund 95 Prozent der Produktion, schrumpfte der Bereich der Aussteuerwäsche und wird heute nur noch im Online-Shop und im Outlet-Center bedient. Hinzugekommen ist der Bereich Werbetextilien.

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