Tagung in Lindenau zum Welterbe-Antrag für Eiszeithöhlen

Die Eiszeithöhlen im Ach- und im Lonetal sind national die Nummer eins auf der Vorschlagsliste zum Welterbe. Der Antrag wird unter Hochdruck ausgearbeitet. Gestern wurden in Lindenau Aufgaben verteilt.

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  • Der Hohlenstein-Stadel bei Asselfingen ist eine der Höhlen, die Welterbe werden sollen. Im Stadel wurde der Löwenmensch gefunden. Auf dem Bild sind Grabungsarbeiten zu sehen. 1/2
    Der Hohlenstein-Stadel bei Asselfingen ist eine der Höhlen, die Welterbe werden sollen. Im Stadel wurde der Löwenmensch gefunden. Auf dem Bild sind Grabungsarbeiten zu sehen. Foto: 
  • Im "Schlössle" in Lindenau geht es um Gewichtiges: Den Antrag für die Eiszeithöhlen im Ach- und im Lonetal zum Welterbe. Staatssekretär Ingo Rust informiert die Beteiligten über den Stand der Dinge. 2/2
    Im "Schlössle" in Lindenau geht es um Gewichtiges: Den Antrag für die Eiszeithöhlen im Ach- und im Lonetal zum Welterbe. Staatssekretär Ingo Rust informiert die Beteiligten über den Stand der Dinge. Foto: 
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So viele Limousinen sind wohl selten an einem Freitagmorgen auf dem Parkplatz des "Schlössle" in Lindenau gestanden, inmitten von Feldern und gackernden Hühnern. "Geschlossene Gesellschaft" kündet ein Schild an der Tür zur Bauernstube, dahinter befasst sich die Runde mit einem Thema von Weltrang: Dem Antrag für die Höhlen der Eiszeitkunst im Ach- und im Lonetal zum Unesco-Welterbe.

Mit dabei: Staatssekretär Ingo Rust und Peter Rothemund vom Landes-Wirtschaftsministerium, Prof. Claus Wolf, Prof. Claus-Joachim Kind und Conny Meister vom Landesamt für Denkmalpflege, Vertreter des Forschungsministeriums und der Uni Tübingen, der Heidenheimer Landrat Thomas Reinhardt, Andreas Blersch, persönlicher Referent von Alb-Donau-Landrat Heinz Seiffert, Jörg Heiligmann (Archäologisches Landesmuseum), Stefanie Kölbl (Urgeschichtliches Museum Blaubeuren), die Bürgermeister Achim Bollinger (Asselfingen), Georg Göggelmann (Öllingen), Karl Häcker (Rammingen), Bernd Sipple (Herbrechtingen), Michael Knapp (Schelklingen), Jörg Seibold (Blaubeuren), Hauptamtsleiter Daniel Salemi (Niederstotzingen), Georg Hiller (Koordinierungskreis Eiszeitkunst), Hermann Mader (Förderverein Lonetal) sowie die Landtagsabgeordneten Martin Rivoir (SPD), Karl Traub (CDU), Monika Stolz (CDU), Jürgen Filius (Grüne).

Für "viele in der Szene" sei es eine große Überraschung gewesen, dass der Antrag, die Höhlen der Eiszeitkunst im Achtal und im Lonetal zum Welterbe zu ernennen, national unter 31 Anträgen auf Platz eins gelandet ist, sagte Staatssekretär Rust. Die Empfehlung gab ein Fachbeirat aus Wissenschaftlern, der im Februar die Fundstätten besichtigt hatte. Die Kultusministerkonferenz bestätigte die Entscheidung im Juni. "Ein Ritterschlag", sagte Rust. Es spreche für die hohe Qualität des Antrags. Ausschlaggebend für den Erfolg seien die exzellente fachliche Vorbereitung und das geschlossene Auftreten aller Beteiligten gewesen. Die Dachmarke für alle Fundstätten lautet "Weltkultursprung". Nun müsse auch gegenüber der Unesco deutlich gemacht werden, dass alle an einem Strang ziehen. "Die nächsten Schritte müssen wir gemeinsam gehen, und die sind nicht einfach." Rust sagte die "volle Unterstützung der Landesregierung" zu.

"Wir waren mit unserem Antrag weiter als die anderen", führte Claus Wolf vom Landesamt für Denkmalpflege aus. Im Unterschied zu Mitbewerbern konnten bereits Karten vorgelegt werden, in denen die Kern- und Pufferzonen zum Schutz der Fundstätten in den Gemeinden ausgewiesen sind - dank Abstimmung mit den Kommunen. Die Nummer eins zu sein, bringe enormen Druck: "Das Zeitkorsett ist eng", sagte Wolf. Andere Bewerber hätten etliche Jahre mehr gebraucht. Deshalb werde beim Landesamt eine weitere Stelle geschaffen - "diese ist vor allem Kontaktperson zu Ihnen."

Wie straff der Zeitplan ist, verdeutlichte Conny Meister vom Landesamt: Bereits im Mai 2015 soll der Antrag fertig sein, dann kontrolliert und übersetzt werden, am 30. September 2015 soll der Antrag freiwillig beim Welterbe-Komitee eingereicht werden, die endgültige, rund 500 Seiten starke Fassung wird am 1. Februar 2016 abgegeben, im Juni 2017 wird die Entscheidung fallen. Mit der Ernennung zum Welterbe ist die Pflicht verbunden, regelmäßig Bericht zu erstatten über den Zustand und den Schutz des Welterbes (Monitoring).

Bis dahin ist jede Menge zu tun: Die Fundstätten müssen für den Antrag bestimmt, beschrieben, ihre universelle Einzigartigkeit begründet werden, ein Managementplan zu Punkten wie Tourismus, Forschung und Nachhaltigkeit erstellt werden. Gefragt sind weitere Probegrabungen, ein Symposium zum Thema, eine Neuauflage der archäologischen Führer für das Ach- und das Lonetal, eine neue Beschilderung, eine Website, eine App . . .

Peter Rothemund vom Wirtschaftsministerium wies darauf hin, dass weitere Grabungen für die Land- und Forstwirtschaft verträglich sein müssen. Keiner brauche befürchten, dass die Landschaft zum Maulwurfshügel verunstaltet wird. "Im Ministerium werden wir bei Anrufen wegen weiteren Grabungen sehr sensibel reagieren."

Ein Organigramm wurde vorgestellt: Federführend bei der Antragstellung ist das Wirtschaftsministerium. Den Antrag bereitet eine Unesco-Arbeitsgruppe des Landesamts für Denkmalpflege vor. Koordinierungsgruppen befassen sich mit Themen wie Tourismus oder Zustand und Schutz des Welterbes. Der Lenkungskreis "Weltkultursprung" vereint alle Interessenvertreter. Das klinge relativ komplex, sehr viele Spieler seien beteiligt, sagte Georg Hiller. Er rate dringend dazu, die Aufgabenbereiche mit Namen zu füllen. Gesagt, getan - nach der Kaffeepause machte sich die Runde ans Eingemachte.

Zwei einzigartige Täler

Missverständnis Der für die Platzierung der Welterbe-Anwärter zuständige Fachbeirat habe angenommen, dass der Schwerpunkt auf den Eiszeit-Kunstwerken liege, sagte Prof. Claus-Joachim Kind. Es konnte geklärt werden, dass es um die Funde in Verbindung mit Höhlen und Landschaft geht - den Talabschnitt im Lonetal um Hohlenstein-Stadel, Vogelherdhöhle und Bockstein sowie im Achtal um Hohlen Fels, Geißenklösterle und Sirgenstein-Höhle.

Mitbewerber Unter den Konkurrenten waren "Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg", der jüdische Friedhof in Hamburg-Altona sowie das Bauhaus in Dessau.

SWP

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