Tagespflege: Einrichtung in Erbach hat erweitert

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Die Frauen und Männer im Seniorenalter haben es sich in dem hellen Raum an Tischen gemütlich gemacht. Einige plaudern, andere gehen dem Personal als Küchenhelfer zur Hand. Zwei Frauen schneiden Zwiebeln, ein Mann bereitet einen Obstsalat vor. Akkurat werden die Äpfel geschält, halbiert, das Kernhaus entfernt und die Frucht in Schnitze geschnitten. „Glernt isch glernt“, sagt der Mann und lacht.

Die Senioren sind Gäste der Erbacher Tagespflege. Sie kommen morgens mit dem hauseigenen Fahrdienst gegen 8 Uhr. Auf ein gemeinsames Frühstück folgen Aktivitäten wie Gedächtnistraining, körperliche Übung oder Vorlesen. Wer kann und will, hilft später in der Essensvorbereitung. Auf das Mittagsessen folgen eine Ruhepause, später kleinere Aktionen wie Nachmittagskaffee, schließlich die Abfahrt, getreu dem Motto: „und abends wieder nach Hause.“

Bald elf Jahre gibt es die Erbacher Tagespflege (siehe Kasten), sagt Verena Rist, Geschäftsführerin der Pflegeheim GmbH Alb-Donau-Kreis. Einzelne Tage zur Entlastung wahrzunehmen – oder in manchen Fällen auch an allen Werktagen –, daran mussten sich die Familien erst gewöhnen, sagt Rist. Es gebe eine Hemmschwelle, Angehörige außer Haus betreuen zu lassen; auch der Bekanntheitsgrad oder die finanzielle Belastung spielen eine Rolle. Letzteres hat sich 2015 entscheidend geändert: Standen bis dahin in der Pflegestufe I für ambulante Pflege im Monat 468 Euro zur Verfügung, gibt es diesen Betrag nun separat für die Tagespflege.

Mit den zum anstehenden Jahreswechsel in Kraft tretenden Pflegestärkungsgesetzen I und II (PSG) werden Angehörige von Pflegebedürftigen spürbar entlastet, sagt Rist. In dem dann geltenden „Pflegegrad I“ etwa beträgt der Satz für ambulante Pflege 689 Euro, der für eine Tagespflege 1289 Euro. Ändern werde sich auch die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit. Bislang stand die körperliche Mobilität im Vordergrund, künftig werden geistiger und psychischer Zustand gleichberechtigt beachtet. Bislang habe es vorkommen können, dass etwa ein körperlich völlig mobiler Demenzkranker „durchs Raster fällt“, obwohl er ständig auf Hilfe angewiesen ist. „Pflegegrad ist also nicht nur ein neuer Name, sondern ein völlig neues System“, sagt Rist.

Weitere Neuerungen sind fünf anstatt drei Stufen und eine flexiblere Kombination von Pflegeleistungen. Damit werde der Grundsatz, Bedürftige möglichst lange zu Hause zu pflegen, deutlich gestärkt, sagt Daniela Rieker, Sprecherin der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales.

Die Einrichtung hat nun erweitert und damit auf den Trend reagiert, dass Tagespflege verstärkt als Entlastung und als zusätzliche soziale und kognitive Motivation für den Pflegebedürftigen wahrgenommen wird. Auf den zusätzlichen 80 Quadratmetern konnten die Betreuungsplätze um fünf auf nun 17 aufgestockt werden. Die Kosten betragen laut Rist 13 000 Euro. Eine nochmalige Erweiterung müsse wohl überlegt werden. „Wir wollen ja unseren häuslichen Charakter behalten“, betont die Geschäftsführerin.

Standorte Die Sozialstation Erbach – Träger ist die katholische St. Martinus-Gemeinde – und die Pflegeheim GmbH gründeten 2002 als gleichberechtigte Partner die Tagespflegestätten in Erbach und in Schelklingen (12 Plätze). Geschäftsführer sind Verena Rist und der Leiter der Sozialstation Erbach, Werner Schatz. Weitere Tagespflege-Standorte der ADK Pflegeheim-GmbH in der Region gibt es in Blaustein (12), Dietenheim (10), Laichingen (12). Eine Beratung über die Angebote der ambulantem Pflege, Tagespflege und das neue Pflegestärkungsgesetz gibt es bei der Sozialstation, Erlenbachstraße 19 und im Büro des ADK Pflegedienstes am Rathausplatz.

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