Stonehenge auf Schwäbisch

Steine lesen: Auf der Schwäbischen Alb hat das nichts mit einer Interpretation, sondern mit dem Sammeln von Ackersteinen zu tun. Auf öffentlichen Plätzen können Landwirte die Felsbrocken lagern.

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Nicht-Eingeweihte mögen geheimnisumwobene Stellen hinter Steinleseplätzen vermuten, so etwas wie Stonehenge in England. Eingeweihte, vor allem solche, die eigenhändig mühsam die Steine vom Ackerboden geklaubt haben, wissen dagegen, dass ein Steinleseplatz wenig mit Mystik und viel mit harter Arbeit zu tun hat: Öffentliche Stellen, an denen Landwirte Ackersteine abladen und Anwohner diese bei Bedarf abholen können - Stonehenge auf Schwäbisch.

Einer, der die Steinleseplätze regelmäßig benutzt, ist der Laichinger Landwirt Hans Frank. "Durch die Bodenbearbeitung werden die Steine in der Erde gelockert und kommen an die Oberfläche", erzählt der 56-jährige Frank. Die Steine lädt er dann in die Frontlader-Schaufel seines Traktors und fährt sie zu einem der drei Steinleseplätze in Laichingen. Die Maschinen, die Frank zur weiteren Bodenbearbeitung nutzt, sollen so vor Schäden bewahrt bleiben. Außerdem - irgendwo muss er hin mit seinen Ackersteinen. Früher schüttete er sie in Gräben oder Gebüsch, es gab keinen festen Platz. "Mit der Laichinger Flurbereinigung vor ein paar Jahren wurden dann auch die Steinleseplätze eingerichtet", erzählt Frank. Der landwirtschaftliche Boden wurde neu geordnet und die öffentlichen Plätze für die Ackersteine wurden festgelegt.

Wer die Steine von dort wieder mitnimmt, weiß Frank nicht genau. "Viele benutzen die Steine wohl für die Gartengestaltung oder es kommt jemand vom Schotterwerk und holt die Steine", sagt Frank. Auffällig sei aber, dass die Häufen schrumpfen. Kein Wunder, sagt Frank: "Irgendwann sind halt alle Steine aus dem Acker geklaubt." Diese Entwicklung gefällt einem gar nicht: Dieter Hepperle ist Gaunaturschutzwart des Schwäbischen Albvereins und beobachtet die Steinleseplätze der Region seit Jahren. Die Haufen, die oft an öden Landschaften liegen, sind für Schlangen und Eidechsen der ideale Lebensraum, "wenn nur die Leute die Steine ein bisschen länger liegen lassen würden", sagt Hepperle. Meist liegen die Kalksteinbrocken nicht länger als drei bis sechs Monate, sagt er. Früher häuften sich die Steine oft meterhoch aufgetürmt.

Doch die Steine sind zu begehrt, um eine andauernde Unterkunft für Tiere zu bieten. "Es ist Mode, die Steine in Metall-Gabionen zu füllen - das sind die Steinmauern, die man jetzt in vielen Gärten sieht", sagt Hepperle. Der Grund für die Beliebtheit: Die Steine sind ausgefroren. "Sie sind frostsicher", erklärt der Naturschutzwart. "Die Brocken haben sich bei einer Erosion vom Fels gelöst und sind so hart, dass sie nicht mehr bröckeln."

Während es immer weniger Steine gibt, nimmt das Müllaufkommen dagegen stetig zu. "Die Leute laden da Abfall, Tontöpfe, Bauschutt oder sogar Matratzen ab", erzählt Susanne Dörenbecher, Sachbearbeiterin bei der Stadt Laichingen. Der Missbrauch von Steinleseplätzen ist fast schon Alltag - trotz der wiederkehrenden Mitteilungen im Amtsblatt. "Die Leute sind einfach zu bequem, den Müll wegzubringen", sagt Dörenbecher. Mitunter wurde sogar überlegt, die Plätze zu schließen, so schlimm sei es gewesen. Mittlerweile sei man davon aber wieder abgekommen. "Die Plätze werden benutzt und benötigt, deshalb bleiben sie erst mal."

 

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